Mit der zehnten Ausgabe hat die IFCO – Istanbul Fashion Connection vom 19. bis 21. August 12.550 Fachbesucher aus 117 Ländern angezogen, gut ein Drittel davon aus dem Ausland. Mehr als 200 Aussteller zeigten auf einer neu sortierten Hallenfläche mit eigener Denim Area, überarbeiteter Menswear-Bühne und integrierter LINEXPO ihr Angebot. Verbandschefs wie İHKİB-Präsident Mustafa Paşahan sprechen von einer international etablierten Plattform. Zugleich berichten Aussteller von steigenden Kosten, einer schwachen Lira und veränderten Käuferströmen aus Russland, der Ukraine und dem Balkan – Folgen einer angespannten globalen und politischen Lage, der sich auch die IFCO nicht entziehen kann.

Mit einem überarbeiteten Ausstellungskonzept hat die IFCO ihre Hallenfläche neu geordnet. Die kuratierte Modeinstallation THE CORE rückte die kreative Seite der türkischen Modeindustrie in den Mittelpunkt, während sich in einer eigenen Denim Area Hersteller wie catch, Koza Denim und 2YPREMIUM präsentierten. Für catch war es nach Angaben von Tolga Özkan die erste Teilnahme an der IFCO. Das 2004 gegründete Unternehmen geht inzwischen mit einer eigenen Marke an den Start und erwirtschaftet nur noch die Hälfte seines Umsatzes über Private Label. Die Denim Area hebt darauf ab, dass die Türkei bei Denim über eine nahezu vollständig integrierte Wertschöpfungskette verfügt – von der Stoffentwicklung über Wasch- und Finishing-Technologien bis zur Konfektion. Ergänzt wurde das modische Bild durch THE CORE: Rund 20 Designerinnen und Labels zeigten dort ein Spektrum von präzisem Tailoring über experimentelle Menswear bis zu genderfluiden Ansätzen.
Auch die Menswear erhielt eine neue Bühne: Ein überarbeitetes Konzept rückte Hersteller wie KiḠILI, JɅKɅMEN, NCS, imza, Kadir Büyükkaya und TerziAdemAltun stärker in den Fokus. JɅKɅMEN-Manager Talha Ayan zeigte sich mit der neuen Hallenaufteilung zufrieden und verzeichnete eine spürbar stärkere Frequenz als noch in Halle 8. Es sei eine gute Idee, die Marken neu untereinander zusammenzustellen und so ein neues Markenbild auf der Messefläche zu schaffen, sagt Ayan. Aber er spricht auch von schwierigeren Exportgeschäften, denen ein stabiler Inlandsmarkt gegenüberstehe.
Neu unter dem Dach der IFCO war zudem die LINEXPO mit Wäsche-, Strumpfwaren- und Loungewear-Anbietern in Halle 8. Ümit Taş, Sales Manager bei Artış Collection, zog eine positive Bilanz: „IFCO war sehr gut organisiert und effizient. Die Integration der LINEXPO in die Messe hat sowohl für Besucher als auch für Aussteller einen deutlichen Mehrwert geschaffen.“
Politische Lage prägt die Käuferströme

Nach offiziellen Angaben kamen mit 42,9 Prozent die meisten internationalen Besucher aus dem Nahen Osten, gefolgt von Europa mit 21,4 Prozent und Asien mit 19,8 Prozent. Aus Nordafrika kamen weitere 10,6 Prozent der internationalen Gäste, aus Nordamerika, Subsahara-Afrika, Südamerika und Ozeanien zusammen 5,2 Prozent. Unter den Ländern mit besonders starker Präsenz nennt die IFCO unter anderem Russland, Syrien, den Libanon, Saudi-Arabien, den Irak, die Ukraine, Kasachstan, Jordanien, Palästina, den Iran, Tunesien, Algerien, Kirgisistan, Rumänien, Libyen und die Vereinigten Arabischen Emirate.
Auf Ausstellerseite fällt die Einschätzung differenziert aus. JɅKɅMEN-Manager Talha Ayan berichtet von spürbar weniger russischen Einkäufern als in früheren Ausgaben – möglicherweise ein Ausfluss der globalen politischen Entwicklungen, da der Krieg am Ende auch an Russland nicht spurlos vorbeigehe. Entsprechend seien auch Käufer aus der Ukraine und vom Balkan seltener anzutreffen gewesen. EURO-FASHION-Vertreter Birol Fırat wiederum berichtet, in dieser Saison besonders gut mit Einkäufern aus Kasachstan und Russland ins Geschäft gekommen zu sein – ein Hinweis darauf, wie unterschiedlich die politische Gemengelage je nach Segment und Standbereich wirkt.
Kostendruck, Inflation und schwache Lira belasten das Geschäft

