Alles so schön neu?

Kommentar

Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen

In diesen Tagen kommt an dem Thema Nachhaltigkeit kaum noch ein Modeunternehmen vorbei. Während sich unlängst eine Vielzahl von jungen Labels und Start-ups auf die Herstellung ökologisch korrekter und sozial verträglicher Bekleidung konzentrierte, sind mittlerweile auch große Konzerne dazu übergegangen, in ihren Kollektionen Biobaumwolle einzusetzen oder grüne Linien aus der Taufe zu heben. Der Endverbraucher präsentiert sich indes zunehmend gut informiert sowie in entsprechenden Communitys organisiert, er konsumiert einschlägige Blogs und tauscht sich auf sozialen Medien über neue Entwicklungen und Trends aus. Entsprechend gibt es nicht wenige Influencer, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben haben. Sie preisen auf Plattformen wie Instagram grüne Mode an, zeigen Looks neuer Kollektionen. Spätestens an diesem Punkt wird jedoch Kritik laut. Angesichts der Entwicklung solle der Endverbraucher nicht unbeachtet lassen, dass auch grüne Mode über die Nutzung von Ressourcen produziert werden müsse, wenn auch dies auf nachhaltigem Wege geschehe, heißt es. Influencer würden mit ihrer Vorstellung von grüner Mode letztendlich auch nur den Konsum befeuern, am nachhaltigsten sei es, erst gar nicht zu kaufen und wenn, dann zumindest keine neu hergestellten Produkte.

Durchaus: Die Kritik ist gerechtfertigt. Einerseits auf eine nachhaltige und sozial verträgliche Produktion Wert zu legen und andererseits unbehelligt zu konsumieren, passt per se nicht zusammen. Offenbar hat das auch der Endverbraucher verstanden. So vermeldete jüngst die Plattform Business of Fashion ein deutliches Wachstum des globalen Marktes an Secondhand-Ware. Mehr noch: Man erwarte mit Blick auf die Zukunft nahezu eine Verdopplung des Marktwertes – von 28 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 auf 51 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023. Parallel zu diesem Trend soll laut einem Artikel von Welt Online auch Burda investiert haben – in die Secondhand-Plattform Vinted. Eine schlechte Nachricht für konventionelle Modehersteller und Handel? Nein. Konsumverweigerung ist bis dato kein Massenphänomen. Und wer sagt letztendlich, dass sich das eine Konzept nicht mit dem anderen verbinden lässt? Es existieren doch durchaus bereits Stores, die neben neuen Artikeln wie selbstverständlich auch gebrauchte Waren führen. Vielleicht ein interessanter Ansatz für die Zukunft?