Kein Schwarz-Weiß

FTbasic

Die Plattform avocadostore verkauft aktuell rund 400.000 Produkte von über 1.400 Anbieterinnen und Anbietern ©Freepik Pro
Autor: Maximilian Fuchs

Interview mit Mimi Sewalski, Geschäftsführerin von avocadostore

In unserer Serie „FTbasic“ laden wir kleine und mittelständische Händler zum Gespräch, um über das Geschäft mit der Mode in der aktuellen Situation zu sprechen. Dieses Mal haben wir mit Mimi Sewalski, Geschäftsführerin des Online-Anbieters avocadostore, über Wachstum in Krisenzeiten, Kriterien für Eco Brands und die Rolle von Social Media gesprochen.

„Unser Ansatz ist Transparenz.“ Mimi Sewalski, Geschäftsführerin von avocadostore ©avocadostore

FT: Wie habt ihr die letzten zwei Jahre erlebt? Hat die Diskussion um einen nachhaltigen Lebensstil bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern für Zuwachs im Shop gesorgt oder haben die Krisen gebremst?
Mimi Sewalski: „Nach dem Schockmoment im ersten Pandemie-Lockdown haben wir durchaus gemerkt, dass unser Neukundenanteil steigt und dass die Bereiche Sport, insbesondere Yoga, und Wohnen deutlich wachsen. Das lag sicherlich auch daran, weil der gesamte Online-Handel von der COVID-Situation profitiert hat. Aber das Feedback unserer Kundinnen und Kunden zeigt auch ganz klar, dass der Lockdown mit all seinen Konsequenzen zu einem Innehalten und Hinterfragen geführt hat – und avocadostore dabei hilft, nachhaltiger, also weniger, aber besser zu konsumieren. Zuwachs im Marktplatz haben wir also auch bekommen, weil Kundinnen und Kunden sich nun bewusst entscheiden, andere, also nachhaltigere Produkte zu kaufen. Seit dem Ukraine-Krieg merken wir, wie Konsum an sich wieder nach hinten gestellt wird. Inflation, steigende Energie- und Benzinkosten führen dazu, dass das Konsumklima sinkt, was ja auch das Konsumbarometer des Handelsverbandes (HDE) bestätigt.“

Welche Segmente/Produkte sind besonders gefragt?
„Während der COVID-Lockdowns wurden besonders Kategorien wie Sport und Yoga, Möbel und Kinderspielzeug nachgefragt. Das hatte sicherlich auch etwas damit zu tun, weil viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von zu Hause aus gearbeitet haben. Laptopständer waren bei uns zeitweise sogar ausverkauft. Aber im Allgemeinen steht bei uns die Kategorie Fashion an erster Stelle und macht einen großen Teil unserer Anbieterinnen und Anbieter aus. Trendthemen sind definitiv die Eco Jeans, der vegane Schuh oder Sneaker und Sommerkleider. Des Weiteren verkaufen wir auch alles gut, was eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Produkten darstellt, also wiederverwendbare To-go-Becher oder -Flaschen, Rasierhobel statt Einwegrasierer, plastikfreie Küchen- und Bad-Accessoires, wie Lunchboxen oder Zahnbürsten.“

Was sind die Kriterien für Unternehmen, um über avocadostore verkaufen zu können, und wie viele Marken habt ihr aktuell gelistet?
„Unser Ansatz ist Transparenz. Wir glauben nicht an Schwarz-Weiß-Kriterien für Nachhaltigkeit. Deshalb haben wir zehn Nachhaltigkeitskriterien aufgestellt. Wer bei uns verkaufen möchte, muss mindestens ein Kriterium erfüllen und das bei der Produktbeschreibung aufführen. Unsere Kriterien sind beispielsweise ,ressourcenschonend‘, ,fair und sozial‘ oder ,Cradle to Cradle‘ – also Produkte, die für die Kreislaufwirtschaft konzipiert sind. Darüber hinaus stehen wir mit den Eco Brands im Austausch und wollen, dass sie die gewählten avocadostore-Kriterien mit Leben füllen, also weitere Informationen und Erklärungen abgeben, damit für unsere Kundinnen und Kunden klar ist, warum ein Produkt dem Kriterium zugeordnet wird. Außerdem können Kundinnen und Kunden direkt am Produkt Fragen stellen oder Feedback geben. Wir verkaufen derzeit über 400.000 Produkte von über 1.400 Anbieterinnen und Anbietern, insgesamt kommen wir so auf mehrere Tausend Marken aus allen Kategorien.“

Welche Rolle spielen Social Media in der Kommunikation?
„Eine sehr große Rolle. Social Media sind für uns nicht einfach nur ein Kanal, um Produkte zu präsentieren, sondern wir nutzen unsere Social-Media-Kanäle auch, um Orientierung im Bereich Nachhaltigkeit zu geben und die Geschichten hinter unseren Produkten zu erzählen. Beispielsweise: Was ist eigentlich ein veganer Sneaker oder warum ist eine Öko-Jeans nachhaltiger? Wir versuchen, spannende Trends, Informationen und News in alle Richtungen zu verbreiten, um somit auch einen möglichst hohen Impact für die Nachhaltigkeit zu erreichen. Und natürlich bekommen wir auch Fragen zurückgespielt und können diese dann direkt mit Herstellern und Brands klären. Dadurch wird avocadostore zu einer Schnittstelle der Branche. Deshalb erreichen uns auf Social Media auch oft die ersten Kontakte von neuen Brands und Start-ups.“

Welche Fachmessen sind für euch besonders wichtig?
„Bisher war es die BERLIN FASHION WEEK für den Modebereich, also insbesondere die NEONYT, die SEEK, aber auch die PREMIUM- und die PANORAMA-Messe. Aber wir finden es auch wichtig, uns alle Modetrends anzugucken. Denn nachhaltige Konsumentinnen und Konsumenten kaufen durchaus modebewusst ein. Es ist kein ,Entweder-oder‘ mehr, sondern ein ,Sowohl-als-auch‘, also trendy und nachhaltig. Deshalb sind für uns auch kleinere Messen interessant, wie die INNATEX oder die showUP-Messe in Amsterdam. Geht es um große Messen, dann sind die ambiente und die BIOFACH für uns ganz vorne mit dabei. Auch wenn sie nichts mit Mode zu tun haben, geben sie natürlich trotzdem wichtige Hinweise auf nachhaltige Trends.“