Agilität ist Trumpf

ISPO Re.Start Days

Die ISPO Re.Start Days wurden über zwei Tage live ins Netz gestreamt. ©Messe München
Autor: Maximilian Fuchs

Handel und Industrie diskutieren beim Branchenevent über die Zukunft

Die ISPO in München konnte in diesem Jahr durch die Corona-Krise nicht wie gewohnt stattfinden. Kurzerhand entschloss man sich, mit den „ISPO Re.Start Days“ eine digitale Live-Konferenz zu organisieren, die als erfolgreiche Premiere zu betrachten ist. Das virtuelle Konzept brachte Sport- und Outdoor-Branchenplayer aus über 50 Ländern zusammen.

Wie geht der Sport- und Outdoor-Handel mit Corona um?

In der semivirtuellen Podiumsdiskussion „Die Zukunft des Handels während Corona“ kamen Einzelhändler und Marken zusammen, um darüber zu berichten, wie sie bisher mit den durch Corona verursachten Herausforderungen umgegangen sind und wie sie ihren Weg zur „neuen Normalität“ beschritten haben. In der Diskussionsrunde stach besonders Jost Wiebelhaus heraus. Er ist Inhaber des „Frankfurter LaufShops“ in Frankfurt am Main. Zwar hat der Händler eine Website, im Verkauf jedoch setzt Wiebelhaus auf rein stationär. Trotzdem konnte er während des Corona-Lockdowns, dank agiler Anpassung, sein Geschäft gut überbrücken. Der Schlüssel ist die Kommunikation und virtuelle Beratung via Instagram, Facebook und WhatsApp, gepaart mit besonderem Service. So bot er mit seinem Team die Laufstilanalyse @ Home an. Dabei nehmen Kunden verschiedene Kurzvideos auf und zeigen Fotos von ihren bisherigen Trainingsschuhen. Die Experten nehmen dann Kontakt auf und finden den idealen Schuh. Nach Vorkassenzahlung via PayPal oder Banküberweisung geht der Schuh auf den Weg. Innerhalb Frankfurts mit taggleicher Lieferung, darüber hinaus im Paketversand. Ein Service, der immer noch gern genutzt wird, auch wenn inzwischen wieder persönliche Beratungstermine möglich sind.

Die drei Megatrends: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Gesundheit

Inzwischen sind die Inhalte und Expertentalks als Webinar in der ISPO Academy abrufbar. ©Messe München

Konsumentinnen und Konsumenten fragen gezielt nach nachhaltig produzierten Waren, ein langfristig erkennbarer Trend im Handel. Peter Ottervanger, Head of Retail European Outdoor Group, beteiligte sich an einem interaktiven Workshop zu dem Thema „Wie gelingt der Neustart?“. Er verdeutlichte noch einmal die Rolle der Nachhaltigkeit für die Outdoor-Branche: „Nachhaltigkeit ist essenziell für zukünftige Geschäfte in jedem Unternehmen.“ Hierauf müssen sich Marken mit noch schärferem Blick einstellen und bestehende Konzepte erweitern. Marcel Beaufils, Senior Project Manager bei der Rheingold Marktforschung, kommt in seiner Keynote „vom Brand Purpose zum Branch Purpose“ zu der Annahme: „Gesund sein bedeutet auch, resistent gegen Krisen zu sein. Dabei übernimmt Sport eine wichtige Rolle. Wer in der Krise noch Sport machen konnte, hat gemerkt, dass er noch die Kontrolle hat über sein eigenes Leben und über die Krise. Sport ist zum eigenen Krisenmanagementsystem geworden.“

Wichtigkeit des Sports zur Gestaltung der Zukunft

Friedensnobelpreisträger Professor Muhammad Yunus hielt auf den ISPO Re.Start Days ein Plädoyer für die Wichtigkeit des Sports zur Gestaltung der Zukunft. Er zeigte in seinem Interview während der Digitalkonferenz nicht nur, dass man auch mit 80 Jahren spielend Online-Meetings meistern kann, sondern gab einer ganzen Branche inspirierende Gedanken mit auf den Weg in die Zukunft. „Es ist Zeit nachzudenken“, forderte Yunus. Denn für die Menschen könne es nach Corona nicht einfach so weitergehen wie zuvor. „Dabei ist Sport wie eine Pyramide“, sagte Yunus. „Die Spitze bilden die Topathleten, darunter stehen die Millionen von Freizeitsportlern, die zu den Weltklassesportlern aufschauen. Genau dieser Vorbildfunktion müssen sich Profis und Verantwortliche bewusst werden. Wenn Sportler sagen, dass sie den Weg zurück in die alte Welt nicht gehen wollen, werden die Menschen ihnen zuhören. Sie sind Vorbilder!“