Omotenashi

ORILABO

Das japanische Wort Omotenashi bedeutet so viel wie ausgeprägte Gastfreundschaft in Verbindung mit Respekt. Die beiden Gründer Jan ten Brinke (l.) und Yuki Suzuki. alle Bilder ©Orilabo

Autor: Markus Oess
Anfang Mai hat die Brand ORILABO ihre erste Kollektion auf den Markt gebracht. Hinter der Marke stehen keine Unbekannten. Die Gründer sind Jan ten Brinke, über viele Jahre Geschäftsführer von LERROS, und Yuki Suzuki. Das Handlungsprinzip der Marken, „Omotenashi“, basiere auf der japanischen Philosophie, die eine Verbindung der drei Werte Empathie, Freude und Authentizität schaffen will. Das japanische Wort Omotenashi bedeutet so viel wie ausgeprägte Gastfreundschaft in Verbindung mit Respekt. ORILABO wolle diese Verbindung auf ihre Kundinnen und Kunden übertragen und mit einer „Business to Human“-Mentalität arbeiten. Die Kleidungsstücke werden nachhaltig von einem portugiesischen Familienunternehmen hergestellt, auch die Verpackung ist nachhaltig. ORILABO wird zunächst online angeboten.

Wir haben mit ten Brinke gesprochen. Doch zuvor noch ein paar Punkte zum Interview mit ten Brinke:

Sortiment und Entwicklung

„Wir sind mit dem gestartet, was wir a) selber am besten fanden und was wir b) mit unserem Anspruch an handwerkliche, nachhaltige und faire Produktion beschaffen konnten“, sagt ten Brinke. Als Nächstes folgen Outerwear-Teile, einige Accessoires und ein paar „verrückte Sachen, auf die wir Lust hatten.“ Kommenden Monat wird etwa ein hochwertiges MOLESKINE-Buch angeboten. Außerdem wird gemeinsam mit einem kleinen Atelier hier in Deutschland eine Serie aus japanischem Denim gefertigt. Das wird richtig cool.

Preise

T-Shirts liegen zwischen 70 Euro und 80 Euro. Sweats starten bei 90 Euro und liegen in der Spitze bei 190 Euro. Die Jacken werden um die 300 Euro kosten. „Wir wollen in erster Linie hochwertige, zeitlose und langlebige Teile machen, die das Potenzial haben, dein Lieblings-T-Shit, -Sweatshirt oder -Top zu werden. Der Anspruch an unsere gesamte Customer Journey ist, dass das alles etwas Besonderes ist und sich auch so anfühlt“, sagt ten Brinke.

Wholesale

„Ja, natürlich gerne“, sagt ten Brinke. „Uns ist wichtig, dass Wholesale-Partner die gleiche Idee haben, wie man Kundinnen und Kunden glücklich machen und so viele ,Moments of Joy‘ verbreiten kann wie möglich. Diese Sorte Handelspartner ist sicher seltener als die, die sich freuen, wenn man ihnen ein T-Shirt für 9,99 Euro als Konsiware auf die Fläche stellt, aber es gibt sie mehr und mehr.“

Zertifizierung

„Unsere portugiesischen Ateliers sind alles kleine, familiengeführte Betriebe, in denen die Leute schon jahrelang arbeiten, fair bezahlt und so behandelt werden, wie wir uns das vorstellen“, sagt ten Brinke. Viele Zertifikate seien Augenwischerei und sollen nichts anderes machen, als das Gewissen der Verbraucher zu beruhigen. ORILABO setze auf Zeitlosigkeit, Langlebigkeit und Recycling als Nachhaltigkeitsschwerpunkte. Für jeden Karton aus recyceltem Papier wird ein Baum gepflanzt. Alle Labels sind aus wiederaufbereitetem Material. „Wir reparieren jedes Teil in einer kleinen Schneiderei hier um die Ecke und die Tatsache, dass wir ausschließlich hier in Europa produzieren, zahlt auf dasselbe Konto ein. Natürlich könnte man die Ware auch aus Bangladesch bekommen. Zertifiziert, mit dem Schiff um die halbe Welt – und das zu einem Drittel des Preises. Was ist besser?“, fragt ten Brinke.

Werbung

Die Idee ist, eine Marke für „Like-Minded People“ zu kreieren. So, als wenn man zu einem kleinen Konzert seiner Lieblingsband ginge. „Irgendwie mag man da auch jede und jeden und fühlt sich unter Gleichgesinnten. Auf diesen Community-Gedanken zielt auch unsere Werbung ab“, sagt ten Brinke. Genau so soll die Marke aufgebaut und bekannt gemacht werden. Ten Brinke schließt bewusst keine Idee und Aktion aus, solange sie zur Markenbotschaft passt.

