Auf zu neuen Ufern

ISPO 2026

Auch wenn man die Wurzeln und Kernkompetenzen der ISPO unverändert in der Sport- und Outdoor-Branche und nicht in der Mode sieht, versteht sich die Veranstaltung als Plattform, die beide Segmente zusammenführt und damit eine tatsächliche Entwicklung der Branche abbildet. ©Brian Metzler / unsplash

Autorin: Katja Vaders

Die ISPO wird sich in diesem Herbst komplett neu ausrichten. Dazu gehört mit der RACCOON MEDIA GROUP nicht nur ein neuer Veranstalter, die Messe wird zudem erstmalig in Amsterdam stattfinden. Auch der Zeitpunkt der ISPO ist nach vorne gerückt: Statt im Winter wird sie bereits vom 3. bis 5. November stattfinden. Konzeptionell wird sich ebenfalls einiges ändern. Die Veranstalter haben insgesamt 3 Millionen Euro in mehr Nachhaltigkeit, internationale Geschäftskontakte und hochwertige Konferenzinhalte investiert, um die Position der ISPO als globale Leitveranstaltung der Sport- und Outdoor-Branche weiter auszubauen. FASHION TODAY sprach mit einem Sprecher der Messe über neue Konzepte, die Positionierung von Outdoor Wear auf dem Markt sowie deren Synergien mit der Modebranche.

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Im November findet die ISPo in neuer Konstellation in Amsterdam statt © Screenshot www.ispo.com

In Amsterdam sieht man sich eindeutig auf Erfolgskurs: Laut dem Veranstalter ist die ISPO die „weltweit einflussreichste Fachmesse für Sport-, Outdoor- und Wintersportindustrie“ und man kündigt mehr als 500, darunter sehr namhafte Aussteller für den November an. Neben Laufen, Radfahren, Klettern und Wintersport gehören Outdoor und Hiking zu den Kernkategorien der ISPO. Bei einem derart breiten Portfolio rechnet man in Amsterdam mit bis zu 50.000 Fachbesucherinnen und -besuchern.

Ein wichtiges Segment auf der Messe ist die Outerwear, Bekleidung, die ihre Trägerinnen und Träger vor äußeren Einflüssen wie Regen, Wind, Kälte, Temperaturschwankungen und anspruchsvollen Umgebungsbedingungen schützt. „Gleichzeitig verbindet sie zunehmend technische Leistungsfähigkeit mit Design und Stil“, so ein Sprecher der ISPO. „Sie ist eine Schnittstelle zwischen Mensch, Umwelt und Kultur.“ Während Outdoor-Enthusiasten früher häufig zwischen attraktivem Erscheinungsbild und echter Funktionalität hätten wählen müssen, sei durch Fortschritte bei Technologien, Materialien und Produktdesign diese Trennung inzwischen weitgehend aufgehoben. Durch die wachsende Beliebtheit von Outdoor-Aktivitäten erschließen sich zudem neue Zielgruppen. „Mode, große Marken und kulturelle Meinungsführer tragen dazu bei, die Outdoor-Welt offener und zugänglicher zu machen“, so der Sprecher der ISPO weiter. Dies führe dazu, dass sich Outdoor zunehmend zu einem Lebensstil entwickele. Das Resultat: Mode und Funktion wachsen immer stärker zusammen, technische Aspekte der Kleidung stehen gleichberechtigt neben Ästhetik, was die Grenze zwischen funktioneller Sportbekleidung und modischer Outdoor-Kleidung zunehmend aufweicht. „Die überzeugendsten Outerwear-Produkte von heute funktionieren gleichermaßen in anspruchsvollen Outdoor-Umgebungen wie im urbanen Alltag, auf Reisen oder als Bestandteil der täglichen Garderobe. Für uns geht es daher weniger darum, in welche Kategorie ein Kleidungsstück gehört, sondern es wird zunehmend wichtiger, wie erfolgreich es Leistung, Design und Lifestyle miteinander verbindet“, erklärt der Sprecher der ISPO.

