Die INTERSPORT Deutschland hat sich mit 50 Prozent an der unitex GmbH beteiligt. Beide Organisationen wollen ihre Zusammenarbeit nun entwickeln und mögliche Synergien ausloten. Während INTERSPORT vor allem auf Digitalisierung, Daten und Omnichannel-Services verweist, bringt unitex seine Strukturen im Modehandel sowie die bankgesicherte Zentralregulierung in die Partnerschaft ein. Im Gespräch mit FASHION TODAY MEN erläutern Dr. Alexander von Preen, CEO von INTERSPORT Deutschland, und Xaver Albrecht, Geschäftsführer der unitex GmbH, wie sie die Beteiligung strategisch einordnen, welche Rolle Daten und Services künftig spielen sollen und warum sich Sport-, Mode- und Lifestylehandel zunehmend annähern.

FASHION TODAY: Herr Dr. von Preen, INTERSPORT hat im Geschäftsjahr 2024/2025 das Umsatzniveau gehalten. Welche Faktoren waren dafür ausschlaggebend?
Dr. Alexander von Preen: „Das Bewusstsein in der Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt in Richtung eines größeren Stellenwerts von Gesundheit und Bewegung: Sport und Gesundheit sind deshalb ein langfristig wachsender Markt – trotz Konsumzurückhaltung und Multikrisenumfeld. In diesem Klima haben unsere 700 Händlerinnen und Händler an 1.400 Standorten in ganz Deutschland einen super Job gemacht. An über 420 Standorten in Deutschland unter dem INTERSPORT-Logo haben unsere Händlerinnen und Händler in den letzten Jahren Millionen investiert in die Flächen, die unseren Kundinnen und Kunden nun moderne Sporterlebniswelten präsentieren. Und wir als Zentrale haben ebenfalls Millionen investiert – vom Warehouse der Zukunft, unserer Logistik bis hin zu unserem schlagkräftigen Online-Marktplatz intersport.de, der im Geschäftsjahr 2024/2025 ein Wachstum von 19 Prozent verzeichnete. Unser Omnichannel setzt sich durch. Es ist nie nur ein Faktor, der Erfolge möglich macht. Es ist ein Zusammenspiel: Wir sind hier mit unserer Strategie BEST IN SPORTS: UP FOR FUTURE weiter klar auf Zukunftskurs.“
Sie sprechen von „qualitativem Wachstum“ bis 2030. Wie definieren Sie diesen Begriff konkret auf Ebene des Verbunds?
„Die Händler-Rendite ist für uns zentral im Verbund als Ziel. Wir schauen nicht ausschließlich auf das Umsatz-Wachstum, sondern zentral auf die Händler-Rendite und die Zukunftsfähigkeit der Geschäftsmodelle. Qualitatives Wachstum heute heißt auch, dass wir eben organisch und anorganisch wachsen wollen und dabei jeweils den gesamten Verbund, die Gemeinschaft im Blick behalten. Ohne die Millionen-Investments der letzten Jahre wäre das Wachstum nicht möglich gewesen. Unsere Händler haben moderne Sporterlebniswelten in ganz Deutschland geschaffen.“
Mit INTERSPORT als neuem Gesellschafter werden wir diesen Erfolgspfad in kombinierter Kraft weitergehen. Das Ziel ist, unsere Rolle als führende Verbundorganisation weiter auszubauen.“ Xaver Albrecht.
Welche Bedeutung hat das Thema Mode künftig innerhalb der strategischen Ausrichtung von INTERSPORT?
„Mode und Sport nähern sich immer mehr an – ,Sport meets Fashion!‘. Unsere Kategorie Sportstyle hat in den letzten Jahren deutlich mehr Bedeutung bekommen. Schon heute haben wir Mehrsortimenter-Häuser im Verbund, die neben Sport auch Modehäuser führen – und dies sehr erfolgreich, wie zum Bespiel bei L&T in Osnabrück. Sport selbst wird immer mehr Mode: Dies kommt schon aus dem Megatrend in Richtung Gesundheit! Diese gesellschaftlich positive Entwicklung werden wir mit den passenden Angeboten und Services unterstützen. Das ist Teil unserer Strategie BEST IN SPORTS: UP FOR FUTURE!“
Mit dem Einstieg bei der unitex hat INTERSPORT sein Netzwerk erweitert. Welche Ziele verfolgt INTERSPORT mit dieser Beteiligung?
