Gehen Fahrspaß und CO2-Reduktion?

Mobilität

Autorin: Yvonne Heinen-Foudeh
Die Mobilitätswende ist angerollt. Die Menschheitsherausforderung Klimawandel nimmt Einfluss auf die Verkehrspolitik. Die EU-Kommission plant neue Emissionsregeln, die im Jahr 2030 zu 50 Prozent weniger CO2-Ausstoß führen sollen. Die Klimakrise definiert ehrgeizige Ziele für die Autobauer. Ist der Fahrspaß nun vorbei?

Agiert als Testimonial für den EQC 4Matic:  Creative Director und R’BNB-Musiker The Weeknd. ©Joachim Johnson

Pkw verursachen 60,7 Prozent der gesamten CO2-Emissionen des Straßenverkehrs in Europa. Ab 2030 sollen in Metropolen wie Kopenhagen, Oslo, Mailand, Rom, Amsterdam, Barcelona, London, Oxford sowie Auckland, Kapstadt oder Vancouver gar keine Pkw mit Verbrennungsmotor mehr neu auf die Straßen kommen. Bei der Stuttgarter Stern-Marke gehen Mobilität und Mode Hand in Hand: Zum Launch des allerersten vollelektrischen Pkw aus dem Hause DAIMLER – des smarten SUV EQC 4MATIC – war das Campaigning dann auch gespickt mit kreativen Designs und kulturellen Highlights. Darunter die Fortschreibung der How-to-Story zur Förderung von Nachwuchstalenten: Das Konzept geht Hand in Hand mit der Entwicklung von Mercedes-Benz von einem reinen Automobilunternehmen zu einem Anbieter von Mobilitätslösungen, der vielschichtige Konzepte für Carsharing, Ride-Hailing, Parken, Laden und multimodalen Transport bereitstellt. „Die eigene Komfortzone zu verlassen, ist nie leicht“, sagt uns Bettina Fetzer, Vice President Marketing Mercedes-Benz Cars. „Im Zusammenspiel von zukunftsweisender Technologie und Ingenieurskunst arbeitet Mercedes-Benz daran, den Verkehr in Ballungsräumen zu verringern und den Schadstoffausstoß zu minimieren.“

Elektrifizierte Antriebstechniken spielen in der Tat die maßgebliche Rolle auch im Individualverkehr. Wo stehen wir aktuell? – oder besser: Wie fahren wir in naher Zukunft und wohin kann die individuelle Reise gehen? – Ein Überblick.

Serienmäßige Ausstattung  mit digitalen und sprachgesteuerten Infotainment-System MBUX, das über zwei Cockpit-Monitore oder über die Mercedes me App kommuniziert.

Und ja, die Ökobilanz von de facto lokal emissionsfreien Elektroautos schaut je nach Berechnungsgrundlage nicht per se prickelnd aus: Vor allem und neben dem Mix des eingesetzten Stroms (regenerativ oder aus dem Kohlekraftwerk) sind es der Rohstoffeinsatz bei der Batterienfertigung und deren Entsorgung am Ende des Lebenszyklus, die zur massiven Relativierung beitragen. Gemäß entsprechenden Studien zum Beispiel seitens des ADAC sind E-Fahrzeuge heute erst ab Kilometerleistungen von rund 100.000 gesamthaft betrachtet klimaschonender. Dies insbesondere, solange die EU sich nicht auf eine Regulierung zum verpflichtenden Recycling jeglicher Batterien einigt, darunter bitte auch eine von Mobilgeräten jeder Art auf die Beine stellt und damit wirtschaftliche Anreize für die nachgelagerte Infrastruktur zur Verwertung auf den Weg bringt. Fakt ist: Wer mit Elektroauto unterwegs ist, reduziert die unmittelbare Emission von CO2 und anderen Treibhausgasen auf zero – vom Start bis zum Ziel.

Auch als Fahrradfahrer fühlen wir uns  im Umfeld des Mercedes EQC deutlich sicherer. Das Assistenzsystem erkennt Radler im toten Winkel und warnt  Fahrer*innen.