Modehändler, die Outdoor-Konsumenten verstehen, neue Produktkategorien entdecken oder vom wachsenden Zusammenspiel von Performance und Lifestyle profitieren wollen, sind für die ISPO dementsprechend eine wichtige und stetig wachsende Zielgruppe. Um diese besser integrieren zu können, bringt das „ISPO Hosted Buyer-Programm“ erstmalig ausgewählte Entscheidungsträger zu vorab vereinbarten Geschäftsterminen mit Ausstellern aller Segmente zusammen, darunter auch Händler mit einem Schwerpunkt auf Mode und Design. Neu sei zudem der Bereich „Fashion & Textiles Hub“ einschließlich einer begleitenden Modenschau. „Besonders spannend werden die dort präsentierten Entwicklungen rund um Textilinnovationen und Nachhaltigkeit sein“, so der Sprecher der ISPO.

Abwarten, was kommt. ©Holly Mandarich / unsplash

Bei der ISPO ist man sich sicher: Die Sport- und Outdoor-Branche befindet sich derzeit in einer Phase eines tiefgreifenden Wandels. Gründe hierfür seien eine Veränderung des Freizeitverhaltens, aber auch klimatische Herausforderungen sowie die Neustrukturierung von Lieferketten und die Weiterentwicklung von Verbraucheransprüchen.

Dass die Grenzen zwischen der Mode- und Sportbranche sich immer mehr aufweichten, sei ein Spiegel der aktuellen Lebensrealitäten der Menschen. „Konsumenten wünschen sich Produkte, die Leistung, Funktionalität und Stil verbinden – unabhängig davon, ob sie sich auf Wanderwegen, auf Reisen oder in der Stadt bewegen“, so der Sprecher der ISPO. Die Modebranche orientiere sich dementsprechend an Sport- und Outdoor-Produkten hinsichtlich technischer Innovationen und Leistungsfähigkeit, gleichzeitig übernähmen Sport- und Outdoor-Marken Elemente aus der Modewelt wie Design, Kreativität und kulturelle Relevanz. Diese gegenseitige Befruchtung bewertet die ISPO als sehr positiv. „Sie fördert Innovation, Zusammenarbeit und Wachstum.“

Diese Entwicklung zeichnet sich bereits seit Längerem ab. Während vor einigen Jahren „Gorpcore“ der große Modetrend gewesen sei und Outdoor-Marken internationale Laufstege dominierten, seien in jüngerer Zeit Laufen, Wintersport und Wandern zu wichtigen Modeinspirationen geworden. „Kooperationen zwischen Luxusmarken und Sportartikelherstellern sind heute selbstverständlich. Wir gehen davon aus, dass sich die Verbindung von Sport und Mode in den kommenden Jahren weiter intensivieren wird“, so der Sprecher der ISPO.

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Hiking geht 

Aber auch der Outdoor-Markt selbst ist im Wandel. Einer der wichtigsten Trends ist derzeit das Wandern. „Hiking ist inzwischen weit mehr als eine eigenständige Disziplin. Es dient für viele Verbraucher als Einstieg in die gesamte Outdoor-Welt“, erklärt der Sprecher der ISPO. Denn: Wer gerne wandere, betreibe nicht selten zusätzlich weitere Outdoor-Aktivitäten und werde dadurch für viele Marken interessant.

Besonders beliebt bei dieser breiten und sehr vielfältigen Zielgruppe sind vor allem Produkte, die technische Leistung und Alltagstauglichkeit miteinander verbinden. Wichtig ist zudem, dass die Bekleidung den gehobenen Ansprüchen der Klientel bezüglich der Nachhaltigkeit gerecht wird. Dazu gehören eine gute Haltbarkeit, Materialinnovationen, Reparaturfähigkeit und Kreislaufwirtschaft, aber auch zunehmende Integration digitaler Technologien wie Navigation, Wearables und intelligente Ausrüstung sowie die wachsende Verbindung zwischen Wandern, Trailrunning, Wellness und Lifestyle. „Konsumenten definieren sich heute immer weniger über eine einzelne Sportart. Stattdessen suchen sie nach einem aktiven Lebensstil in der Natur“, so ein Sprecher der ISPO