„Mit unserer Strategie BEST IN SPORTS: UP FOR FUTURE verfolgen wir bis 2030 klare Ziele für die organische wie anorganische Expansion. Die erfolgreiche Beteiligung ist ein bedeutender, nächster Meilenstein, denn gemeinsam verstärken wir die Schlagkraft im Markt. unitex agiert in einem stabilen Markt, verfügt über eine klare Marktpositionierung und ein nachhaltiges Wachstumspotenzial. Wir sehen viele Synergien und Chancen und natürlich prüfen wir, welche Services von INTERSPORT Deutschland und der unitex GmbH den jeweiligen Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden können. Zudem verstärkt sich dank der Beteiligung unsere Position gegenüber unseren Industriepartnern weiter. ‚Sport meets Fashion‘ – diese Entwicklung hat sich nach der Pandemie weiter verfestigt. Aufgrund der Konsolidierung und zunehmenden Verschmelzung unserer Handelslandschaft in den Bereichen Schuh, Sport und Fashion ist die Beteiligung an der unitex GmbH ein wirtschaftlich-strategisch logischer Schritt neben der existierenden Beteiligung an der SABU Schuh & Marketing GmbH, die schon seit 16 Jahren besteht. Fokus von INTERSPORT Deutschland bleibt jedoch Professional Sport.“
In welchen Bereichen erwarten Sie mittelfristig Synergien zwischen Sport-, Mode- und Lifestyle-Handel?
„Wir befinden uns aktuell in einer Phase, in der wir unsere Zusammenarbeit gemeinsam entwickeln. Über mögliche Synergien werden wir zu gegebener Zeit informieren. Wir sehen jedoch schon heute Vorteile für die Händlerinnen und Händler beider Verbundgruppen als auch für unsere Partner bei den Lieferanten. Aus der Kombination und Inspiration der Stärken beider Verbünde werden bedeutende Mehrwerte entstehen für alle Beteiligten. Der Handel der Zukunft ist dann besonders erfolgreich, wenn er auf Kooperation und Netzwerke setzt. Davon bin ich überzeugt! Die Überschneidungen der Anforderungen, Produktwelten und Service-Bedarfe im Sport-, Mode- und Lifestyle-Handel werden deutlich größer werden. Gleichzeitig ermöglichen Modelle wie unseres das Beibehalten individueller Kompetenzen und klarer Spezialisierungen. INTERSPORT steht seit 70 Jahren dafür, den gesellschaftlichen Zusammenhalt durch Sport und entsprechende Angebote und Services zu unterstützen. Das machen wir auch mit unserer Jubiläums-Kampagne #DasSindWir deutlich.“
Herr Albrecht, unitex bleibt operativ eigenständig. Welche Formen der Zusammenarbeit mit INTERSPORT sind vorgesehen – und welche ausdrücklich nicht?
Xaver Albrecht: „INTERSPORT hält nun 50 Prozent an der unitex und genau deshalb befinden wir uns aktuell in einer Phase, in der wir intensivere Formen der Zusammenarbeit gemeinsam entwickeln. Zum jetzigen Zeitpunkt wäre es noch zu früh, das final und in allen Facetten zu beantworten, weil wir sehr bewusst erst konzeptionell sauber arbeiten und dann Schritt für Schritt umsetzen.
Was wir aber schon heute klar sagen können: Wir werden Synergien heben, die beiden Communitys echten Mehrwert bringen, sowohl auf der Händlerseite als auch bei den Lieferanten. Es geht dabei nicht um kurzfristige Effekte, sondern um sinnvoll kombinierte Stärken, die am Ende mehr Nutzen, mehr Servicequalität und mehr Wirkung in den jeweiligen Netzwerken erzeugen.“
Die unitex konnte 2025 neue Mitglieder gewinnen. Welche Faktoren waren dafür aus Ihrer Sicht entscheidend?
