Im Krisenmodus

Kommentar

©Vitali Diller
Autor: Maximilian Fuchs

Der Start in die 2020er-Jahre hat einige Überraschungen und eine Menge Herausforderungen mit sich gebracht. Zuerst kam durch die Corona-Pandemie das Weltgefüge aus dem Takt, der Ukraine-Krieg erschüttert und beschäftigt uns wohl leider auch noch länger. In der Folge ist die Inflation hierzulande auf ein Rekordhoch geklettert und die steigenden Preise setzen den Menschen merklich zu.

Verbraucherinnen und Verbraucher überdenken Käufe

Der HDE untersucht in regelmäßigen Abständen das Einkaufsverhalten der Verbraucherinnen und Verbraucher und bringt das Gefühl der steigenden Preisspirale in seinem Konsummonitor auf den Punkt. Vor allem die Lebensmittelpreise machen den Menschen zu schaffen und so passen die Konsumentinnen und Konsumenten ihr Einkaufsverhalten an, achten vermehrt auf Sonderangebote und verzichten in manchen Produktgruppen sogar komplett auf den Kauf. Die Preissteigerung wird von mindestens 94 Prozent der Befragten wahrgenommen. Dabei liegt die persönlich gefühlte Steigerung deutlich über der tatsächlichen – und so haben Konsumentinnen und Konsumenten ihr Einkaufsverhalten sehr schnell verändert und schichten ihr Budget teilweise um. Neben einigen anderen Konsumgüterbereichen wird der Bekleidungsmarkt in der Studie herausgestellt als ein Bereich, für den deutlich weniger Einkaufsbudget vorhanden ist. Laut der Befragung planen 31 Prozent, ihre Fashionkäufe zu streichen oder zu verschieben.

Umbruch im Handel geht weiter

Dazu kommen die Herausforderungen der digitalen Transformation, mit denen kleine und große Händler schon länger konfrontiert sind. Durch die Entwicklungen der letzten Monate hat sich das Tempo weiter erhöht. In seiner Studie „Connected Retail 2022“ gehen die E-Commerce-Expertinnen und -Experten des EHI unter anderem davon aus, dass Live Shopping, Quick Delivery und Virtual Commerce in den nächsten Jahren zu den Top-Trends im Handel zählen werden. Es sei zu erwarten, dass der ganze Transformationsprozess in Zukunft noch radikaler werden wird und es zur „Customer Anarchy“ kommt – also der außer Kontrolle geratenen Customer Journey. Neben allen Anstrengungen für Industrie und Handel, die komplexen Verzahnungen zwischen Produkten, Dienstleistungen und Verbraucherinnen und Verbrauchern zu bewältigen, wird das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten durch eine Vielzahl von weiteren Faktoren beeinflusst. Die Lösung soll eine neue Kategorie für Technologielösungen bringen: Product-to-Consumer (P2C) Management. Eine systematische Herangehensweise zur Kontrolle, Steuerung und Maximierung eines E-Commerce-Ökosystems. Ein ebenfalls sehr interessanter Ansatz, der es Unternehmen jeder Größe ermöglicht, die Kommunikation über Social Media und Messaging zu bündeln und auszubauen, ist Conversational Sales. Hierbei verschmelzen Kommunikation und Shopping auf Plattformen wie Facebook Messenger, WhatsApp und Instagram, gestützt durch künstliche Intelligenz. Wichtiger denn je ist es, beweglich zu bleiben und neuen Technologien gegenüber offenzustehen, nur so kann der Umwälzungsprozess bewältigt werden.