FT: Happy über den Start der Marke und die ersten Wochen?
Jan ten Brinke: Aber hallo! War wirklich toll und auch, wenn ich ein bisschen kränklich war, haben wir den ersten Family & Friends Release gebührend gefeiert. Kann gerne so weitergehen. Mit den Aufträgen und dem Feiern.“

Nachdem du bei LERROS aufgehört hast, wie lange war die Auszeit, die du dir genommen hast?
„Geplant war, dass ich mindestens drei Monate GAR nichts mache. Das hat sich nach einer Woche als überaus langweilig herausgestellt. Im März war Schluss und wir haben Ende April angefangen, die ersten Ideen bezüglich Marke, Identität, Positionierung et cetera zu entwickeln. Im Juni haben wir gegründet und im Juli waren wir das erste Mal in Portugal.“

Wann kam die Idee für euer Projekt?
In Yukis und meinem Kopf gab es die schon seit fast einem Jahr. Wir kennen uns gut und als er 2019 aus Tokio nach Köln gezogen ist, haben wir uns immer wieder darüber unterhalten. Du kennst diese ,Man sollte‘-/,Man müsste eigentlich mal‘-Gespräche. In der Sneaker Community gibt es ein sehr schönes Statement, das ,Give Love – Get Love‘ heißt. Das hat uns immer begleitet und darum herum haben wir die Marke gebaut.“

Warum ORILABO?
„ORI ist die japanische Vorsilbe für falten, weben, herstellen (von Hand) und LABO die Kurzform von Labor. Ein bisschen sind wir auch ein Labor. Wir probieren viel aus, beschränken uns nicht nur auf Fashion (da kommen viele Dinge, die wenig bis gar nichts mit Fashion zu tun haben) und da lag das LABOr nahe.“

Warum der starke Bezug zu Köln und Kaffee?
„Um unser Büro herum sind ein paar der besten Cafés der Stadt. Wir trinken beide am Tag maximal zwei, drei Tassen Kaffee und haben – wie es sich für ein Start-up gehört – auf jeden Luxus verzichtet. Außer der Siebträgermaschine. Wir halten es beim Kaffee wie bei unserer Marke. Weniger, aber es muss RICHTIG gut sein. Außerdem wollen wir unter dem Hashtag #LifeatORILABO Einblicke geben, wer wir sind, was wir mögen. Daher auch die Reminiszenz an die Cafés um uns herum.“

Und die Kinder, die auf der Website zu sehen sind?
„Wir wollten der ORILABO-Gemeinschaft zeigen, dass Glücklichsein in Kindern quasi ANGELEGT ist, und darauf hinweisen, dass man damit unserer Meinung nach gut umgehen und es beschützen muss. Für uns sind diese Moments of Happiness essenziell. Klingt vielleicht ‚doof‘, aber wir leben das.“

Die Kids, die auf der Website zu sehen sind, erinnern im Look ein wenig an die Macher der Marke …
„Das ist korrekt.“

Wer ist dein Geschäftspartner?
„Yuki Suzuki. Anfang 30, aus Tokio, hat in London, Australien und Japan gelebt, penibler Perfektionist, besserer Barista als ich, der beste Marken-Schöpfer und visuelle Designer, den ich kenne, ein guter Typ, ein Sneakerhead (mit einer wirklich großartigen Sammlung), ein Spaßvogel und Arbeitstier wie ich, eine tägliche Inspiration, ein Profi und ein guter Freund. Wir haben viele Moments of Happiness zusammen.“

Ihr zeigt Bilder von euch, stellt den Bezug zu Köln her, aber eure Namen nennt ihr nicht, gibt es einen bestimmten Grund?
„Ist mir – bis du mich das gefragt hast – gar nicht aufgefallen. Also, sehr langweilige Antwort: Nein, hat keinen Grund, dass wir unsere Namen nicht sagen. Der Bezug zu Köln liegt darin, dass wir die Stadt beide lieben und hier leben. Natürlich ist die Marke hier beheimatet, aber wir wollen das Beste aus unseren verschiedenen Kulturen verbinden. Als wir im Dezember unsere (coronakonforme!) Weihnachtsfeier mit allen Leuten, die zur Marke gehören, hatten, waren da elf Nationalitäten.“

Wir hatten ja länger über Musik gesprochen, wer hat den ersten Song aus eurer Playlist ausgewählt?
„Die Mai-Liste ist von Yuki, die April-Liste ist von mir. Jeder darf auf seine Playlisten das draufpacken, was er/sie will. Die im Juni kommt von unserer Mitarbeiterin Valeriia. Ich liebe Valeriia, aber von der Liste finde ich KEINEN Song gut. Mag eventuell am Altersunterschied liegen …“

Und was ist dein Favorit?
„Hands-down in einer Million Jahren: ,Unfinished Sympathy‘ von Massive Attack.“

Ihr habt mit Sweat angefangen, wie geht es weiter?
„Wir haben mit T-Shirts, Sweats, einer Moleskine-Collabo, japanischem Denim, recycelten Taschen aus Abfall, den eine Partnerin von uns auf den Straßen von Tokio aufgesammelt und daraus richtig tolle Sachen gemacht hat, und ein paar anderen Sachen angefangen. Die Sweats haben wir nur als Erstes gedroppt. Wir werden jeden Freitag um 18 Uhr neue Produkte droppen. Immer gleich allen alles zeigen, ist ja langweilig.“