Aus fürs Warenhaus?

EK Retail

„Unsere rund 250 angeschlossenen inhabergeführten Kauf- und Warenhäuser sind gut aufgestellt, ihre Inhaber vor Ort tief verwurzelt." Jochen Pohle, Vorstand EK Retail

Autor: Markus Oess
Der innerstädtische Handel steht vor Herausforderungen: Die Frequenzen sind schwach. TEMU, SHEIN und Co drängen mit Macht auf den Markt und das Modell Warenhaus droht ein Auslaufmodell zu sein. Zumindest im althergebrachten Aggregatzustand, wie die Pleiten von GALERIA, P&C oder aachener nahelegen. Und gilt das auch für die Anschlusshäuser der EK Retail, die sich der Verbundgruppe angeschlossen haben? Jochen Pohle, CRO von EK Retail, gibt Antworten.

FASHION TODAY: Von 92 Standorten sollen Stand heute 83 GALERIA-Häuser fortgeführt werden. Welche Perspektiven haben die Häuser und deren Mitarbeiter?
Jochen Pohle: „Erst mal ist es gut, dass es mit einem strategischen Investor weitergeht, wenn auch nicht für alle Standorte. Das Konzept Kaufhaus funktioniert, wenn man es richtig angeht. Viele der Häuser haben aber offensichtlich schon lange nicht mehr profitabel gearbeitet. Da sind weitere Standortschließungen nicht zu vermeiden. Natürlich ist das für die betroffenen Arbeitnehmer ein herber Schlag. Andererseits werden auch im Handel händeringend Fachkräfte gesucht.“

Gibt es in Ihrem Händlerkreis Interessenten für einzelne Standorte?
„Nein, das würde mich auch wundern. Unsere rund 250 angeschlossenen inhabergeführten Kauf- und Warenhäuser sind gut aufgestellt, ihre Inhaber vor Ort tief verwurzelt. Und sie handeln so, wie es gute Kaufleute machen: mit großem persönlichen Engagement, einer individuellen Sortimentsauswahl, modernen Shop- und Flächenkonzepten, absoluter Serviceorientierung, kreativem Marketing auf allen Kanälen, sympathischen Kundenbindungsmaßnahmen und vernünftigen Preisstellungen. Dadurch wird der Name des Unternehmers in der jeweiligen Region zu einer Händlermarke mit gutem Klang und das oft über Generationen hinweg. Ich sehe ehrlich gesagt keinen Grund für die Komplettübernahme eines neuen Hauses in Innenstädten, die sich unausweichlich vom früheren Einkaufsort hin zur multifunktionalen Lebens- und Erlebniswelt bewegen müssen.“ 

Also erwartet uns weiterer Leerstand in den Innenstädten?
„Es kann auch anders laufen. Wir müssen uns nur darüber im Klaren sein, dass der Einzelhandel nicht allein für das Überleben der Innenstädte verantwortlich ist. Gefragt ist alles, was hilft, die Attraktivität und Lebensqualität in den Zentren zu erhöhen. Neben dem Handel gehören Gastronomie, Kultur, Freizeitangebote, private und öffentliche Dienstleistungen, Co-Working-Spaces, Kindergärten und vieles andere in die Stadtmitte – eben alles, was den Menschen einen echten Mehrwert bringt. Dafür ist allerdings deutlich mehr Engagement bei der Stadtentwicklung und den City-Konzepten nötig.“

Wie läuft es zurzeit bei den Kaufhauspartnern der EK?
„Vor dem Hintergrund der bekannt schwierigen wirtschaftlichen Gesamtlage läuft es richtig gut. Und zwar deshalb, weil unsere Händler langfristig denken, nachhaltig handeln und im Gegensatz zu Filialbetrieben nicht an kurzfristiger Gewinnmaximierung interessiert sind. Sie übernehmen Verantwortung für ihre Mitarbeiter und die Entwicklung ihrer Städte, engagieren sich sozial und politisch. Sie sind Teil der regionalen Kultur und wollen das dauerhaft bleiben. Eine Haltung, die von den Kunden honoriert wird.“

Hat der Qualitätshandel überhaupt noch eine Chance, wenn Billiganbieter wie TEMU, SHEIN und Co auf den Markt drängen und jede realistische Preiskalkulation angesichts der Dumpingpreise aus China zur Makulatur wird?
„Ich bin überzeugt davon, dass die Freude über die günstigen Preise in sehr vielen Fällen nicht lange anhalten wird. Denn wer billig kauft, kauft bekanntlich zweimal. Der Fachhandel setzt auf Qualität, individuelle Beratung und persönlichen Service – Leistungen, die ihren Preis wert sind. Viele Menschen wissen das und es können durch enttäuschte Käufer auf den genannten Plattformen noch mehr werden. Und deshalb ist mir um die Zukunft des Fachhandels nicht bange.“