Bretter, Brötchen, Beat

Auf ein Kaltgetränk mit …

„Klassische Vorsätze habe ich mir in meinem Leben eigentlich noch nie gemacht." Titus Dittmann. ©Titus Dittmann

Autor: Andreas Grüter
 

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Willkommen zur ersten Kaltgetränk-Edition in 2026! Wir hoffen, Sie sind gut ins neue Jahr gekommen. Unser heutiger Trinkgast ist Skateboard-Pionier und Unternehmer Titus Dittmann. Bei einem Glas Rotwein unterhielten wir uns über gute Vorsätze, Bäckereibesuche und die Vorteile der Langeweile. Viel Spaß beim Schmökern!

FASHION TODAY: Die erste „Auf ein Kaltgetränk“-Edition des neuen Jahres. Mit welchem Drink begrüßen wir 2026?
Titus Dittmann: „Da entscheide ich mich doch gerne für ein schönes Glas Rotwein.“

Worauf trinken wir?
„Wir stoßen auf das geilste Jahr des Jahrtausends an, das hoffentlich jetzt vor uns liegt.“

Das passende Essen zu meiner Getränkewahl wäre …
„Zum Rotwein passt immer eine richtig gute Spaghetti bolognese.“

Mit welchen Vorsätzen bist du ins neue Jahr gestartet und welche hast du bereits gebrochen?
„Klassische Vorsätze habe ich mir in meinem Leben eigentlich noch nie gemacht. Klar hatte und habe ich immer Ziele, aber feste Vorsätze gab es bei mir nie. Und was es nicht gibt, kann bekanntlich auch nicht gebrochen werden. Irritierend finde ich vielmehr, wenn Menschen versuchen, ihr Leben langfristig durchzuplanen. Dafür ist das Leben viel zu komplex und unvorhersehbar. Viel wichtiger ist es, aufmerksam für Chancen zu sein und flexibel auf sie zu reagieren. Man muss einfach im Flow bleiben.“

Welche Version von Titus Dittmann hätte es gegeben, wenn Skateboarding nie Teil deines Lebens geworden wäre?
„Das weiß ich nicht und ich möchte es auch gar nicht wissen. So, wie es gelaufen ist, gefällt es mir gut. Jede Alternative wäre auf jeden Fall schlechter.“

Ist dein Leben eher gewählt oder passiert?
„Mein Leben ist von Anfang an eher passiert. Natürlich hatte ich immer Träume und Ziele, doch irgendwann bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es gar nicht so schlecht ist, wenn sich manche Träume nicht erfüllen – allein schon, um sie als Träume zu bewahren. Meine Motivation war immer, Glück zu finden. Dabei habe ich festgestellt, dass es mich glücklich macht, Probleme zu lösen. Dem Glück bin ich am nächsten, wenn ich meine eigenen Probleme gelöst habe – und wenn ich dabei helfen kann, auch die der anderen zu lösen.“

„Wenn ich Träume habe, schaue ich, dass ich sie mir erfülle.“

Wann standest du das letzte Mal auf einem Brett?
„Wäre es im Moment nicht so vereist, wäre ich wahrscheinlich heute Morgen mit dem Board zum Brötchenholen gerollt. Als alter Mann von 77 Jahren wollte ich das Risiko dann aber doch nicht eingehen, vom Eis oder von irgendwelchem verdammten Split abrupt gestoppt zu werden und wie ein gefällter Baum den Asphalt zu küssen. Mein letzter Ausflug auf dem Brett ist inzwischen zwei oder drei Wochen her. Im Sommer rolle ich dafür jedes Wochenende zum Bäcker – und mein Lieblingstrick ist dabei, die Brötchen nicht zu verlieren.“

Gibt es etwas am heutigen Skateboarding, das dir fremd ist?
„Die vielen neuen Tricks, die ich natürlich nicht draufhabe. Aber hey, am Ende geht es doch einfach darum, mit dem Board Spaß zu haben. Skateboarden ist für mich kein Leistungssport, sondern eine Lebenshaltung und ein Wertesystem. Beim Skaten lernt man ja sehr früh eine entscheidende Sache: Wenn du auf die Fresse fällst, hast du wieder aufzustehen und es besser zu machen. Eine Lektion fürs ganze Leben.“