Läuft … ©Neom / unsplash

Dementsprechend erwartet die Besucherinnen und Besucher auf der kommenden ISPO im November eine Vielzahl neuer Technologien, Materialien und Produkte aus der Sport- und Outdoor-Branche. Dazu gehören neben nachhaltigen Materialien und Recyclingkonzepten neue Leistungs- und Materialtechnologien, digitale Innovationen und ein zukunftsweisendes Produktdesign. „Die Plattform ‚BrandNew Launchpad‘ präsentiert hierzu Start-ups und junge Unternehmen mit disruptiven Ideen. Das ‚Ingredients & Components Impact Forum‘ zeigt darüber hinaus, wie neue Materialien und Technologien in konkrete kommerzielle Chancen umgesetzt werden können. Zu den wichtigsten Entwicklungen zählen Fasern aus Abfallstoffen, biobasierte Textilien sowie neue Ansätze im Textil-zu-Textil-Recycling. Zusätzlich wird künstliche Intelligenz eine zentrale Rolle spielen. Zahlreiche Marken werden Produkte vorstellen, bei denen Mode, Technologie und intelligente Verbraucheranwendungen miteinander verschmelzen“, erklärt ein Sprecher der ISPO.

Diese technischen Innovationen dürften vor allem die Sportbranche interessieren, aber was können konkret Modehändler von der ISPO mitnehmen? „Auch sie können von der Sport- und Outdoor-Branche erheblich profitieren, denn die ISPO bietet einen direkten Einblick in Produktentwicklungen und Verbrauchertrends, die zunehmend den Übergang von Performance-Produkten in den Alltag und die Modewelt schaffen. Der Fashion & Textiles Hub behandelt Themen wie Trendforschung, Nachhaltigkeit, inklusives Design und Materialinnovationen. Letztlich bietet die ISPO Modehändlern einen Blick in die Zukunft – von technischer Mode über nachhaltige Materialien bis hin zu Kreislaufwirtschaft, neuen Handelsmodellen und veränderten Konsumentenanforderungen“, so ein Sprecher der ISPO.

Lernkurve

Eins scheint sicher: Beide Branchen können voneinander lernen. Dies lässt sich nicht zuletzt in zunehmenden Collabs zwischen Modedesignern und Sport- beziehungsweise Outdoor-Marken ablesen. „Besonders spannend sind Kooperationen, bei denen beide Seiten gemeinsam entwickeln, anstatt lediglich einen bekannten Namen auf ein technisches Produkt zu setzen. Die ISPO betrachtet diese Zusammenarbeiten als wichtige Innovationstreiber“, so ein Sprecher der Messe.

Das Dauerthema Nachhaltigkeit sollte in diesem Zusammenhang längst keine Besonderheit, sondern vielmehr eine Grundvoraussetzung sein, die fest in den Entwicklungs- und Produktionsprozessen verankert ist, so der ISPO-Sprecher. Und das habe einen elementaren Grund: „Die Branche ist direkt von intakten Naturräumen abhängig und steht gleichzeitig unter Druck, Emissionen, Abfälle und Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Die Herausforderung besteht heute nicht mehr darin, Nachhaltigkeit als Ziel zu formulieren, sondern sie konsequent umzusetzen. Deshalb zählt Nachhaltigkeit neben Partizipation und fairem Handel zu den drei Kernthemen des neuen ISPO Leaders Summit.“ Dementsprechend diskutieren dort führende Branchenvertreterinnen und -vertreter über zukunftsweisende Themen der Branche. Ziel sei es, wissenschaftliche Erkenntnisse zu Klimarisiken mit deren Auswirkungen auf Markenstrategien, Produktentwicklung sowie Marktentscheidungen zu beleuchten.