Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen
Längst vorbei sind die Zeiten, in denen Outdoor-Bekleidung allein beim Klettern, Wandern und Co zum Einsatz gekommen ist. Konsumenten entdecken funktionale Looks mehr und mehr für ihren Alltag. Der Trend hat einen Namen: Gorpcore.

Ob im Büro, beim Einkaufen oder in der Freizeit – Gorpcore-Looks machen als Trend auf sich aufmerksam. Nicht völlig neu, doch anhaltend präsent verbinden sie Funktionalität mit Urbanität und treten über die Zeit immer selbstverständlicher in Erscheinung. Die Beständigkeit ergibt sich nicht ohne Grund. Die Styles sind sozusagen als Trend mit „Tiefgang“ zu verstehen. Es geht weniger um Oberfläche, vielmehr schon um eine Lebenseinstellung.
Der Name Gorpcore leitet sich vom englischen Wanderer-Snack „Good Ol’ Raisins and Peanuts“ (GORP) ab. Es ist damit die Verschmelzung von funktionaler Outdoor-Bekleidung und urbaner Streetwear gemeint. Klassische Gorpcore-Looks integrieren Shell-Jacken, Windbreaker, Fleece-Pullover, Thermo-Shirts, Daunenwesten, Cargo- und Trekkinghosen in Alltags-Outfits. Selbst explizit zweckmäßige Trailrunning- und Hiking-Schuhe gehören zum Style. Hochtechnische Qualitäten wie GORE-TEX sind grundlegend. Wasserdichte, atmungsaktive und temperaturregulierende Eigenschaften in den Materialien sind ebenso wichtig wie besonders robuste, reißfeste Merkmale.
Doch was genau steckt hinter der Tendenz, funktionale Bekleidung in den Alltag einzubringen? Es ist sicherlich festzuhalten, dass das Motiv „Kleidung als Rüstung“ in unseren krisengeschüttelten Zeiten eine bedeutende Rolle spielt. Es verleiht ein Gefühl der Kontrolle und Autarkie, Kleidung zu tragen, die schützt und gegen äußere Einflüsse wappnet. Doch auch eine demonstrative Hinwendung zu Natur und Wildnis lässt sich über den Trend ausmachen. Es findet bewusst ein Statement gegen Digitalisierung und eine zunehmende Urbanisierung mit all ihren Reizüberflutungen statt. Der Wunsch nach Bodenhaftung scheint durch. Authentizität und ehrliche Looks sind gefragt, die im Gegenentwurf zu hochpolierten Luxus-Styles sinnstiftend funktionieren. Es zählt nicht nur eine schöne, glatte Oberfläche, vielmehr kommt es auf kluge, praktische und komfortable Teile an, Bekleidung mit Gehalt und Vernunft. Und diese ist bezeichnend für einen neuen Status, der sich aktuell in unterschiedlichen Bereichen beobachten lässt. Statt über Bekleidung materiellen Reichtum nach außen zu tragen, wird Zeit zu einer neuen Währung, die Ansehen fördert. Der Link zu Sport und Wellness demonstriert, in unserem getriebenen Alltag kostbare Zeit für einen aktiven, gesunden Lebensstil zu haben, indirekt auch monetäre Möglichkeiten, um ebendiesen zu leben. Der Träger im Gorpcore-Look suggeriert Informiertheit und wertvolles Körperbewusstsein. Seine Achtsamkeit und sein Wissen um das eigene Wohlbefinden, eng verknüpft mit Investition von Zeit, bringen ihm Beachtung und Anerkennung ein.
Marken wie THE NORTH FACE, patagonia und SALOMON bedienen das Segment mit Kollektionen, die eine Schnittstelle zwischen Funktionalität und urbanem Streetstyle bilden. Funktionale Materialien und technische Details kommen mit entspannten Silhouetten und einer modernen, unkomplizierten Ästhetik zusammen, die sich einfach kombinieren lässt und bestens für kreative Layerings geeignet ist. Abwechslungsreiche Materialmix-Optiken und Strukturbilder schaffen Bewegung in den Looks. Die Farbrange konzentriert sich grundsätzlich auf eine natürliche, erdige Palette. Kräftige bis hin zu knallige Akzente sorgen in Kombination für dynamische, klar sportive Aussagen.
