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m.e.n.s.

©MEF

Autor: Markus Oess

Seit dem 1. Juli 2024 ist Mobil Elasto France Sarl (MEF) für die vier Marken m.e.n.s., Revils, Doc Parkers und HOAL verantwortlich. Die Auslieferung der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2026 laufe reibungslos, sagen die Macher, und die Warenverfügbarkeit sei hoch, die Prozesse stabil. Doch der Weg dorthin war von Turbulenzen geprägt. Nun will MEF im ruhigeren Fahrwasser deutlich an Fahrt aufnehmen. Wir haben mit Noémie Offenburger-Cecconi, Geschäftsführerin MEF, und Peter Klaproth, Gesellschafter der H&K und Markeninhaber, gesprochen.

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Die Geschichte von m.e.n.s. und den Schwestermarken ist untrennbar mit Heinecke & Klaproth verbunden, einem Familienunternehmen aus Bückeburg. Und einem Tochterunternehmen in Frankreich: Mobil Elasto France Sarl (MEF). Diese Partnerschaft bildete das Fundament für den aktuellen Neustart. „Unsere eigene Erfahrung in der Branche war ein solides Fundament, um die Marken selbst weiterzuführen – ohne windige Investoren“, sagt Geschäftsführerin Noémie Offenburger-Cecconi, die seit Jahren bei MEF tätig ist und die Umstrukturierung maßgeblich mitgestaltet hat.

Die jüngere Geschichte des Unternehmens ist jedoch von einer Reihe von Ereignissen geprägt, die schließlich zum Rückzug von Heinecke & Klaproth aus der Textilbranche führten. Peter Klaproth, ehemaliger Chef des Familienbetriebs, schildert die Entwicklungen der letzten Jahre. Die Corona-Pandemie überstand das Unternehmen zunächst ohne Entlassungen – ein Beweis für die Stabilität und den Zusammenhalt im Betrieb. „Ich sehe uns als Familienunternehmen in der Pflicht, für uns, aber natürlich auch für die Mitarbeiter, die wir gewissermaßen ebenso zu dem Kreis der Familie zählen“, sagt Klaproth. Die Zeit nach den ersten Lockerungen der Pandemie-Beschränkungen war von einem unerwarteten Aufschwung geprägt: „Früher haben wir uns bei einem SOF-Plus in der Größenordnung von 3 bis 4 Prozent gefreut, weil es richtig gut lief. Das außerordentlich dynamische Sofortgeschäft nach der Öffnung mit 300 Prozent Plus war so gut, dass wir es kaum fassen konnten.“

Doch der Aufschwung sollte nicht lange währen. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar 2022 markierte einen abrupten Wendepunkt. „Bis dahin liefen die Geschäfte hervorragend. Doch dann war der Verkauf wie abgeschnitten.“ Gleichzeitig verschärfte sich die Energiekrise, die die Produktion in Bückeburg vor enorme finanzielle Herausforderungen stellte. „Die Gaspreise explodierten. In der Folge hätten wir in 2023 allein für Gas für die Bückeburger Produktion 500.000 Euro mehr bezahlen müssen.“ Trotz der effizienten Produktion – „Damals benötigte ich für die Produktion einer Hose rund 34 Minuten. Das war nahezu doppelt so schnell wie andere Produktionsbetriebe“ (sagt Klaproth) – wurde der Kostendruck zu groß. Es kam zur Entscheidung, die Branche zu verlassen. „Wir haben, das muss ich betonen, all unsere Verpflichtungen erfüllt und auch proaktiv unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bei der Suche nach einem neuen Job unterstützt“, sagt Klaproth.

Die Marken wurden anschließend von Gregor Roy-Chowdhury, dem geschäftsführenden Gesellschafter der Continentala Capital, übernommen. Die RE

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VILS menswear GmbH und das gesamte Markenportfolio sollten unter dieser neuen Führung weitergeführt werden. Doch die RMG, die die operativen Geschäfte übernahm, geriet schnell in Schwierigkeiten. Bereits im Februar 2024 meldete das Unternehmen Insolvenz an, wobei die Gläubiger Forderungen von etwa 2,5 Millionen Euro geltend machten. Mitte 2024 beendete der Insolvenzverwalter schließlich den Geschäftsbetrieb der RMG, wodurch auch der Lizenzvertrag für die Marken hinfällig wurde. Die Continentala Capital GmbH selbst folgte im Dezember 2024 mit einer eigenen Insolvenzanmeldung.

In dieser prekären Situation übernahmen die Verantwortlichen von Mobil Elasto France Sarl (MEF) die Initiative. Seit dem 1. Juli 2024 führt das französische Unternehmen die Marken m.e.n.s., Revils, Doc Parkers und HOAL exklusiv weiter. „Die RMG hat durch ihr Verhalten viel verbrannte Erde hinterlassen“, sagt Offenburger-Cecconi. Dennoch gelang es MEF, die wichtigen Weichen für einen Neuanfang zu stellen: Verträge mit traditionellen Lieferanten wurden geschlossen, zwei traditionsreiche Produktionsstätten in Bulgarien sicherten die Kontinuität der Qualität und ein eigenes Lager sowie eine moderne Software-Infrastruktur wurden aufgebaut. „Wir haben Verträge mit den traditionellen Lieferanten sowie mit zwei traditionsreichen Produktionsstätten in Bulgarien abgeschlossen, um die DNA der Marken zu bewahren“, berichtet Offenburger-Cecconi.