„2025 konnten wir neue Mitglieder gewinnen, weil der wirtschaftliche Druck im Handel spürbar weiter zunimmt und damit der Bedarf an konkreten, sofort wirksamen Mehrwerten steigt. Viele Händler suchen aktuell messbare Entlastung im Alltag, vor allem über Prozess- und Kostenoptimierung.
Genau hier setzt unitex an. Unsere bankgesicherte Zentralregulierung sorgt für Sicherheit und Stabilität, gerade in Zeiten, in denen Liquidität, Prozessoptimierung und verlässliche Abwicklung eine bedeutende Rolle spielen. Dazu kommt ein Punkt, der oft unterschätzt wird: Gemeinschaft. In unsicheren Marktphasen wächst das Bedürfnis nach Austausch, Orientierung und einem starken Netzwerk, das nicht nur Konzepte liefert, sondern auch Rückhalt gibt.“
Wie bewerten Sie die aktuelle Konsolidierung im Modehandel im Hinblick auf die Rolle von Verbundstrukturen?
„Die Konsolidierung im Modehandel zeigt sehr deutlich, wie wichtig stabile Verbundstrukturen geworden sind. In einem Markt, in dem sich Rahmenbedingungen permanent verändern, brauchen Händler und Lieferanten verlässliche Partner, die Sicherheit geben und Effizienz schaffen.
unitex hat sich in den letzten Jahren klar als mitglieder- und lieferantenstärkste Verbundgruppe im Modehandel etabliert. Diese Position ist das Ergebnis eines konsequenten Fokus auf konkrete Mehrwerte für alle Parteien.
Mit INTERSPORT als neuem Gesellschafter werden wir diesen Erfolgspfad in kombinierter Kraft weitergehen. Das Ziel ist, unsere Rolle als führende Verbundorganisation weiter auszubauen, indem wir unsere Stärken konsequent weiterentwickeln und zusätzliche Synergien erschließen.“
Der Zentralregulierungsumsatz bei unitex ist gestiegen. Welche Bedeutung hat dieses Instrument derzeit für Händler und Lieferanten?
„Der gestiegene Zentralregulierungsumsatz zeigt sehr klar, welche Bedeutung dieses Instrument aktuell für Händler und Lieferanten hat. Die bankgesicherte Zentralregulierung, die wir bei unitex gemeinsam mit der RSB Retail+Service Bank anbieten, ist einer der essenziellen Bausteine des Erfolgs unserer unitex-FashionCommunity.
Sie bietet für alle Beteiligten das Höchstmaß an Sicherheit, gerade in einem Umfeld, in dem Verlässlichkeit und Risikominimierung wieder deutlich stärker im Fokus stehen. Gleichzeitig geht es nicht nur um Absicherung, sondern auch um Effizienz. Über vollständig digitale Prozesse und Schnittstellen bis in die Buchhaltung unserer Partner entstehen spürbare Kostenvorteile, weil Abläufe deutlich schlanker, schneller und weniger fehleranfällig werden. Unterm Strich ist Zentralregulierung damit heute nicht nur ein Finanzinstrument, sondern ein echter Hebel für Prozessoptimierung und Wettbewerbsfähigkeit.“
„Mit unserer Strategie BEST IN SPORTS: UP FOR FUTURE verfolgen wir bis 2030 klare Ziele für die organische wie anorganische Expansion.“ Dr. Alexander von Preen
Der unitex-Datalake ist an mehr als 500 Points of Sale angebunden. Welche konkreten Mehrwerte ergeben sich daraus für die angeschlossenen Händler?
„Der unitex-Datalake schafft vor allem eines: Transparenz und eine echte Demokratisierung von Daten, und zwar für Händler jeder Größenordnung. Genau daraus entstehen vielfältige, sehr konkrete Mehrwerte im Tagesgeschäft.
