Reisegeschichten

Markus Oess, ©FT

Die Mode lässt sich gut mit einer Reise vergleichen. Zum einen zeigt sich darin eine wunderbare kulturelle Vielfalt und sie ist auch Ausdruck gesellschaftlicher Entwicklung. Sei es, dass die Menschen für den charmanten, hübschen, aber eiskalten Killer Tom Ripley insgeheime Bewunderung hegen, da er einfach geradeaus geht und sich das nimmt, was ihm seiner Meinung nach zusteht. Ganz nach dem Motto „Lebe deinen Traum“. Zwar scheitert auch er und verheddert sich in seinem eigenen Lügennetz, aber irgendwie ist er auch cool, vor allem, wenn Alain Delon Tom Ripley verkörpert.

Eine kulturelle Zeitreise erleben wir auch mit dem Bauhaus, das künstlerisch seiner Zeit weit voraus war. Zum 100-Jährigen gibt es jetzt in Weimar ein eigenes Museum. Nur ist es nicht so, dass sämtliche Einwohner dem Bauhaus alle erdenkliche Unterstützung zukommen ließen. Im Gegenteil: In den 1920er-Jahren drohten Weimarer Bürger ihren Kindern, die nicht hören wollten: „Wenn du nicht brav bist, dann kommst du ins Bauhaus.“ Da war unser Kulturgott Johann Wolfgang von Goethe schon immer angesagter, auch zu Zeiten der DDR. Alles eine Frage der Zeit eben.

Und die ändern sich bekanntlich. Zum Glück, möchte man für die Branche meinen, denn zu jedem neuen Saison-Wechsel keimt die Hoffnung aus Neue auf, die Malaise der zurückliegenden Monate hinter sich zu lassen und zu neuen Wachstumspfaden aufbrechen zu können. Speziell in der Mode also wird der Wandel zelebriert und wir haben bei den Berliner Messen NEONYT, PANORAMA, SELVEDGE RUN und auch dem Konferenzformat #FASHIONTECH nachgefragt, wie sich der Wandel diesmal konkretisiert. Und auch ein kleiner Blick auf die Pitti Uomo darf hier nicht fehlen. Wir fragen nach dem Stellenwert der Nachhaltigkeit beim Verbraucher und wir stellen wasni vor, ein kleines Label, das sich als Integrationsunternehmen versteht.

Schwerpunktthema der Ausgabe diesmal ist Afrika. Wer bei Afrika immer noch an Entwicklungshilfe in der Landwirtschaft denkt, bitte schön. Sicher steckt der schwarze Kontinent immer noch in massiven Problemen – wirtschaftlich, politisch. Die Glaubenskonflikte in Ländern, die mit dem Lineal gezogen wurden, ziehen den Kontinent herunter. Aber sind die aktuellen politischen Entwicklungen in der sogenannten westlichen Welt so viel besser? In Afrika entstehen auch wunderbare Dinge, die Anlass zum Optimismus geben. Südafrika und Äthiopien zum Beispiel sind inzwischen auch für Europäer als Produktionsländer interessant. Wirtschaftliche Stärke kann in diesem Zusammenhang nur dann aufkommen, wenn Fairness im gegenseitigen Umgang miteinander die tonangebende Maxime lautet und auch die Produktionsstätten dieser Länder gutes Geld verdienen und dieses in Form von gerechten Löhnen weitergeben. Das mag naiv klingen, aber ändert nichts an der Richtigkeit dieser Aussage. Ganz so wie unser Musik-Tipp des Monats: „Taken By The Dream“.

Wir wünschen Ihnen eine erfolgreiche Order und für den Handel das richtige Händchen bei der Auswahl der Produkte!

Ihr

Markus Oess