Deutsche Player auf internationaler Bühne

Kommentar

Wichtiger denn je ist es beweglich zu bleiben und neuen Technologien gegenüber offen zu stehen. ©Vitali Diller

Autor: Maximilian Fuchs
Schaut man sich deutsche Modemarken an, die einen internationalen Ruf genießen, so gibt es einige Unternehmen, die sich besonders hervortun. Es fehle den Deutschen oftmals an der italienischen Leichtigkeit oder der französischen Finesse, hört man. Das kann man so nicht gelten lassen. Gute Produkte sind international und das gilt auch für deutsche Marken. Ein Gerücht also, wenn man sich den deutschen Textilmarkt in seiner wunderbaren Vielfalt betrachtet.

Nach Internationalität und Größe ist HUGO BOSS als globale Brand die deutsche Nummer eins. Mit der Wachstumsstrategie „CLAIM 5“, die Anfang August vorgestellt wurde, wird das ambitionierte Ziel der Umsatzverdoppelung auf 4 Milliarden Euro bis zum Jahr 2025 verfolgt. Eine klare Ansage an den Markt und die internationalen Aktionäre. Mit neuem Logo will die HUGO BOSS Group den Übergang der Labels BOSS und HUGO schaffen und die Markenpositionen festigen. Neues Marketing, ein neues Konzept für den Einzelhandel und das Online-Geschäft sollen folgen. „Somit werden die Kunden beide Marken künftig in einem komplett neuen Look-and-feel erleben“, so das Metzinger Unternehmen.

In Bietigheim-Bissingen ist OLYMP zu Hause, international agierender Hemdenspezialist und Gerard Butler’s Choice, der als Testimonial die High-End-Linie SIGNATURE vertritt.

Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen sind ein besonders wichtiges Thema für die Schwaben. „Wir übernehmen als Familienunternehmen in dritter Generation aus tiefer Überzeugung Verantwortung – für unser Unternehmen mit unserer Belegschaft, unser Produkt und unsere Lieferkette“, sagt Mark Bezner, Geschäftsführender Gesellschafter der OLYMP Bezner KG. Seit 2021 ist das Unternehmen auch Mitglied der Fair Wear Foundation (FWF). Wer ganz genau wissen möchte, wie die Hemden entstehen, der findet auf der Firmenwebsite alle Produktionspartner. Damit möchte man sich für verbesserte Arbeitsbedingungen und eine höhere Transparenz in der Textillieferkette einsetzen.

Im oberbayerischen Stephanskirchen ist Marc O’Polo seit 1997 ansässig und beliefert viele Länder in der Welt. Auch hier finden sich Stars als Markenbotschafter wieder. Für eine Kampagne mit Peter Lindbergh standen schon Jeff Bridges, Uma Thurman und Lara Stone Porträt. Das Label bleibt seinen skandinavischen Wurzeln treu, was sich neben dem Slogan „Est. in Stockholm“ auch im neuen Store-Konzept THE SCANDINAVIAN STUDIO abzeichnet, mit dem das Management die eigene Position als „führende moderne Casual Lifestyle Brand im globalen Premiumsegment“ anstrebt.

Es wären zahlreiche weitere Marken anzuführen, die Liste würde lang. Es bleibt zu sagen: Die deutsche Mode ist auf der Welt wettbewerbsfähig, solange sie die globalen Megatrends aufgreift, bei denen zuvorderst der Wunsch nach Nachhaltigkeit zu erwähnen ist. Leider ist angesichts der fatalen Katastrophen in der Welt, die der Klimawandel ausgelöst hat, aus dem Wunsch der einzige Ausweg geworden. Damit Mode aus Deutschland ankommt, muss sie Verantwortung für ihre gesamte Wertschöpfungskette übernehmen.

Nein, es ist wahrlich kein einfacher Start in die 2020er-Jahre. Es gibt viel zu tun für die deutsche Mode- und Textilindustrie. Das Überdenken von Produktionsbedingungen und Umweltschutz, vor allem die Vermeidung von CO2, sind zwei wesentliche Faktoren, die über den internationalen Erfolg entscheiden werden. Doch gerade dieser Punkt wird uns sicher in der nächsten Zeit noch stärker umtreiben, denn Verbraucherinnen und Verbraucher wollen zusehends wissen, wo und wie die Textilien produziert wurden – überall auf der Welt.