Mehr als Kilt

STEWART CHRISTIE & CO.

Das wohl bekannteste traditionelle Kleidungsstück, der Kilt, spielt immer noch eine wichtige Rolle. (alle Fotos ©Stewart Christie & Co.)
Autor: Maximilian Fuchs

Die älteste Schneiderei Edinburghs

Die Geschichte des Hauses STEWART CHRISTIE & CO. reicht weit zurück und beginnt bereits im Jahr 1700. Zur damaligen Zeit war die Schneiderei im schottischen Edinburgh offizieller Lieferant für Uniformen, Mäntel und Ausstattung der königlichen Soldaten von König George V. Das hauseigene Archiv hält heute noch Dokumentationen und Bücher aus dem 17. Jahrhundert bereit. Fashion Today hat mit Vixy Rae, Creative Director und Mitinhaberin, über die Geschichte der schottischen Menswear gesprochen.

Zwischen City und Highlands

Vixy Rae, Creative Director bei STEWART CHRISTIE & CO.

„Ein schottischer Gentleman fühlt sich in der Stadt genauso zu Hause wie in den Tiefen des Hochlands. Sein Kleiderschrank ist nicht weniger elegant als der eines englischen Gentlemans – dafür aber wesentlich robuster“, erklärt Vixy Rae. Ein leichter Mantel für die Stadt und ein robuster Tweed für das Land sind die Basics. Generell spielt Tweed als Schlüsselelement eine wichtige Rolle in der Garderobe der Schotten. Ob als Bestandteil eines dreiteiligen Anzugs, als Jacke zur Jeans oder auch zum traditionellen Kilt getragen: Tweed ist ein zentraler Bestandteil. Mit einer reichen Farbpalette und verschiedenen Texturen können sich, richtig ausgewählt, selbst die kühnsten Karos nahtlos in die Landschaft einfügen. „Wenn es um Abendgarderobe geht, ist der schottische Gentleman durchaus in der Lage, mit seinen englischen Nachbarn in Stilfragen gleichzuziehen, indem er Tartan trägt“, so Rae weiter.

Was hinter den Schottenkaros steckt

Ausschnitt aus der „Tailor & Cutter“ vom 18. März 1949

Obwohl der früheste in Schottland gefundene Tartan aus dem vierten Jahrhundert nach Christus stammt, gehen die farbenfrohen und vielfältigen Dessinierungen eher auf die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Ursprünglich waren Tartans mit den Regionen Schottlands verbunden und das Muster und die Farbe spiegelten sich in der Landschaft und den verfügbaren natürlichen Farbstoffen wider. Tartan hat als geometrisches Muster die gleiche Fadenzahl auf der Kette (Länge) wie auf dem Schuss (Breite) des Stoffes. „Als Großfamilien die Regionen Schottlands in Besitz nahmen, wurde das Tuch des Landes zum Wahrzeichen der herrschenden Familie. Diejenigen, die Blutsverwandte, Arbeiter oder Verbündete des jeweiligen Hauses waren, durften die Clan-Farben tragen, um Einigkeit und Treue zu zeigen“, erklärt die Expertin. Heutzutage gibt es viele Tartan-Variationen, da jede Generation dem Setting des Familienmusters eine individuelle Note hinzufügen kann. So kann die „richtige Wahl“ von der Abstammung oder vom persönlichen Geschmack bestimmt werden.

Tradition in der Moderne

Die Schotten sind Traditionalisten und haben einen besonderen Bezug zu ihrer Kleidung.

Das wohl bekannteste traditionelle Kleidungsstück, der Kilt, spielt auch heute noch eine wichtige Rolle. „Der Kilt gehört zum festen Bestandteil eines jeden Scots Gentleman, ebenso wie ein Paar ,Trews‘, also Tartanhosen. Der Kilt ist Inbegriff schottischer Kleidung, aber für Reisen zu formellen geselligen Anlässen erweisen sich die Trews als viel einfacher zu tragen“, so Rae. Die Schotten haben einen besonderen Bezug zu ihrer Kleidung und so wundert es nicht, dass ein Kilt – sofern die Taille es zulässt – ein Leben lang getragen wird. „Er ist zeitlos und zeigt der Welt ein Gefühl des Stolzes und der Zugehörigkeit zu einer Nation und zu einem Clan. Die wahre Einheit von Kleidung“, resümiert Vixy Rae.