Vier Länder, vier Labels

Markenradar

Die Pandemie war in Sachen Trends an vielen Stellen auch ein Katalysator. ©WEBER+WEBER SARTORIA

Autorin: Silke Lambers
Langlebig, bequem und optimistisch: Die Pandemie war in Sachen Trends an vielen Stellen auch ein Katalysator. Wir stellen vier europäische Marken vor, die sich in einer Welt nach dem ganz großen Schrecken mit ihrer Ausrichtung besonders gut positionieren können. Von nachhaltig über outdoor bis hin zu verspielt – mit New Menswear sollten Sie diese vier Marken auf Ihrem Radar haben. Wir haben vier europäische Labels unter die Markenlupe genommen, die den aktuellen Bedürfnissen und Trends des Marktes entgegenkommen. Dafür sind wir (virtuell) nach Italien, Belgien und Österreich gereist und haben uns auch in Deutschland umgeschaut.

About Companions: Langlebige Umweltaktivisten

Ort: Berlin, Deutschland

©About Companions

Nachhaltigkeit ist eines der ganz großen Themen im Markt, ein Thema, an dem niemand mehr vorbeikommt. Dabei ist der Kunde über die letzten Jahre immer informierter geworden und fordert mehr Transparenz von nachhaltigen Marken oder Konzepten. Greenwashing ist in aller Munde und daher wird kritisch hinterfragt. Außerdem kündigt sich ein grundsätzliches Umdenken an, weg von Fast Fashion, hin zu langlebigen Produkten, die saisonübergreifend Freude machen und den Konsum reduzieren. Hier wächst eine neue Generation von Modemachern heran, die halb Umweltschützer, halb Fashion-Aktivist ist und eine bewusste und emotionale Verbindung zu ihren Kunden sucht. Der Klimawandel wird uns vor dem Hintergrund der aktuellen Umweltkatastrophen immer bewusster und der Wunsch, aktiv unsere Erde zu erhalten, zeigt sich in Entwicklungen von verantwortungsvollen Modezyklen, die neben der Ästhetik der Kollektionen besonders auch an der Entwicklung fairer Arbeitspraktiken, der Reduzierung von Textilabfällen und der Anwendung umweltfreundlicher Herstellungsverfahren interessiert sind.

Neu in diesem Segment ist die Marke About Companions, die zum Frühjahr/Sommer 2021 gestartet ist. Die Gründer und Geschäftsführer Thies Meyer und Stephan Sunder-Plassmann, ursprünglich verantwortlich für die Marke FRISUR, haben sich neu orientiert und eine reine Menswear-Marke entwickelt, die für langlebige und Low-Impact-Mode steht. Ihre ethischen Produkte werden ausschließlich fair in der EU produziert, den Machern ist eine zuverlässige und vertrauensvolle Beziehung zu langfristigen Produktionspartnern besonders wichtig. Alle Hersteller sind Familienunternehmen mit Sitzen in Litauen und Portugal. Die Kollektionen sind so konzipiert, dass jedes Teil seinen Besitzer langfristig begleitet und viele Saisons getragen werden kann. Für Aufklärung beim Kunden sorgt ein System von Icons und Hintergrundinformationen auf dem Hangtag. Um ihre Qualität auch über den Verschleiß hinaus zu sichern, bekommt jedes Produkt einen Reparaturgutschein, der lebenslang Gültigkeit hat.

 

C.P. COMPANY: Aktive Materialspezialisten

Ort: Bologna, Italien

©C.P. COMPANY

Funktion liegt im Trend. Zum einen halten die typischen ästhetischen Details wie aufgesetzte Taschen, technische Materialien und funktionelle Schnitte Einzug in die urbane Mode und werden zum Must-have für trendbewusste Großstädter. Zum anderen sehen wir seit Jahren, dass die Sehnsucht nach frischer Luft, Erdung und Outdoor-Abenteuern den Gorpcore-Trend gerade nach der Erfahrung einer globalen Pandemie kräftig anfeuert. Gorpcore leitet sich von der Abkürzung von „Good Old Raisins and Peanuts“ ab, also dem Studentenfutter, das viele Wanderer zur Energieversorgung mit auf den Berg nehmen. Für diese neue Generation der modischen „Hikebeasts“ wandelt sich die Wertschätzung des Looks zum Bedürfnis nach echter Funktion.

Bekleidung für diese neu entdeckte Outdoor-Lust liefert zum Beispiel C.P. COMPANY. Das angesehene Outdoor-Label, das vom „Paten der urbanen Sportbekleidung“ Massimo Osti 1978 in Bologna gegründet wurde, bietet einen charakteristischen Stilmix aus militärischem und sportlichem Stil. Diese Hybridisierung von funktionaler Herrenmode und italienischer Stoffinnovation ist bis heute der Kern der Modemarke. Das Label leistet immer wieder Pionierarbeit auf dem Gebiet der Materialentwicklung und mit dem Einsatz spezieller Färbetechniken. So wurden für die Saison Herbst/Winter 2021 die Oberflächen von Performance-Stoffen aufgeweicht, abgenutzt, gealtert, geschliffen, getarnt und mit verschiedenen Mitteln beschichtet, um eine sich entwickelnde hochmoderne Idee der urbanen Landschaft widerzuspiegeln. In den letzten Jahrzehnten hat die Marke weiterhin Pionierarbeit für einen Connaisseur-Hybrid-Stil geleistet, der die Funktionalität von Vintage-, Militär-, Arbeits- und Sportbekleidung mit intensiver Stoffforschung und -innovation kombiniert. Verstärkt durch die Verwendung des Garment Dyeings, einer Technik, die C.P. COMPANY als erste Marke der Welt ab Mitte der 1970er-Jahre vorantrieb.