Street oder Vert?
„Ganz am Anfang, in den Siebzigern, skateten wir natürlich auf der Straße – Parks oder Rampen gab es ja noch nicht. Freestyle mit den kleinen Brettern war damals ebenfalls angesagt, etwas, das es heute so gut wie gar nicht mehr gibt. Irgendwann kam dann Vert dazu und heute rolle ich einfach gerne ein bisschen herum.“

Kino oder Netflix?
„Weder­ – noch. Ich habe seit meiner Kindheit ADS und es fällt mir schwer, mich auf Filme oder auch Bücher zu konzentrieren. Ich geh lieber raus und mach irgendwas. Ich bin das genaue Gegenteil eines passiven Konsumenten.“

Selber kochen oder bestellen?
„Bei dem Thema bin ich total pragmatisch. Mir geht es ums Essen, nicht ums Kochen und ich finde es super, mir das zu bestellen, worauf ich gerade Lust habe. Wäre ich ein Hobbykoch, sähe die Sache natürlich ganz anders aus. Kochen ist ein tolles Handwerk, aber nicht meins. Da gehe ich lieber in die Garage und schraube an meinen alten Autos und Motorrädern rum.“

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Stadtmensch oder Landmensch?
„Ganz klar Landmensch.“

Drei Dinge, die man von mir nicht erwarten würde …
„Um zu wissen, was man von mir nicht erwarten würde, müsste ich mich in die Erwartungshaltung fremder Menschen hineinversetzen und deren Erwartungshaltung ging mir immer ziemlich am Arsch vorbei. Ich habe mich nie wirklich konform verhalten. Ich mach das, worauf ich Bock habe.“

Ich träume manchmal davon …
Dabei beschäftige ich mich schon im Vorfeld so intensiv damit, dass ich genau weiß, worauf ich mich einlasse. Manche Träume sind einfach schöne Illusionen – und sollten es auch bleiben.“

Welche Beziehung in deinem Leben hat dich am meisten verändert?
„Die Beziehung zum Skateboard.“

Was wiegt schwerer für dich: Verantwortung zu übernehmen oder Verantwortung abzugeben?
„Mir fällt es definitiv schwerer, Verantwortung abzugeben, als Verantwortung zu übernehmen.“

Was verstehen junge Menschen heute besser als du?
„Auf dem Handy zu daddeln.“

Ab wann begann Zeit für dich schneller zu vergehen?
„Für mich begann die Zeit schneller zu vergehen, als ich genug gelernt hatte und anfing, meine Zeit produktiv und effizient zu nutzen. Kinder hingegen sind zwar wissbegierig und neugierig, aber auch schnell gelangweilt. Langeweile verlangsamt den Motor der Zeit – und manchmal sehne ich mich genau dorthin zurück. Man sollte sich wirklich öfter etwas Langeweile gönnen.“

Vier Dinge, die in deinem Kleiderschrank nicht fehlen dürfen …

„Ein guter Zipper, ein Shirt, geile Kniestrümpfe und natürlich das Allerwichtigste: eine gute Mütze. Ich geh nicht ohne Mütze aus dem Haus.“

Deine Musik für die Ewigkeit.
„Ich habe immer gerne Musik gehört, aber welche, hängt ganz von meiner Stimmung ab. Aktuell würde ich mich für smoothen Jazz entscheiden, während es in meiner Jugend eher die Rolling Stones oder die Beatles waren.“

Der schönste Ort der Welt ist …
„… unser Grundstück hier in Münster-Handorf. Wir haben ein Haus mitten im Landschaftsschutzgebiet. Für mich ein absolutes Paradies.“

Das würde ich meinem 15-jährigen Ich gerne mit auf den Weg geben.
„Mach dein Ding, lass dir nicht reinreden, aber sei stets auch bereit, die Verantwortung zu tragen, wenn mal irgendwas schiefgeht.“