Zum feschen Pfarrer

Priestermode

Priesterkleidung darf gern auch modern gestaltet sein. alle Bilder ©FT

Autor: Andreas Grüter

Vom Kostümschneider am Opernhaus zum Designer von Messgewändern ist es gar kein so großer Schritt, findet Thomas Schmitt. Seit 1994 fertigt der Kölner mit seiner Firma Schmitt Paramente liturgische Kleidung für Kaplane, Priester, Bischöfe und Kardinäle. Wie es dazu kam und was man dabei beachten muss, erzählt er im Interview.

Ganz klassisch: Die Soutane mit ihren 33 Knöpfen

FT: Herr Schmitt, Sie haben an der Kölner Oper Kostüme gefertigt. Wie kommt man vom weltlichen Theater zur Dienstleistung für die Kirche?
Thomas Schmitt:
„Ich hatte immer schon einen recht engen Bezug zur Kirche und im Endeffekt habe ich lediglich das profane gegen das heilige Theater eingetauscht. Allerdings war das ein ziemlich langer Weg. 1994 fragte mich ein befreundeter Kaplan nach einem grünen Messgewand für den Alltagsgottesdienst. Ich sagte zu, er war vom Ergebnis begeistert und bestellte weitere Gewänder in allen liturgischen Farben. Die Entwürfe wurden im Rahmen einer kleinen Ausstellung präsentiert, aus der sich dann weitere Aufträge ergaben. Im Jahr 2000 habe ich schließlich mein Gewerbe angemeldet. Tagsüber arbeitete ich weiterhin an der Oper und nachts saß ich zuhause an der Nähmaschine und schneiderte Bekleidung für Geistliche. 2003 nahm ich an der Kirchenfachmesse Ecclesia teil, 2006 wurde mir die Übernahme eines alteingesessenen Geschäfts für Priesterkleidung angeboten, und als ich 2007 nach intensiven Verhandlungen schließlich zugesagt hatte, kündigte ich meinen Job an der Oper. Seitdem konzentriere ich mich ganz auf Paramente, sprich: in der Liturgie verwendete Textilien. Mittlerweile mit sechs Schneiderinnen, einer Zuschneiderin, zwei Stickerinnen und neben dem Stammsitz in Köln mit einem zweiten Geschäft im Wallfahrtsort Kevelaer.“

Wo liegen die Unterschiede zwischen Kostümschneiderei und der Anfertigung von Gewändern für Geistliche? Gibt es kirchliche Vorgaben, die man beachten muss?
Grundsätzlich geht es beim Theater um eine Verkleidung und in der Kirche um eine Bekleidung. Jenseits der liturgischen Farben gibt es seitens der Kirche keine konkreten Vorgaben hinsichtlich der Gestaltung. Natürlich müssen die Entwürfe aber tragbar sein und der Würde des Amtes entsprechen. Bekleidungsregeln betreffen eher die Träger. So tragen Priester beispielsweise die Kasel, Diakone die Dalmatik und Laien eine Mantelalbe.“

Auch Mitren sind im Angebot

Wie beratungsintensiv ist Ihre Ware?
Äußerst beratungsintensiv. Nicht zuletzt, weil liturgische Kleidung ja auch eine hohe Symbolkraft hat. Da muss nicht nur die Wahl der Stoffe, sondern auch jedes noch so kleine Detail stimmen. Da geht es um Applikationen, Stickereien und Textilmalereien, um Farben und um Schnitte. Die Gewänder sollten aber nicht nur zur Persönlichkeit des Trägers und der Art seiner Predigten passen, sondern etwa auch zu den Räumlichkeiten der jeweiligen Kirche und zur Musik, die gespielt wird. Ich nehme mir viel Zeit für Gespräche und Besichtigungen, um meine Entwürfe perfekt darauf abstimmen zu können.“

Das hört sich nach einem ziemlichen Aufwand an …
… der allerdings gerechtfertigt ist. Die Bekleidung ist ein wichtiger Teil eines komplexen Gesamtkunstwerks und muss dementsprechend behutsam kreiert werden. Sie ist ja dazu da, den Priester als Privatperson zu verdecken, und steht allein deshalb schon ein gutes Stück weit im Mittelpunkt. Es kommt nicht von ungefähr, dass viele Pfarrer in ihrer Predigt ein neues Gewand thematisieren. Das ist dann natürlich auch für uns ein Highlight und eine schöne Würdigung unserer Arbeit.“

Sie erfuhren diese Würdigung auch schon vom amtierenden Papst.
Ja, wir haben für den Papst und Kardinal Woelki je eine Stola gefertigt, und zwei Wochen nach Übergabe bekam ich eine Audienz bei Papst Franziskus, was eine große Ehre war.“

Wie lange dauert die Fertigung eines Gewands und in welchem Rahmen bewegen sich dabei die Preise?
Die Preise liegen für Stangenware bei unter 1.000 Euro. Anfertigungen fangen bei etwa 1.500 Euro an und können, abhängig von Material- und Detailwünschen, auch wesentlich teurer werden. Unser bisher teuerstes Stück lag bei 7.800 Euro. Für ein Unikat muss man je nach Aufwand mit 30 bis 40 Stunden Arbeitszeit rechnen. Dabei produzieren wir ausschließlich hier in unserem Kölner Atelier.“

Neben liturgischen Gewändern bieten Sie auch private Priesterbekleidung an …
… die wir allerdings nicht selbst fertigen, sondern nach unseren Vorgaben von Partnern wie Digel, Bugatti, Olymp oder Jupiter herstellen lassen. Darüber hinaus haben wir auch noch Devotionalien, Literatur und kirchliche Kunst im Angebot.“

Kommen Ihre Kunden ausschließlich aus dem kirchlichen Bereich?
Nein, wir arbeiten auch regelmäßig für Film-, Oper- und Theaterproduktionen. Beispielsweise haben wir Ottfried Fischer in der TV-Serie „Pfarrer Braun“ eingekleidet, und aktuell haben wir für ein belgisches Musical kirchliche Kostüme entworfen. Ich finde das ziemlich spannend. Absolute Voraussetzung für eine Zusammenarbeit in diesem Bereich ist jedoch, dass die Religion und die Kirche nicht ins Lächerliche gezogen werden.“

Liturgische Farben

Auf die richtige Farbe kommt es an

Die Farben der priesterlichen Gewänder sind streng den Anlässen entsprechend festgelegt. Dabei weichen die Regelungen der Katholischen Kirche von denen der Alt-Katholischen und Evangelischen in Nuancen ab.

Rot, die Farbe des Blutes und Sinnbild des Heiligen Geistes, wird zu Pfingsten, am Palmsonntag, Karfreitag, an den Festen der Märtyrer und zur Firmung getragen.

Weiß, die Farbe des Lichts, kommt zu Hochfesten wie Weihnachten und Ostern, aber auch Fronleichnam, Allerheiligen sowie zu Festen der Heiligen, die kein Martyrium erlitten haben, zum Einsatz.

Grün, die Farbe des Wachstums und der Hoffnung, schmückt das Gewand an allen Tagen ohne Heiligenfest.

Violett symbolisiert den Übergang und die Verwandlung und wird zur vorösterlichen Fastenzeit sowie im Advent getragen. Zudem gilt Violett bei kirchlichen Begräbnissen und am Gedächtnis Allerseelen als Alternative zum Schwarz.

Schwarz ist die Farbe der Trauer und wird Allerseelen und bei Begräbnissen getragen.

Hinzu kommen Rosa als Aufhellung des Violetts.