Zelebriert die Talente!

Hub of Africa Fashion Week

Die diesjährige Fashion Week fand im Hyatt Regency Hotel in Addis Abeba statt. Mit dabei waren mehr als 35 Designer*innen aus Äthiopien, Kenia, Togo, Senegal, Tansania, Südafrika und Uganda. Alle Fashion Bilder ©Aron Simeneh; Backstage ©Mekbib Tadesse

Autorin: Waridi Schrobsdorff
Die Hub of Africa Fashion Week wurde von CEO Mahlet Teklemariam ins Leben gerufen. Über die vergangenen Jahre hat sich das Event, das die nachhaltigen High-End-Brands des Kontinents versammelt, als anerkannter Treffpunkt für afrikanische Designer*innen, die Medien und internationale Käufer*innen etabliert. Die jüngste Veranstaltung vom 19. bis 23. Oktober war mit Abstand die vielfältigste der letzten zwölf Jahre. Seit 2010 hat Hub of Africa mehr als 150 Designer*innen aus ganz Afrika und darüber hinaus präsentiert.

Die diesjährige Fashion Week fand im Hyatt Regency Hotel in Addis Abeba statt. Mit dabei waren mehr als 35 Designer*innen aus Äthiopien, Kenia, Togo, Senegal, Tansania, Südafrika und Uganda. Durch die Intimität und ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl hebt sich die HAFW von ähnlichen Veranstaltungen ab. Zu den bekanntesten Labels der zurückliegenden Auflage zählen MafiMafi, Doreen Mashika, Sarayaa, Be8ty, Lilabare, Zaaf, Maxhosa, Deepa Dosaja, Sammer Design, Victoria Grace, Mastewal Alemu, IbiaraKarenhappuch und Kuchineta Street Wear.

Etablierte Namen in der afrikanischen Modeszene

Als ich Deepa Dosaja inmitten des Trubels begegnete, strahlte die kenianische Designerin Ruhe und Eleganz aus. Unterstrichen wurde dies durch den originellen, zugleich zeitlosen und dennoch femininen Stil ihrer Kleidung. Bei der gemeinschaftlichen Show der HAFW-Designer*innen präsentierte sie die jüngste Kollektion ihres nachhaltigen Labels.

Während der Pandemie und den weltweiten Lockdowns hat die Kollektion von Deepa Dosaja einen Wandel durchlebt. Die Designerin beschreibt diese Transformation als die Abkehr von flüchtigen, stark auf die Außenwirkung ausgerichteten Modetrends und die Fokussierung auf komfortable und schöne Kleidung. Ihre jüngste Kollektion prägen leichte seidene Materialien, klassische Formen und von Hand gedruckte Blumenmuster. ‚Helter Skelter‘, so der Titel. Deepa Dosaja hat sich ihre Kreativität bewahrt. Mehr noch: Durch die Isolation in der Pandemie, während der auch die Modeevents pausierten, konnte sie sich noch stärker auf die eigenen Impulse konzentrieren.

Die Verwendung umweltbewusster Materialien und die Zusammenarbeit mit den entsprechenden Manufakturen kennzeichnete schon immer die Arbeit von Deepa Dosaja. Dies verbindet sie mit den übrigen Designer*innen der Hub of Africa Fashion Week 2022. Allesamt haben sie lokal gefertigte Brands ins Leben gerufen, die Arbeitsplätze im jeweiligen Herkunftsland schaffen. Mittlerweile liefern diese ultimativ nachhaltigen Brands an nationale und internationale Märkte.

