Hurra, wir leben noch!

Lockdown

„Wir haben keinen Online-Shop und wir werden auch künftig bewusst darauf verzichten." Reimar Bradt, Bube und König ©grischer Jäger

Autor: Markus Oess
Weit über die Stadtgrenzen hinaus hat bubeundkönig in Nürnberg seinen Ruf weg. Und der ist richtig gut. Dank eines ausgesuchten, hochwertigen Sortimentes positionieren die drei auch privat befreundeten Geschäftspartner Steven Kautler, Sandro Nuzzo und Raimar Bradt ihren Laden abseits des Mainstreams. „Ehrlich, gradlinig und mit der Überzeugung, dass hohe Qualität ihren Preis haben muss, sollen alle Beteiligten daran anständig verdienen“, definiert Bradt gegenüber FT die Grundlinie seiner Arbeit. Die Botschaft wurde verstanden, seit 2013 gibt es das Geschäft nun und die drei haben sich einen festen Kundenstamm aufgebaut. Den ersten Lockdown im zurückliegenden März haben die Händler gut verkraftet und konnten 2020 sogar noch auf Vorjahresniveau abschließen. Doch jetzt steht wieder alles still. Wir haben mit Raimar über das zurückliegende Jahr gesprochen und wie der Laden durch den zweiten harten Lockdown kommt.

Eigenes Model, Chef und Kämpfer. Raimar Bradt zeigt Kante. facebook Screenshot ©www.facebook.com/bubeundkoenig

Es sollte die „goldenen 20er-Jahre“ einläuten, das Jahr 2020, doch daraus wurde bekanntlich nichts. SARS-CoV-2 diktierte das Geschehen nach seinen eigenen Gesetzen. Nach dem ersten Lockdown im vergangenen März schien die Situation im Griff. Die Infektionszahlen sanken und die Hoffnung, mit einem blauen Auge der Pandemie entrinnen zu können, war groß. Doch statt der großen Sause zum Jahreswechsel kämpfen wir gerade gegen hohe Infektionszahlen und finden uns in einem zweiten harten Lockdown wieder. Mehr noch, eine Verlängerung bis hin zu einer weiteren Verschärfung ist aktuell wahrscheinlicher als eine Lockerung. Zwar gibt es hochwirksame Impfstoffe, was einem Wunder gleichkommt, wenn wir auf die kurze Entwicklungszeit schauen, aber bis die Bevölkerung ausreichend immunisiert sein wird, dauert es und das Virus breitet sich hierzulande immer noch mit hohem Tempo aus. Raimar Bradt, einer der Inhaber von bubeundkönig in Nürnberg, berichtet, wie er das Corona-Jahr erlebt hat und was er von der Politik jetzt erwartet:

„Ich persönlich habe keine Existenzängste. Aber wir brauchen endlich Klarheit, ob Hilfe kommt und wenn ja, wie viel Unterstützung wir bekommen – Planungssicherheit ist das Stichwort. Ich kann auch mit einer klaren Ansage leben, dass wir nichts bekommen – alles ist besser, als so in der Luft zu hängen. Und nebenbei ist es ebenso ein Unding, dass noch nicht mal ein Antragsformular für die Novemberhilfen im Handel existiert. Das soll nicht bedeuten, dass wir die Segel streichen werden. Wir machen definitiv weiter. Wir erleben eine wahre Achterbahnfahrt: Mal fahren wir ein Topergebnis ein, mal rauschen die Umsätze in den Keller. Vor dem ersten Lockdown im vergangenen März hatten wir ein schönes Plus erwirtschaftet und das vor dem Hintergrund, dass wir ein sehr starkes Jahr 2018 hatten und 2019 dennoch kein schlechtes Jahr war. 

Wir hatten nur bei den Lieferanten unsere Orders reduziert, die selbstständig auf uns zukamen. Darüber hinaus haben wir nichts storniert und sind damit gut durchs Jahr gekommen. Unterm Strich konnten wir sogar das gute Vorjahresergebnis halten und unsere Lieferanten weiter unterstützen, denn wenn wir nichts mehr ordern, werden die Folgen der Krise an die Industrie weitergereicht. Auch wenn wir natürlich zuerst uns selbst retten müssen, haben wir auch eine Verpflichtung gegenüber unseren Lieferanten.“ 

Der erste Lockdown im März traf den Handel unvorbereitet und mit voller Wucht. Wer hätte auch gedacht, dass Deutschland wie viele andere Länder auch die Uhren anhält, in eine Starre verfällt, deren Dauer damals unerträglich lang schien? bubeundkönig wusste sich zu helfen und profitierte auch von den Mühen der Vergangenheit.

