Autor: Markus Oess
TOM RIPLEY bleibt in einem schwierigen Marktumfeld auf Wachstumskurs. Nach Angaben von Geschäftsführer Wolfgang Müller liegt die Marke aktuell rund 10 Prozent über Vorjahr. Besonders der eigene Onlineshop entwickelt sich dynamisch und verzeichnet erneut Zuwächse zwischen 80 und 100 Prozent. Parallel baut das Unternehmen seinen Vertrieb in Deutschland sowie in den Nachbarländern weiter aus. Auf der Pitti Uomo in Florenz präsentiert TOM RIPLEY die Kollektion Frühjahr/Sommer 2027 an einem neuen, größeren Standort. Inhaltlich setzt die Marke ihren Kurs fort: Strick, Strickpolos, durchgeknöpfte Polos, Leinen und natürliche Materialien bilden den Schwerpunkt.
TOM RIPLEY tritt zur Sommerausgabe der Pitti Uomo mit einem neuen Standort auf. Der neue Stand im Untergeschosses des Padiglione Centrale umfasst 35 Quadratmeter und ist damit größer als bisher. Geschäftsführer Wolfgang Müller setzt auf mehr Sichtbarkeit: „Ich bin sehr froh darüber, dass wir uns nun größer präsentieren können“, sagt er. Inhaltlich hat sich TOM RIPLEY das Messemotto „Pool“ zu eigen gemacht und zeigt am Stand Umkleidekabinen in den Trendfarben der Saison — eine Inszenierung, die Markenwelt und Messekontext verbindet.
Die Kollektion setzt den eingeschlagenen Kurs fort. Strick, Strickpolos, durchgeknöpfte Polos sowie Leinen in Lang- und Kurzarm bleiben die Kernthemen. Neu hinzugekommen sind frische Dessinierungen und Strukturen. Fotografiert wurde die Kollektion in der Altstadt von Calvi auf Korsika. Die Stadt strahle einen gewissen morbiden Charme aus, so Müller — eine Atmosphäre, die er als passend für die Markeninhalte von TOM RIPLEY empfindet.
Vertriebsseitig hat das Label zuletzt Veränderungen vorgenommen. Die Agentur Stefan Hoge, bislang für Hessen und Rheinland-Pfalz zuständig, übernimmt nun auch Nordrhein-Westfalen. Müller verbindet damit Wachstumserwartungen: „Stefan ist ein überaus agiler und leistungsstarker Agent“, sagt er. Um die Kundennähe zu stärken, wird Hoge künftig mit einem eigenen TOM-RIPLEY-Fahrzeug ausgestattet, um Händler direkt vor Ort zu besuchen. „Wir merken, dass der Handel sehr positiv auf Hausbesuche vor Ort reagiert“, so Müller. Geografisch ist TOM RIPLEY im Süden Deutschlands gut verankert. Bayern, Baden-Württemberg und die Mitte des Landes entwickeln sich nach Angaben des Unternehmens weiterhin positiv. Der Norden bleibt die strategische Baustelle — an der das Label mit der Erweiterung des Agenturgebiets nun gezielt arbeitet.
Die Zahlen geben Müller Rückenwind. Online verzeichnet TOM RIPLEY abermals ein Wachstum zwischen 80 und 100 Prozent. Kumuliert liegt die Marke rund zehn Prozent über Vorjahr. Als Beleg für die wachsende Markenreife wertet Müller vor allem die Stammkundschaft: „Die Kunden kennen mittlerweile Marke und Qualität“, sagt er.
Die Mischung macht’s

FASHION TODAY MEN: Wolfgang, TOM RIPLEY verzeichnet trotz eines „schwierigen Marktes“ ein Plus. Woher kommt der Zuwachs – ist es die Marke selbst, die Strategie oder trotz der schwierigen Marktlage der richtige Zeitpunkt?
Wolfgang Müller: „Es ist die Kombination aus allem. Design, Preis, Leistung – Strickpolo ist im Trend. Und was wir merken: Aktionen wie die Werbung auf Beats Radio und die Sonderkollektion mit Tobi Haas, beides im März, haben die Marke digital deutlich bekannter gemacht. Wir werden Aktionen wie diese auch im nächsten Jahr wiederholen.“
Dein Onlineshop ist mit plus 100 Prozent der größte Einzelvertriebskanal und bereits profitabel. Wie hast du es geschafft, so viel aus dem digitalen Kanal herauszuholen – und was lernst du daraus für die Marke TOM RIPLEY?