Mastewal Alemu, ehemalige Professorin an der Bahir-Dar-Universität, ist ein neuer Stern am äthiopischen Modehimmel. Die von Hand gewebten und gefärbten Materialien, die sie in ihrer Kollektion nutzt, sind leicht, komfortabel und von einem mühelosen Stil geprägt. Die Farben und Schnitte sind kühn und beruhigend, neu und vertraut zugleich. Zur ersten HAFW nach der Pandemie ist die Designerin mit einer beeindruckenden Kollektion angereist, als Ausdruck von Freude und Freiheit. „Ich fühlte mich frei, nachdem ich meinen eigenen Namen für mein Label benutzt und dieses umbenannt habe. Endlich fühlte ich mich nicht mehr eingeschränkt. Ich konnte mich nun voll und ganz in meinen Designs ausdrücken. Diese Befreiung habe ich versucht in meiner Kollektion darzustellen“, erklärt Mastewal.

Mode befindet sich in stetigem Wandel – das wurde auf der Hub of Africa Fashion Week einmal mehr klar. Und sie drückt sich in den verschiedensten Formen aus. Accessoires, Schuhe, Schmuck sowie Düfte und Make-up sprengen den engen Definitionsrahmen des Sujets und gehören natürlich dennoch dazu. Hub of Africa wird diesem Umstand gerecht und zeigt alle relevanten Namen und Brands, denen ein Platz im breit gefächerten Mode-Spektrum zukommt.

Vertreten war beispielsweise das Label Natural Mums. Dahinter steht die Kenianerin Neha Parmar, die die Marke gründete, um ihren Kindern und sich selbst ein gesünderes Leben zu ermöglichen. Die Cremes, Peelings und Seifen werden aus natürlichen Bio-Ingredienzien im eigenen Unternehmen hergestellt. Und der ganzheitliche Gedanke greift noch weiter: Die elegante Holzverpackung der natürlichen Feuchtigkeitscremes ist mit einem von Hand gravierten Gänseblümchen versehen und kann, wenn sie als Verpackung ausgedient hat, aufgehoben und umfunktioniert werden.

Kreative Köpfe

Das Kosmetiklabel, welches insbesondere für seine Hautpflegeprodukte bekannt ist, hat bei der diesjährigen HAFW ein neues Produkt vorgestellt, welches eines der Hauptattraktion der Veranstaltung war und ein absoluter Spitzenreiter, was die Order anging. Ein fesselnder Duft, der sich an die Pheromone der Träger*innen anpasst und bis zu 24 Stunden anhält. Der Duft ist in verschiedenen Fläschchen, als Öl und sogar abgefüllt in Silber-Anhängerchen erhältlich.„Bei der Hub of Africa dabei gewesen zu sein, war belebend und aufregend. Ich habe schon immer daran geglaubt, dass es besser ist, zu kooperieren als zu konkurrieren. Um etwas zu kreieren, ist die Möglichkeit sich auszutauschen und zu handeln unerlässlich. Es ist der einzige Weg für Kleinunternehmer*innen, um zu wachsen. Nach Addis Abeba zu kommen und an der Fashion Week teilzunehmen hat mir den wahren Marktwert und das Potenzial afrikanischer Designer*innen gezeigt und die Notwendigkeit, die Grenzen zu überschreiten, um sich gemeinsam weiterentwickeln zu können“, sagt Neha Parmar.

Hub of Africa hat sich als ein Treffpunkt der kreativen Köpfe etabliert. Das Event zelebriert die afrikanischen Talente. Kontakte haben sich zu Partnerschaften entwickelt und Designer*innen, die noch ganz am Anfang standen, haben sich mittlerweile internationale Anerkennung erarbeitet. Marken, die bei der Hub of Africa präsentiert wurden, sind heute etablierte Namen in der afrikanischen Modeszene.

Ich kann mit Stolz sagen, dass unsere Berliner Firma, FA254, seit neun Jahren ein strategischer Partner der jährlichen Veranstaltung ist. Wir führen und betreuen Programme für HAFW und sehen den daran partizipierenden Modeschaffenden dabei zu, wie sie sich in ihrer Kreativität entwickeln und schließlich zu aufstrebenden Designer*innen gezählt werden können. Das Ziel von FA254 bleibt weiterhin bestehen: die Förderung afrikanischer Modetalente zu unterstützen und den internationalen Markt mit dem Kontinent zu verknüpfen.

Showtime