Übergreifendes Thema vieler Gespräche war der anhaltende Kostendruck. Steigende Energie- und Lohnkosten sowie die Inflation verschafften Konkurrenten aus China, Ägypten und dem Fernen Osten laut Ayan mehr Schlagkraft. Auch die anhaltend schwache türkische Lira und die damit verbundenen Wechselkursrisiken erschweren türkischen Herstellern die Kalkulation, insbesondere bei importierten Vorleistungen.
KiḠILI-Vertreter Ramazan Kardarim beschrieb die Lage pointiert: „Die Krise ist das neue Normal, und wir können die Welt nicht ändern, sondern müssen uns anpassen.“ Er beobachte eine Verlagerung von Produktion unter anderem nach Ägypten, wo sich Kostenvorteile ausspielen ließen; im Wholesale-Geschäft blieben die eigenen Spielräume klein. Während der Heimatmarkt passabel laufe, gingen die Exporte zurück – ein Befund, den auch EURO FASHION teilt: Die schwierige weltwirtschaftliche Lage, die wirtschaftliche Situation im Land und die Inflation wirkten sich naturgemäß auch auf die Messe aus, so Fırat. Koza-Denim-Vertreter Mustafa Emrah Uykız verweist zugleich auf einen Vorteil: Als staatlich unterstützte Messe biete die IFCO gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Stabilität; sein Unternehmen habe in Istanbul unter anderem Kontakte zu Einkäufern aus Deutschland, Polen und Russland geknüpft.
Die Suche nach qualifizierten Einkäufern

Mit mehr als 200 Ausstellern präsentierte die IFCO nach eigenen Angaben das gesamte Spektrum der türkischen Bekleidungsindustrie. Mehrere Unternehmen wünschen sich dennoch mehr und besser qualifizierte Einkäufer: Sedat Yıldırım von İKOLL etwa sieht die Möglichkeiten der Messe unter den derzeit schwierigen Rahmenbedingungen mitunter als begrenzt an und auch Yasemin Sarpkaya (mimya) sowie Mustafa Emrah Uykız (Koza Denim) nennen die Erhöhung der Einkäuferzahl und -qualität als wichtigsten Ansatzpunkt für die Weiterentwicklung der Messe.
cebir tekstil berichtet hingegen von regem Zuspruch: Vertreterin Nezahat Aksoy zählte unter den Standbesuchern Einkäufer aus Kirgisistan, Belgien, Litauen, den Niederlanden, Belarus, Moldau, Kuwait, Oman und Saudi-Arabien – überwiegend erfahrene Branchenprofis. Anders als sonst üblich habe man auch eigene Bestandskunden zur Messe eingeladen, was aus ihrer Sicht die Frequenz zusätzlich beleben könnte, würden das mehr Unternehmen so handhaben.
Zugleich zeigen sich neue Käufergruppen: FİMKA-Vertreter Barış Köseliören berichtet, in dieser Saison erstmals auch Kunden aus Kanada und Australien gewonnen zu haben, während normalerweise vor allem Nachbarländer den Kundenstamm prägten. Zu den in der offiziellen Einkäuferliste geführten internationalen Gästen zählte unter anderem Distillery Clothing/GOTSTYLE aus Kanada – der Store, für den Melissa Austria ihre neue Eigenmarke Armor fertigen lässt. Sie sei vor allem gekommen, um bestehende und neue Lieferanten zu treffen, berichtet sie; überrascht habe sie die Größe der Herrenmode-Bereiches der Messe. Gut gefallen habe ihr dagegen der „Speed Dating“-Tag für Marken. Auch aus Deutschland war mit der Atelier X GmbH ein Einkäufer gelistet: Inhaber Erhan Bektas suchte in Istanbul einen Produktionspartner für seine neue Eigenmarke ATLX und zeigte sich von der gebündelten Information und der Türöffner-Funktion der Messe überzeugt: „Ich komme auf jeden Fall wieder“, sagte er.
Verbandschefs sehen IFCO als wachsende internationale Plattform