Angebundene unitex-Mitglieder erhalten eine deutlich bessere Datenbasis für Entscheidungen, etwa bei Abverkauf, Bestandssteuerung und Einkauf sowie Nachorder. Entwicklungen am Markt werden schneller sichtbar, nicht erst Wochen später, sondern so, dass man rechtzeitig reagieren kann. Gleichzeitig entsteht mehr Vergleichbarkeit, intern über Standorte hinweg und auch im echten Benchmarking, was gerade für den Mittelstand ein echter Hebel ist, weil professionelle Steuerungsinformationen sonst oft nur großen Filialisten zur Verfügung stehen.
Kurz gesagt: Der unitex-Datalake sorgt dafür, dass Daten nicht im System verschwinden, sondern nutzbar werden, als Grundlage für bessere Entscheidungen, höhere Effizienz und am Ende mehr Ertrag auf der Fläche.
von Preen: „Im INTERSPORT-Verbund profitieren schon heute Händlerinnen und Händler an über 400 Standorten durch den gemeinsamen Daten-Pool. Im Rahmen der digitalen Transformation haben wir in den letzten Jahren unsere komplette Wertschöpfungskette digitalisiert und bieten passgenaue Services für den Retail: Unsere eigene Produktfamilie reicht hier von SmartControl – einem Cockpit zur betriebswirtschaftlichen Steuerung und Planung – über SmartRetail bis hin zu SmartAnalytics. Den nächsten Quantensprung werden wir für unsere Händler im Verbund mit dem Einsatz von KI erreichen. Mit der strategischen KI-Integration können unsere Mitglieder durch den Datenaustausch ihre operativen Prozesse weiter verbessern. Ein erster Use Case ist die KI-unterstützte Dispositionsplanung: Dabei prognostiziert unsere KI die Nachfrage je Warengruppe und Marke und ermöglicht so höhere Lagerverfügbarkeit und geringere Überbestände.“
Herr Dr. von Preen, es gibt Doppelmitgliedschaften bei INTERSPORT und unitex. Wie groß ist deren Anteil eigentlich und wie soll dieses Überschneidungspotenzial künftig genutzt werden?
„Die INTERSPORT-Mitglieder, die auch bei unitex Mitglied sind, können eben die vollen Vorteile beider Verbundgruppen sehr individuell nutzen. Alle weiteren Überlegungen dazu werden wir mittelfristig entwickeln.“
Herr Dr. von Preen, welche rückwärtigen Services plant INTERSPORT konkret für Mode- und Lifestyle-Händler?
„Die Vielzahl von INTERSPORT-Services kann natürlich auch für Mode- und Lifestyle-Händler spannend sein, denn wir haben Millionen investiert in die Digitalisierung unserer Wertschöpfungskette – von der Sortimentsplanung bis zur Auslieferung. Das Know-how und unsere Kompetenz sind hier ein Alleinstellungsmerkmal unseres Service-Portfolios. Alle Services stehen auch neuen Mitgliedern in unserem Verbund zur Nutzung zur Verfügung, wir sehen aktuell insbesondere bei mittelständischen Omnichannel-Händlern ein großes Interesse, auf diese Services zuzugreifen.“
Herr Albrecht, wie reagieren Lieferanten auf die neue Gesellschafterstruktur bei unitex?
„Die Reaktionen der Lieferanten auf die neue Gesellschafterstruktur bei unitex sind durchweg positiv. Viele sehen darin eine zusätzliche Stärkung unserer Organisation und gleichzeitig ein Signal für Stabilität und Weiterentwicklung.
Sport und Fashion verzahnen sich immer stärker, nicht nur im Handel, sondern auch auf Lieferantenseite. Kategorien, Zielgruppen und Anlässe wachsen zusammen, Lifestyle wird zum verbindenden Element. Genau deshalb wird die neue Struktur als konsequente Weiterentwicklung wahrgenommen, die zusätzliche Chancen für Kooperation, Reichweite und gemeinsame Wertschöpfung eröffnet.“
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