Standortfrage
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK), die Spitzenorganisation der Industrie- und Handelskammern in Deutschland, bewertet den Jahreswirtschaftsbericht 2026 zurückhaltend. Hauptgeschäftsführerin Dr. Helena Melnikov spricht von einem zu schwachen Wachstum. „Deutschland wächst, aber viel zu langsam“, sagt Dr. Melnikov. Seit 2019 verzeichne die deutsche Wirtschaft mit 0,2 Prozent praktisch kein Wachstum, während die Weltwirtschaft um 19 Prozent, die USA um 15 Prozent und Italien immerhin noch um sechs Prozent gewachsen seien. Die Folgen seien Abwanderung von Unternehmen, Arbeitsplatzabbau und ein Verlust außenwirtschaftlicher Bedeutung. Politische Entscheidungen müssten konsequent auf Wachstum ausgerichtet werden, etwa bei Infrastruktur, Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie und Steuern. Zudem mahnt Melnikov Fortschritte bei EU-Handelsabkommen an.
Auch die DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026 verweist auf strukturelle Risiken. Laut DIHK sind viele Unternehmen stark von Technologien aus Nicht-EU-Ländern abhängig. Bereichsleiter Dirk Binding sieht darin ein Problem für die digitale Souveränität. „Die Betriebe brauchen den Freiraum, sich entwickeln zu können“, sagt Binding. Gefordert werden verlässliche Regeln für KI und Datennutzung, offene Standards, weniger Bürokratie und leistungsfähige Infrastrukturen. 41 Prozent der Unternehmen mit KI-Einsatz sehen laut Umfrage bereits einen hohen Produktivitätseffekt. Gleichzeitig nutze rund ein Drittel KI bislang nicht. An der Erhebung beteiligten sich rund 5.000 Unternehmen.