İHKİB-Präsident Mustafa Paşahan zog nach zehn Ausgaben eine positive Bilanz: „In den vergangenen vier Jahren hat sich die IFCO deutlich weiterentwickelt und als internationale Plattform für die türkische Modeindustrie etabliert. Sie bringt Design- und Produktionskompetenz zusammen, vernetzt Marken mit Einkäufern und verwandelt kreative Visionen in konkrete Geschäftsmöglichkeiten.“ Die wachsende internationale Reichweite zeige die Stärke der türkischen Modeindustrie und unterstreiche Istanbuls Rolle als globales Mode- und Sourcing-Zentrum, so Paşahan weiter.
Auch TİM-Präsident Mustafa Gültepe betonte den strategischen Anspruch der Messe: Ziel sei es, die Position der Türkei in der internationalen Modebranche weiter zu stärken, die globale Reichweite auszubauen und den Beitrag der Modeindustrie zu den Exporten zu erhöhen. Auf Ausstellerseite wird der langfristige Wert der Messe ähnlich eingeordnet: ceremony-tekstil-Vertreter Murat Atalan ist seit der ersten Ausgabe dabei und zieht eine positive Bilanz, glaubt aber, dass die Bedeutung der IFCO für die türkische Bekleidungsindustrie noch nicht ausreichend erkannt werde. Moongirl-Vertreter Mustafa Selçuk, der seit 14 Jahren als LINEXPO-Veranstalter Messen organisiert, bescheinigt der IFCO trotz schwieriger globaler Rahmenbedingungen das bestmögliche Ergebnis und hebt die neuen Impulse hervor, die die Messe dem gesamten türkischen Textilmarkt gebe.
Ausblick: KI-Fokus und neue Messetermine
Neben Nachhaltigkeit und Digitalisierung stand künstliche Intelligenz im Mittelpunkt des Konferenzprogramms – ein Thema, das auch einzelne Aussteller bereits konkret angehen. Kardem etwa will nach Angaben von Quality & Sustainability Manager Tunc Aydogan mit der Implementierung von KI den nächsten Schritt gehen und künftig die gesamte Wertschöpfungskette bis hin zum Design darüber steuern; die Fundamente dafür seien bereits gelegt.
Einen Ausblick auf die Saison Herbst/Winter 2027/2028 gab zudem die von der Istanbul Fashion Academy kuratierte Trend Area RESONATE: Vier Trendwelten – ATTUNE, ECHOFORM, SYNC MODE und PULSE PLAY – reichten von reduzierten, balance-orientierten Silhouetten bis zu farbenfrohem, experimentellem Styling. Ergänzt wurde das Programm durch Fashion Shows von Marken wie FIMKA, TerziAdemAltun und QUESSTE Maxra.
Ab Februar 2027 ergänzt zudem das neue, stärker projektorientierte Sourcing-Format SOURCEIST das kommerzielle Netzwerk der Messeveranstalter İHKİB und soll internationale Marken gezielt mit leistungsstarken türkischen Herstellern zusammenbringen. Ab 2027 verschiebt sich zudem die zweite Jahresausgabe der IFCO vom August in den September.