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Die Konsolidierungsphase im Jahr 2024 verlief erfolgreicher, als man es erwarten konnte. „Wir haben unseren Außendienst teilweise halten und Kunden überzeugen können, wieder mit uns zu starten“, sagt Offenburger-Cecconi. Zu den ersten Unternehmen, die das Vertrauen in die neue Führung zurückgewannen, zählten unter anderem SKM aus Belgien mit ihrem geschäftsführenden Gesellschafter Steven De Hertogh sowie NORTEX mit Sitz in Neumünster.

Aktuell entwickelt sich das Geschäft dynamisch. „2024 war die Phase der Konsolidierung, 2025 das Jahr des Neuaufbaus – und nun wollen wir Gas geben“, sagt Offenburger-Cecconi. Die Kollektion für Herbst/Winter 2026 ist fertiggestellt und MEF beliefert aktuell zwischen 300 und 500 Händler in Europa und Nordamerika, wobei die genaue Zahl je nach Definition von Vororder- und Sofortgeschäft variiert. „Tendenz steigend“, betont sie. Parallel dazu soll das Agenturennetzwerk systematisch wieder aufgebaut werden. „Inzwischen liefern wir nach Frankreich, UK, Irland, Kanada, Benelux und Deutschland. Wir sind auch auf dem österreichischen, dem Schweizer und dem italienischen Markt tätig.“

Der deutsche Markt nimmt in den aktuellen Planungen von MEF eine zentrale Rolle ein. „Der deutsche Markt ist für m.e.n.s. ein wichtiger Markt. Wir sind dort zwar mit langjährigen Händlern vertreten, aber da es uns an Vertretern vor Ort mangelt, können wir den Markt nicht so ausbauen, wie wir es gerne hätten“, sagt Offenburger-Cecconi. Diese Situation unterstreiche die Dringlichkeit, die Vertriebsstrukturen in Deutschland zu stärken, um das vorhandene Potenzial besser ausschöpfen zu können.

Das Produktportfolio von m.e.n.s. ist immer noch breit gefächert. „Unser Programm umfasst City mit Wollhosen und einem NOS-Programm mit drei Qualitäten und jeweils zwei Modellen in verschiedenen Farben“, beschreibt Offenburger-Cecconi das Sortiment. In der m.e.n.s.-Kollektion werden drei Linien angeboten: COMFORT als klassischste Variante, MODERN als zeitgemäßere Interpretation und BEAT als schlanke Linie. Ergänzt wird das Programm durch Revils Jeans sowie ein ganzjähriges NOS-Angebot. Dazu wirbt MEF mit einer Vielfalt an verfügbaren Größen. „Wir fertigen große Größen, untersetzte Größen, kurze untersetzte Größen, schlanke Größen, Bauchgrößen, Inch-Größen. In dem Revils-Sortiment bieten wir Inch-Größen bis zu einer Länge von 38 an“, sagt Offenburger-Cecconi. „Diese Größenspiegel-Auswahl ist einer der Gründe, warum die von uns produzierten Hosen so beliebt sind.“

Die Preispolitik des Unternehmens orientiert sich an der jüngeren Vergangenheit. „Die Preise liegen zwischen 51 und 56 Euro für die Baumwollhose im Einkauf und zwischen 139 und 159 Euro im Verkauf. Wollhosen kosten 62 bis 68 Euro im Einkauf und 169 bis 189 Euro im Verkauf. Revils Jeans liegen bei 44 bis 49 Euro im Einkauf und 129 Euro im Verkauf. Im Grunde haben wir die Preise so belassen. Wir bewegen uns schon seit Jahren auf diesem Preislevel“, sagt Offenburger-Cecconi. Diese Preiskontinuität gebe den Händlern Planungssicherheit und unterstreiche die Zuverlässigkeit des Unternehmens als Partner.

Aktuell teilt sich das Geschäft von MEF wie folgt auf: 80 Prozent entfallen auf die Hauptmarke m.e.n.s., während 20 Prozent auf Revils entfallen. „Damit ist klar, m.e.n.s. ist die Hauptmarke, aber wir beliefern auch reine Revils-Kunden“, sagt Offenburger-Cecconi. Diese Aufteilung ermögliche es, beide Marken gezielt zu positionieren und unterschiedliche Kundensegmente anzusprechen.

Im Bereich Marketing setzt m.e.n.s. auf Effizienz. „Die Priorität ist es, über die notwendigen Marketinginstrumente zu verfügen, um die Händler an den Verkaufsstellen bestmöglich zu unterstützen“, sagt Offenburger-Cecconi. Viele der langjährigen Handelspartner verfügten über umfangreiche Produkterfahrung und würden die spezifischen Anforderungen des Geschäfts mit m.e.n.s. kennen. Auf die Zukunft blickt die Firmenchefin mit Optimismus: „Wir sind hier absolut auf dem richtigen Weg.“