FT hatte im Rahmen der Recherche zum anstehenden Mobilitätswandel Gelegenheit, einige Stern-Stromer der Power-Kategorie unter alltagstauglichen Realbedingungen zu testen: Typisch für Mercedes vereint der kompakte vollelektrische Luxus-SUV Tugenden wie sehr ordentliche Kraftreserven (300 kW/408 PS), Cruising-Komfort und holistische Intelligenz, die Fahrerinnen und Fahrern das Leben erleichtern – von der optimierten Navigation bis zum Lademanagement. „The intelligent networking of services and functions considerably simplifies use of the vehicle. Über unsere in Summe 1.300-Kilometer-Route mit dem im Bremer Mercedes-Werk gebauten EQC sorgt serienmäßige Akustikverglasung für Ruhe beim Reisen. Keinerlei Reifenabroll- und Windgeräusche stören das mobile Meeting – so im Vergleich selbst im Innenraum eines Elektroautomobils beeindruckend: Allradantrieb sichert uns auch in den schnellen Kurven der B 500 von Baden-Baden nach Freudenstadt, der bei Motorradfahrern beliebten „Schwarzwald-Hochstraße“, souveräne Kontrolle mittels Traktion. Eine Sportskanone ist der Leisetreter dennoch nicht und soll er auch nicht sein.

Mercedes meCharge sichert Zugang zum weltweit größten Ladenetz mit ca. 300.000 Ladepunkten. 

Dem Platzbedarf für Batterie und zwei Asynchron-Elektromaschinen geschuldet, landet der E-Daimler mit einem Kofferraumvolumen von gut 500 Litern im Vergleich seiner Klasse auf den hinteren Rängen. Apropos Reichweite: Das 80-kWh-Batteriepaket des EQC verschafft uns über einen Zeitraum von zehn Tagen bei einem Mix aus Autobahn, Landstraße und Stadtfahrt eine respektable Reichweite von durchschnittlich 405 Kilometern bei winterlichen Temperaturen, die zwangsläufig von der Batterieladung mitzehren. Wobei wir die Rekuperation zeitweise bis zum Anschlag ausnutzen und dennoch auch den ausgesprochenen Fahrspaß genießen, den das Kraftpaket mit sich bringt.

Noch relevanter: Mit einem über den Zeitraum gemessenen Stromverbrauch von 20,8 kWh/100 km gehört das allererste vollelektrische Auto, das DAIMLER auf den Markt gebracht hat, zu den Besten seiner Klasse. Mit etwas Glück bei der Identifizierung der DC-Schnellladung ist das EV (Elektrofahrzeug) in 30 Minuten von 30 auf 90 Prozent aufgeladen – und los gehts. (Das Aufladen auf das gleiche Niveau über eine Wallbox oder öffentliches AC-Laden dauerte bei uns 4 Stunden 30 Minuten). Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h haut hin wie auch das imposante Durchstarten – von 0 auf 100 in respektablen 5,1 Sekunden.

Optimal planen – sicher pilotieren

Unsere Tagestouren starten wir vorab vom Homeoffice, geben Ziel und Ankunftszeit vor, wärmen das Fahrzeug übers Smartphone vor: Mit unserer intelligenten Routenplanung inklusive erforderlicher Ladestopps und Zeitvorgaben sind wird wohlpräpariert startbereit. Bei den Fahrassistenzsystemen punktet der Stern-Stromer durch erstklassiges Zusammenspiel. Die drei Fahrmodi „Eco“, „Comfort“ und „Sport“ unterscheiden sich deutlich. Am meisten Spaß macht uns natürlich das dynamische Fahrprogramm, dagegen agiert der EQC in Eco deutlich zurückhaltender – immer noch temperamentvoll genug für die Stadt und gut für die Reichweite.

Stichwort: Reichweitenangst. Geht den Akkus so langsam der Saft aus, ist der Fahrmodus „Max Range“ die Lösung. Zusammen mit dem Navigationssystem berechnet das System anhand des Streckenverlaufs, des Verkehrsflusses den optimalen Weg zur nächsten Ladestation und hilft der Autorin haptisch, sie zu erreichen, indem ein deutlicher Druckpunkt im Gaspedal markiert, wie schnell sie fahren darf, um auf der sicheren Seite zu sein. Das Einsetzen der Rekuperationsstärke zur Verzögerung per Wippen hinter dem Lenkrad (links stärker, rechts schwächer) geht mir schnell in Fleisch und Blut über. Wähle ich die stärkste Stufe, komme ich mit dem Gaspedal aus (One Pedal). Auch das verbrauchsmindernde Segeln – das Ausrollenlassen und somit optimale Nutzen des Restantriebs ohne weiteren Energieverbrauch – beherrscht der EQC.

Der noble Allradler ist erst der Anfang für die wachsende EV-Familie der Premiummarke: „Wir werden in den nächsten Monaten mehr zu berichten haben“, sagte ein Sprecher von Mercedes-Benz der Chronistin. Der EQC und sein kleiner Bruder, der vor der Markteinführung stehende EQA, sind Teil einer neuen Reihe von zehn Elektrofahrzeugen mit EQ-Schriftzug, in deren Entwicklung die Stern-Marke 9,06 Milliarden Euro (11 Milliarden US-Dollar) investiert hat und die sie in den nächsten zwei Jahren auf den Markt bringen will.