Am Riff

Auf ein Kaltgetränk mit…

„Tatsächlich war es schon immer mein Plan, in das elterliche Unternehmen einzusteigen. Zum einen gefiel mir die Gastgeberrolle als Händler und zum anderen auch die Möglichkeit, die Dinge nach meinen Vorstellungen zu gestalten." Steffen Jost, BTE-Präsident und Betreiber des Modehauses JOST ©BTE

Autor: Andreas Grüter
Zum August-Umtrunk unserer „Auf ein Kaltgetränk mit …“-Serie haben wir uns mit Steffen Jost, seines Zeichens BTE-Präsident und Betreiber des Modehauses JOST, Grünstadt, getroffen. Bei Sonnenschein und einem Pfälzer Rosé ging es im Gespräch um Klavierkonzerte, Bildungswüsten, Abenteuerurlaub in der Wildnis und Errungenschaften der Antike. Read on …

FT: Trinken im August. Welches Kaltgetränk darf ich Ihnen anbieten?
Steffen Jost: „An einem lauen Sommerabend auf der Terrasse dürfen Sie mir gerne einen leichten Pfälzer Rosé, gut gekühlt, anbieten.“

Und was darf es dazu zu essen sein?
„Abends soll es etwas Leichtes sein. Zu einem Rosé passt Fisch ganz gut. Ich persönlich bevorzuge jedoch Krustentiere.“

Hatte der 16-jährige Steffen Jost andere Pläne, als im elterlichen Modehaus mitzumischen?
„Tatsächlich war es schon immer mein Plan, in das elterliche Unternehmen einzusteigen. Zum einen gefiel mir die Gastgeberrolle als Händler und zum anderen auch die Möglichkeit, die Dinge nach meinen Vorstellungen zu gestalten. Dies bezieht sich nicht nur auf das optische Auftreten eines Unternehmens, sondern auch auf das inhaltliche. Alternativ konnte ich mir auch schon immer vorstellen, aus der gleichen Gastgeberrolle heraus im Hotelfach tätig zu sein. Dazu hatte unsere Familie allerdings keine Historie, weshalb schließlich das Modehaus zum Zuge kam.“

Ein Thema, wonach ich nie befragt wurde, wozu ich aber viel zu sagen hätte?
„Deutschland ist ein ressourcenarmes Land. Unser Wohlstand ist abhängig von erfolgreichen Unternehmen und deren qualifizierten Mitarbeitern. Der Wohlstand ist meiner Meinung nach gefährdet, wenn es uns nicht gelingt, die folgenden Generationen besser auszubilden, als es zurzeit geschieht. Gerade in einer alternden Bevölkerung dürfen wir es uns nicht erlauben, zu viele junge Menschen mit keinem oder schlechtem Schulabschluss in die Berufswelt zu entlassen. Diese sind nicht nur kaum oder gar nicht ausgebildet, sondern haben auch nicht gelernt, durch kontinuierliches Arbeiten erfolgreich zu sein. Der Fachkräftemangel in Deutschland spricht Bände über diese Fehlentwicklung, die nicht nur die Wirtschaft vor große Probleme stellt, sondern auch gesellschaftspolitischen Sprengstoff hat. Dass wir trotz voller Auftragsbücher und eines Rekordhochs offener Stellen noch immer zwei Millionen Arbeitslose in unserem Land haben, ist ein Skandal und offenbart auch die Fehler in unserem Sozialsystem.“

Drei Dinge, die man von mir nicht erwarten würde …
„Ich bin ein bekennendes Landei. Ich liebe das Landleben, die Natur und das analoge Sein. Der digitalen Fantasiewelt, neudeutsch Metaverse, kann ich wenig abgewinnen. Obwohl ich Pfälzer bin und stolz auf die hervorragenden Weingüter unserer Gegend, trinke ich trotzdem auch gerne französischen oder italienischen Rotwein. Und schließlich tue ich mich immer noch schwer mit öffentlichen Auftritten.“

Ohne Geld …
„… muss man sich keine Gedanken über sein Testament machen. Wo es nichts zu vererben gibt, gibt es auch nichts Steuerliches zu berücksichtigen.“

 Mit Geld …
„… sieht das etwas anders aus. Geld vereinfacht mit Sicherheit den Übergang ins Privatleben.“

Der schönste Ort der Welt ist für mich in fünf bis zehn Meter Tiefe an einem intakten tropischen Korallenriff. Das tobende Leben in unglaublicher Farben- und Formenvielfalt auf kleinstem Raum ist für mich das Großartigste, was ich je gesehen habe.“

Luxus ist für mich …
„… mit Zeit und Muße sorgenfrei ohne Termine oder Gedanken an das Unternehmen in den Tag hineinleben zu können.“

Am meisten bewundere ich …
„… Unternehmer, die quasi aus dem Nichts bedeutend nationale oder auch internationale Unternehmen aufgebaut haben und es verstehen, diese rechtzeitig an die nächste Generation oder das Management zu übergeben.“

Am meisten verabscheue ich …
„… Menschen – und das geschieht auf allen Ebenen –, die sich bewusst auf Kosten anderer profilieren oder bereichern und damit ein asoziales Verhalten an den Tag legen. Solche Menschen sind Gift für jedes Team. Leider werden diese Leute nach wie vor eher ertragen denn abgestraft.“

Ihr größter Fehler?
„Ich bin sicher, dass ich meinen Kindern, als sie klein waren, nicht die nötige Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet habe.“

Drei Must-haves, die in keinem Kleiderschrank, in keiner Plattensammlung und in keinem Bücherregal fehlen dürfen.
„Die drei Must-haves in meinem Kleiderschrank sind eine Jeans, ein weißes Hemd oder Polo und ein dunkelblauer Pulli. Musikalisch möchte ich nicht auf ein Klavierkonzert von Chopin oder Rachmaninow oder das Requiem von Verdi verzichten und im Bücherschrank sollten Bücher zur europäischen Geschichte und dem Unsinn nationalistischen Denkens nicht fehlen.“

Drei modische No-Gos.
„Wir betreiben Modehäuser, und Toleranz ist hier stets das Gebot der Stunde. Jedoch würde ich mir mitunter etwas mehr ästhetisches Empfinden wünschen. Nicht jeder Schnitt, jede Farbe oder jede Form ist für jeden Körper gemacht.“

Das möchte ich unbedingt mal ausprobieren …
„Sehr lange Urlaub machen. Zum Beispiel mit dem Jeep durch die Wildnis Australiens.“

Sie bekommen eine Reise in einer Zeitmaschine geschenkt. Wohin gehts?
„Ganz klar in die Antike, und zwar nach Griechenland oder Rom. In eine Zeit, in der die Menschheit schon Unglaubliches geleistet hat. Viel altes Wissen ging über die Jahrhunderte verloren und wird heute neu entdeckt. Es ist erstaunlich, was damals bereits alles möglich war.“

Der schönste Ort der Welt ist …
„… für mich in fünf bis zehn Meter Tiefe an einem intakten tropischen Korallenriff. Das tobende Leben in unglaublicher Farben- und Formenvielfalt auf kleinstem Raum ist für mich das Großartigste, was ich je gesehen habe.“