 

HOWLIN’: Junge Optimisten

Ort: Antwerpen, Belgien

©HOWLIN’

Mit der Pandemie haben viele Verbraucher auch den Blues bekommen. Jetzt ist es Zeit für neue Lebensfreude, die sich gerade und besonders ausdrucksstark in Mode ausdrückt. Hier wird in Farbe geschwelgt, in trendigen Pastellen genauso wie in beinahe naiv wirkenden Knallfarben, die manchmal so willkürlich zusammengestellt scheinen wie die Wachsmalstifte eines Kindes. Und so sind es auch meist junge (Streetwear-)Marken mit großer kreativer Freiheit, die in diesem Segment Aufmerksamkeit erregen. Streetwear- und Denim-Marken mit jugendlicher Ausrichtung erweitern in diesem Jahr ihre Sortimente und fügen dem Mix mehr #stayhomestyle-Artikel wie Loungewear und Socken hinzu, neben Utility Staples und Performance-Oberbekleidung.

Das belgische Label HOWLIN’ spielt mit Designs und macht gleichzeitig Produkte, die mit Sorgfalt hergestellt werden. „Vom Strickpullover bis zur zotteligen Weste werden alle unsere Produkte von traditionell ausgebildeten Handwerkern in Schottland oder Irland unter Verwendung der hochwertigsten Garne individuell hergestellt und von Hand verarbeitet. Seit 1981 stellen wir in Schottland hochwertige Strickwaren her. 2009 haben wir unser neues Label HOWLIN’ (schottischer Slang für stinkend) gegründet. Die Art der Herstellung bleibt traditionell, aber HOWLIN’ bietet mehr Raum für Fantasie in Form und Muster. In einer immer schnelleren und stärker automatisierten Wirtschaft sind wir froh, die Dinge zu verlangsamen und unseren Fokus auf gut gemachte Produkte zu legen. Wir wissen, dass es sich um eine Nische handelt, aber wir mögen Nischenprodukte – sehr sogar. Unser Ziel war es, langlebige, funktionelle und originelle Produkte zu schaffen, die saisonale Trends weit überdauern“, heißt es aus dem Unternehmen.

Alle Stücke werden in kleinen Chargen und mit viel Liebe zum Detail hergestellt.

 

WEBER+WEBER SARTORIA: Coole Konfektionäre

Ort: Wien, Österreich

©WEBER+WEBER SARTORIA

In der Pandemie hat sich eine klare Verschiebung weg von der Konfektion hin zu Leisure Wear gezeigt. Bequemlichkeit stand im Homeoffice an erster Stelle, einen Anzug zu tragen, war hier einfach nicht nötig. Aber auch, wenn es nach der Pandemie zurück in die Büros geht, wird das nicht in den alten Anzügen passieren. Hier tut sich ein Feld für eine neue, entspannte Form des Büro-Outfits auf: Work Leisure. Mit einem Fokus auf Komfort und Silhouette werden die Looks entspannter und komfortabler und schlagen die Brücke zwischen Freizeitbekleidung und Konfektion. Flexible Teile aus funktionalen Textilien halten Einzug in die Büroetagen, das können moderne Stretch-Stoffe für einen bequemen Sitz sein oder knitterresistente Stoffe, die auch eine Anreise auf dem Fahrrad nicht übel nehmen.

Hier nehmen wir eine österreichische Firma in den Fokus, die in der Konfektion Formalität gegen Komfort tauscht. WEBER+WEBER SARTORIA ist eine Marke ganz im Zeitgeist: Gegründet im Jahr 2015 von Christian und Manuel Weber, verkörpert die Modemarke die New Menswear. Hier steht Cool Tailoring auf der Tagesordnung, dabei sind qualitativ hochwertige und langlebige Stücke, gefertigt in traditioneller italienischer Schneiderkunst, der Kern der Marke. Mit seiner „unsuited“ Philosophie verbindet die Marke Tailoring- und Casual-Elemente. „Vor der Pandemie hatten wir oft das Problem, dass die Händler unseren Look zwar mochten, aber nicht wussten, ob sie uns in die klassischen HAKA-Abteilungen oder in die Sportswear einordnen sollen – das ist jetzt Geschichte“, so Christian Weber. Nach den vielen Monaten im Lockdown sieht man bei WEBER+WEBER SARTORIA einen veränderten Anspruch an die Konfektion, die anders aussehen und vor allem einen anderen Komfort bieten muss.