Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen
Die Kollektionen Herbst/Winter 2026/2027 stellen sich vor. Damit dreht sich die Tendenz der vergangenen Saisons noch einmal weiter. Zeitlose Ästhetiken, hochwertige Materialien und natürliche Farbkombinationen sind wichtige Treiber. Es geht um Bekleidungsstücke, die gemacht sind, um zu bleiben. Sie sind möglichst vielseitig einsetzbar, passen für sämtliche Gelegenheiten und sind einfach kombinierbar – ganz im nachhaltigen Sinn. Das ist gut und richtig so. Denn aus Achtung und Respekt vor Mensch und Ressource heraus sollte nicht in kurzlebige Mode-Artikel investiert werden.
Nichtsdestotrotz drängt sich die Frage auf: Gehört der Trend, bekannt für seinen mehr noch flüchtigen Charakter, deshalb verpönt? Es ist offenkundig, Trendartikel genießen spätestens seit dem Umdenken hin zu mehr Nachhaltigkeit nicht den besten Ruf. Dabei gilt es zu unterscheiden. Trendartikel ist nicht gleich Trendartikel. Es gibt natürlich die berüchtigten SHEIN-Waren, die extrem trendorientiert und möglichst billig zuungunsten der Umwelt gefertigt sind. Kritik sei hier ganz klar angebracht. Doch es existieren auch andere Varianten, die durchaus Trend und Qualität miteinander verbinden. Noch dazu gesagt: Vielleicht wird dem Konsumenten manches Mal auch zu leichtfertig unterstellt, dass er, sobald ein Trend vorüber ist, sich auch des Bekleidungsstücks entledigt. Am Ende zählt vor allem, ob ein Konsument einen Look gerne trägt. Auch Trendteile können beständig genutzt sein, selbst wenn sie ihren Hype überschritten haben. Und eines wissen wir alle: Irgendwann kommt jeder Trend wieder zurück. Also verbleibt das eine oder andere trendige Lieblingsteil eben doch im Kleiderschrank. Es gibt keine klaren Leitregeln. Mode ist immer auch Emotion.
Wenn man das weiterdenkt, sind Zeitlosigkeit und Trend überhaupt Widersprüche? Bewegt sich nicht vielmehr alles in einem Kreis und bedingt sich gegenseitig? Oder mischt sich auch gegenseitig auf? Ein genauer Blick lohnt sich. Wenn auch die neuen Kollektionen zeitlos, natürlich und einfach kombinierbar auftreten, so integrieren sie doch besondere Schlüsselmomente, die Trends nachkommen. Nicht laut krachend, aber subtil und prägnant in der Umsetzung. Und so scheint genau dies ein guter Weg, um mit dem Thema Trend bewusst umzugehen. Statt aktuelle Erscheinungen prinzipiell herabzusetzen, lässt man sie neu aufgehen, verleiht ihnen einen Rahmen, der zeitgeistige Bewegung und Ruhe zugleich gelten lässt. Weiterentwicklung, Lebensgefühl und Identität. – Letztendlich darf nicht vergessen werden: Was wirklich wäre die Mode ohne Trend?


