Die Zukunft ist greifbar

Retail 4.0

Bestehende Systeme anpassen und im harten Wettbewerb transformieren. ©Envato
Autor: Maximilian Fuchs

Preview EuroShop 2020

Wir leben in einer Zeit des Wandels und nahezu alle Lebensbereiche werden durch die Digitalisierung beeinflusst. Vor allem den Handel stellt es vor große Herausforderungen, er muss bestehende Systeme anpassen und sich im harten Wettbewerb transformieren. Themen wie Retail Technology, Retail Marketing und In-Store Experience werden immer wichtiger, um auch in Zukunft bestehen zu können. Vom 16. bis 20. Februar findet in Düsseldorf die EuroShop statt, die weltgrößte Fachmesse für den Investitionsbedarf des Handels. Wir haben uns im Vorfeld aktuelle Trends und Entwicklungen angeschaut, die für die Branche besonders interessant sind.

Suchmaschine für die Innenstädte
Die Grenzen zwischen online und stationär verschwimmen immer mehr und die Kunden begrüßen diese Entwicklung. BLVRD hat eine neuartige Fashion-Suchmaschine entwickelt, die es möglich macht, produktorientiert in den Innenstädten zu suchen. Im Detail wird es laut Gründer und CEO Ari Berzenjie so aussehen, dass die App eine Oberfläche nutzt, ähnlich wie die eines Online-Shops. Der Clou ist die Konnektivität: Man erhält standortbasierte Produktergebnisse sowie die Information, welche Händler vor Ort das jeweilige Produkt führen und in der gewünschten Größe auf Lager haben. Ohne lange Suche und Stress zum Wunschprodukt, direkt zum Mitnachhausenehmen.

Ari Berzenjie und Vian Feldhusen von BLVRD ©BLVRD

„Die Händler sind natürlich besonders entscheidend für das Gelingen unseres Projekts. Ohne eine kritische Masse an Händlern brauchen wir erst gar nicht auf den Markt zu gehen, ganz gleich, wie stark die Akzeptanz vonseiten der Verbraucher auch sein mag. Um die Hürde für die Händler möglichst niedrig zu halten, haben wir versucht, den Aufwand für sie zu minimieren. Händler können direkt auf uns zukommen und benötigen einzig CSV-Daten oder XML-Daten des lokalen Warenbestandes, vielleicht noch URLs von den Produktbildern“, so Ari Berzenjie. Registrieren kann man sich jetzt schon, BLVRD startet im Frühjahr 2020 mit einem Pilotprojekt in Hannover.

Preorder, Content und Reorder aus einer Hand
Mit einer Web-Plattform und zwei Apps schafft Fashion Cloud den Weg für eine Wholesale Community, die nahtlos zusammenarbeiten kann. „Wir sehen viel Potenzial in der effizienteren Zusammenarbeit zwischen Brands und Händlern. Deshalb konzentrieren wir uns neben dem Austausch von Marketingmaterialien und Produktdaten auf die Vereinfachung von Orderprozessen – von der Vororder im Showroom bis zur Nachorder auf der Fläche.

Fashion Cloud vernetzt über 400 Brands und 7.000 Händler aus 60 Ländern. ©Fashion Cloud

Auf der EuroShop stellen wir parallel zu unseren Apps zur Vor- und Nachorder den neuen Orderbereich auf der Web-Plattform vor. Dieser ermöglicht die lieferantenübergreifende Nachorder von Brands wie MARCCAIN, ROY ROBSON, MUSTANG, BETTY BARCLAY und GERRY WEBER“, sagt René Schnellen, Co-Gründer Fashion Cloud. Auch Industrie- und Handelspartner sind von der Anwendung überzeugt, wie beispielsweise Jana Hildenbrand, Director Corporate Controlling, Marc O’Polo: „Wir nutzen Fashion Cloud, um unsere Handelspartner mit Produktbildern zu versorgen. Die Plattform ermöglicht uns eine enge Zusammenarbeit mit unseren Kunden.“

Erweiterte Realität
Ein großes Feld sind die Möglichkeiten von Augmented und Virtual Reality, die, richtig eingesetzt, das Einkaufserlebnis des Kunden auf ein völlig neues Level heben können. „Mithilfe immersiver Technologien können Einzelhändler jeden Raum individuell gestalten und an die Wünsche und Bedürfnisse der Kunden anpassen. Jeder Kunde kann somit das Geschäft anhand seiner Vorlieben personalisiert erleben. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Kunde länger im Shop verweilt, etwas kauft und wiederkommt“, so Kelly Goetsch, Chief Product Officer, commercetools GmbH.

adidas und eyecandylab zeigen die Möglichkeiten von AR im Flagship-Store in Paris. ©adidas

Im November 2019 hat adidas gemeinsam mit dem AR-Spezialisten eyecandylab ein Pilotprojekt gestartet, um auf die Umweltauswirkungen des Kunststoffverbrauchs hinzuweisen. Hierzu hat man sich keinen geringeren Standort als den Flagship-Store an den Champs-Élysées in Paris ausgesucht. „Durch unsere Zusammenarbeit mit adidas zeigen wir erneut, wie Augmented Reality als Technologie eine Schlüsselrolle spielt. AR ist als Medium für das Storytelling sehr effektiv, da es den Verbraucher vollständig einbezieht “, erklärt Robin Sho Moser, CEO von eyecandylab. „Unser Projekt dient nicht nur dazu, adidas als Innovator zu positionieren, sondern unterstreicht auch die Umwelt- und Nachhaltigkeitsaktivitäten des Unternehmens. Dies sind zwei wichtige Aspekte, die zusammenkommen.“

Augmented Reality (AR)
Unter Augmented Reality, kurz AR, oder auch zu Deutsch „erweiterte Realität“ versteht man die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Es werden Ergänzungen von Bildern oder Videos mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten mittels Einblendung/Überlagerung dargestellt. Bei Fußball-Übertragungen ist erweiterte Realität beispielsweise das Einblenden von Entfernungen bei Freistößen mithilfe eines Kreises oder einer Linie.
Virtual Reality (VR)
Als virtuelle Realität, kurz VR, wird die Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer virtuellen Umgebung bezeichnet. Beispielsweise mithilfe von VR-Brillen. Geprägt wurde der Begriff Virtual Reality von dem Autor Damien Broderick in seinem 1982 erschienenen Science-Fiction-Roman „The Judas Mandala“.