Wachstumschancen in Bulgarien

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Verbandstreffen

Die Textil-, Bekleidungs-, Leder- und Schuhindustrie (TCLF) beschäftigt in Bulgarien rund 80.000 Menschen. Allerdings ist die Beschäftigung in den letzten vier Jahren um 20 Prozent zurückgegangen, was Anlass zur Sorge gibt. Die Sozialpartner diskutierten in einem Workshop die Herausforderungen und Möglichkeiten der neuen EU-Strategie für nachhaltige Textilien und sprachen über ökologische und soziale Aspekte der Nachhaltigkeit. Der Workshop war Teil eines EU-finanzierten Sozialdialogprojekts „Eine nachhaltige Zukunft für die südosteuropäische Textil-, Bekleidungs-, Leder- und Schuhindustrie sicherstellen“, das in Zusammenarbeit mit den europäischen Industrieverbänden EURATEX, COTANCE, CEC und industriAll Europe durchgeführt wird.  Eingeladen waren auch die Gewerkschaften FOSIL-CITUB und FLI-PODREPA sowie die Verbände BAATPE und BATOK. Im Ergebnis seien sich Parteien einig darüber gewesen, dass für den Erfolg der Strategie alle Beteiligten zusammenkommen und dass gleiche Wettbewerbsbedingungen zwischen EU- (bulgarischen) und außereuropäischen Unternehmen gewahrt werden müssten.

Angesichts des harten globalen Wettbewerbs seien enorme Investitionen sowohl in Technologie als auch in Menschen erforderlich, um sicherzustellen, dass die bulgarischen TCLF-Sektoren grüner und digitaler werden. Arbeitgeber und Gewerkschaften forderten die bulgarische Regierung auf, eine Industriestrategie zu entwickeln, um die Wachstumschancen des Landes zu verbessern. Die Gewerkschaften FOSIL-CITUB und FLI-PODREPA forderten einen stärkeren sozialen Dialog und sektorale Tarifverhandlungen. Seit 2008 gibt es keine Branchenvereinbarung und bestehende Unternehmensvereinbarungen decken nur 3-4 Prozent des Sektors ab. Arbeitgeber fordern zudem Regelungen zur Bekämpfung der Schattenwirtschaft und des unlauteren Wettbewerbs.

 „Die Botschaft der Gewerkschaften in Sofia ist klar: Wir brauchen einen qualitativ hochwertigen sozialen Dialog und starke Tarifverträge, um eine positive Zukunft für die TCLF-Industrien in Bulgarien zu gewährleisten. Die EU-Strategie für nachhaltige Textilien bietet eine echte Chance, wenn sie richtig verwaltet wird, aber Investitionen – sowohl in Technologie als auch in die Arbeitskräfte – werden unerlässlich sein. Dazu gehört die Gewährleistung fairer Löhne und guter Bedingungen, um bestehende Arbeitnehmer zu halten und neue anzuziehen“, sagt Luc Triangle, Generalsekretär von industriAll Europe. „In einem Umfeld, in dem Europa mehr Wert auf Qualität, Transparenz und Nachhaltigkeit legt, haben bulgarische Textilunternehmen eine Zukunft. Aber sie brauchen die Unterstützung der Behörden“, ergänzt Dirk Vantyghem, Generaldirektor von EURATEX. Carmen Arias, Generalsekretärin der CEC, fordert Investitionen in Fähigkeiten und lebenslanges Lernen von Arbeitnehmern. „Die Menschen sind das wichtigste Kapital für das Wachstum und die Wettbewerbsfähigkeit der Schuh- und Lederwaren Branchen. Das Bildungssystem in Bulgarien sollte in der Lage sein, auf den Qualifikationsbedarf der Unternehmen einzugehen“, sagt Arias.