„Es ist der Mix aus Influencern, Instagram – und klar: Google Advertising. Das klassische Onlinemarketing hat geholfen. Wir sehen, dass die Marke digital funktioniert. Die Retourenquote liegt bei 20 Prozent. Das kann sich sehen lassen.
Vorwiegend kaufen Selbstständige oder leitende Angestellte. Strick, Strickpolos und durchgeknöpfte Polos sind beliebt. Ein Kaufargument ist sicher auch Handmade in Italy, wobei wir gegenüber der italienischen Konkurrenz mit Preisen von generell unter 200 Euro überaus wettbewerbsfähig sind.“
Ihr konzentriert euch auf die DACH-Region und Benelux. Warum gerade diese Märkte – und welche konkreten Schritte unternimmst du, um den Vertrieb dort weiter „hochzufahren“?
„Traditionell passt die Marke TOM RIPLEY gut zu den Anrainerstaaten, zu Italien. Und wir folgen natürlich auch einer gewissen Vertriebs- und Expansionslogik. Wir wollen in der Region organisch wachsen und setzen hier vor allem auf die Betreuung der Märkte durch unsere Agenten. Aber auch auf der Pitti Uomo wollen wir natürlich Händlerkontakte knüpfen.“
In Österreich arbeitet ihr mit KNAUS, in Belgien mit Franklin Clavie. Wie wählst du deine Partner aus?
„Es ist bekanntlich gar nicht so einfach, gute Agenten zu finden. Wir hatten Glück und bieten ein gutes Produkt. Vor allen Dingen müssen die Agenten aktiv sein und gut im Markt etabliert. Das heißt, wir brauchen einen Showroom, das passende Markenumfeld mit Premium-Brands und eine gewisse Kreativität sowie gute Kontakte in den Markt hinein.“
Euer neues Designbüro in London soll die Marke näher an internationale Trends bringen. Warum London und nicht Mailand?
„Deborah, die sich um die Kollektion kümmert, lebt nun mal in London. London passt einfach mit seinem Großstadt-Flair sehr gut zu uns.“
Ihr produziert ausschließlich in italienischen Familienbetrieben. Wie wichtig ist diese Herkunft für eure Kunden – und wie geht ihr mit den höheren Kosten um?
„Die Produktion in Italien ist für uns essenziell. Wir haben die Kostenstruktur tatsächlich im Griff. Der Markt akzeptiert unsere Preisstruktur. Wir bleiben mit unseren Teilen im Sommer unterhalb von 200 Euro.“
Die Kapselkollektion mit Tobi Haas dient als Test für digitale Aktivierungen. Welche Erkenntnisse hat es bisher gebracht – und wie integriert ihr Social Media langfristig in eure Vertriebsstrategie?
„Die Aktion mit Tobi Haas hilft uns digital enorm viel. Wir werden die Kooperation mit ihm auf jeden Fall beibehalten. Social Media und vor allem Google sind zentrale Stellschrauben für unsere Digitalstrategie.“
Sommerzeit ist Pitti-Zeit. Was nimmst du aus Florenz mit?
„Das kann ich offen gestanden noch gar nicht so sagen. Inspiration wahrscheinlich, ein Gefühl für den Markt und Signale für die Order. Auf jeden Fall hoffe ich, dass es nicht wieder so heiß wird.“
SUMMER VIBES
Die 40-teilige Kollektion Frühjahr/Sommer 2027 konzentriert sich auf Strick, Strickpolos, durchgeknöpfte Polos, Leinen und Baumwoll-Seide-Mischungen. Farblich dominieren Ecru, Marrone, Dolomiti, Pesto, Cielo, Barolo sowie Marine und Schwarz. Schwerpunkte sind Resort Wear, Polo-Cardigans, Bouclé-Modelle, V-Neck-Pullover und Leinen-Poloshirts. Produziert wird ausschließlich in italienischen Familienbetrieben.
Zum Einsatz kommen überwiegend Naturfasern wie Bio-Baumwolle, Leinen und Maulbeerseide. Die Kollektion greift Elemente italienischer Küstenkultur der 1950er- und 1960er-Jahre auf und umfasst insgesamt 40 Modelle. Präsentiert wird sie erstmals auf der Pitti Uomo in Florenz.