„Im ersten Lockdown haben wir unsere Aktivitäten bei Social Media verstärkt. Wir haben keinen Online-Shop und wir werden auch zukünftig bewusst darauf verzichten, aber wir haben trotz Ladenschließung verkauft. Hauptvertriebskanal in dieser Zeit war Instagram. Wir haben Looks gepostet und die Kunden konnten per Nachricht oder telefonisch bestellen. Wir haben darüber sogar neue Kunden gewonnen. Über Facebook haben wir es genauso getan. Außerdem haben meine Geschäftspartner und Freunde, Steven Kautler, Sandro Nuzzo und ich eine WhatsApp-Gruppe mit rund 150 Stammkunden aufgebaut, die auch immer wieder etwas bestellt haben. Vor allem unsere Stammkunden waren in dieser Zeit eine wichtige Säule und standen stets solidarisch zu uns. Zusätzlich haben wir über die deutsche Crowdfunding-Plattform Startnext Spenden erhalten, jede Woche unsere Schaufenster umdekoriert und so als Verkaufsfläche genutzt, um unser Sortiment zu präsentieren. Pakete wurden verschickt, Bestellungen ausgefahren oder direkt vor Ort bei uns abgeholt. Wir haben alles getan, was wir praktisch und schnell umsetzen konnten. Die Kunden fühlten sich gut aufgehoben und wir haben die Retouren niedrig gehalten. Weil wir genau wissen, wie die Teile größenmäßig ausfallen, und über die Gespräche herausgefunden haben, wonach unsere Kunden wirklich suchen. All das wäre unmöglich gewesen ohne die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen, welches wir uns über die Jahre aufgebaut haben. Wir arbeiten natürlich, weil wir Geld verdienen wollen/müssen. Aber wir arbeiten als Einzelhändler, weil es unsere Berufung ist, weil es einfach ein geiler Job ist, der Spaß macht. 

Ich habe in den letzten Monaten auch viel Positives erfahren. Viel Unterstützung von allen Seiten und dabei habe ich gelernt, dass uns ein Stück Demut guttut. Es kann nicht immer alles durch die Decke gehen und am Ende des Tages zählen andere Dinge im Leben. Familie, Freunde, aber auch Werte und Ideale, an denen wir uns festhalten können – all das zählt am Ende mehr als alles Geld.“ 

Und heute? Was im März 2020 funktionierte, funktioniert auch jetzt. Die Kunden zeigen sich solidarisch und dank Social Media können die drei Händler weiter verkaufen. Ans Aufgeben denkt Raimar nicht, selbst wenn sie eine Saison lang aussetzen müssten. Noch aber ist es so weit nicht und bis dahin planen die drei auf Basis eines Corona-Jahres, dessen Ergebnisse doch noch vergleichsweise zufriedenstellend waren. Ein bemerkenswert positives Signal, Bradt will in der anstehenden Order unter Vorbehalt einkaufen, aber auf dem Niveau des Vorjahres und nicht weniger.

„Jetzt ist der zweite Lockdown da. Wir sind in Kurzarbeit und tun alles, um die Kosten so gering wie möglich zu halten. Wie schon beim ersten Lockdown haben wir unsere Verkaufsanstrengungen über Social Media, Telefon und Schaufenster wieder verstärkt. Immerhin können wir so unsere Fixkosten decken und wir sitzen nicht auf unbezahlten Teilen. Trotzdem leben wir jetzt von unseren Reserven. Sicher können wir noch eine Weile durchhalten, aber staatliche Hilfen, die ja angekündigt wurden, würden uns natürlich einen längeren Atem verschaffen. Geht gar nichts mehr, setzen wir eine Saison aus. Wie gesagt, deswegen möchte ich jetzt bald eine klare Ansage, ob und welche Hilfen fließen. 

Derzeit fliegen wir auf Sicht und wissen nicht, wie es weitergeht. Wir hoffen, das Infektionsgeschehen lässt sich einfangen und wir können schnell wieder öffnen. Was die anstehende Order angeht, planen wir auf Vorjahresniveau. Das aber unter Vorbehalt. Wir halten uns an die behördlichen Vorgaben. Wird der 15-Kilometer-Radius Vorschrift, werden wir auch nicht wie beim letzten Mal nach München in die Showrooms reisen, sondern alles digital abwickeln. Es gab auch Hersteller wie Hansen, die tatsächlich alle Händler besucht haben.“

Bube und König digital: Internet; Instagram; Facebook