Über Marke und Markenhaltung

MAERZ Muenchen

©MAERZ Muenchen
Autor: Markus Oess
Nach dem Start der Strategie „Elevate the Core“ im zurückliegenden Jahr zieht Geschäftsführer Louis Bezner Zwischenbilanz. Im FASHION TODAY-Interview spricht er über den Stand der Premiumisierung entlang der vier Ps, das neue Knit-Shop-Konzept, die Kollektionsarchitektur aus Appeal, Attract und Inspire, die Rolle der Superwash-Linie für Damen, Pläne für einen Flagship-Store in München sowie die Erwartungen an die kommende Orderrunde.
Louis Bezner

FASHION TODAY: Louis, 2025 war ein Übergangsjahr, hast du gesagt, eines der Transformation. Wie weit seid ihr mit der Premiumisierung gekommen, welche Erfolge könnt ihr bereits vorweisen?
Louis Bezner: „2025 war für uns ein echtes Transformationsjahr, in dem wir mit ‚Elevate the Core‘ die strategische Grundlage für die nächsten Jahre gelegt haben. Die Weiterentwicklung unserer Markenstrategie ist heute in Produktexpertise und Leistung, Aussage, Preisarchitektur, Markenauftritt und Handelswahrnehmung deutlich sichtbarer. Wir werden zunehmend wieder als relevante zugängliche Premium-Knitwear-Marke wahrgenommen. Gleichzeitig sind wir noch nicht am Ziel – einige Dinge haben gut funktioniert, aber es liegt weiterhin ein weiter Weg vor uns, gerade in einem sehr herausfordernden und volatilen Marktumfeld.“

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Kannst du uns auch eine Wasserstandsmeldung zu den strategischen Feldern „Product“, „Price“, „Place“ und „Promotion“ geben, die ihr im Zuge der strategischen Positionierung definiert habt?
„Die vier Felder greifen inzwischen deutlich besser ineinander und sind klarer aufeinander abgestimmt. Bei ,Product‘ schärfen wir unsere Knitwear-Kompetenz über Qualität, Materialien und Design. Bei ,Price‘ haben wir eine nachvollziehbare Architektur vom gehobenen Einstieg bis zur zugänglichen Premium-Positionierung geschaffen. Bei ,Place‘ setzen wir selektiv auf die richtigen Partner und wertige Flächen. Und bei ,Promotion‘ geht es darum, MAERZ konsistenter, emotionaler und moderner zu inszenieren – mit einer klaren Bildwelt, stärkerem Storytelling, relevanten Kampagnen und einer Markenkommunikation, die unsere Haltung als zugängliche Premium-Strickmarke erlebbar macht. Gleichzeitig ist das kein abgeschlossener Prozess, sondern eine Entwicklung, die wir Saison für Saison iterativ weiter schärfen und konsequent umsetzen.“

Die Markendarstellung auf der Fläche ist ein zentraler Baustein eurer Strategie. Welche Neuigkeiten gibt es dazu?
„Mit dem neuen Knit-Shop-Konzept machen wir einen wichtigen Schritt in Richtung hochwertigerer, klarerer und gleichzeitig zugänglicher Markenpräsenz am POS. Wir arbeiten mit einheitlichen Branding-Elementen, modularen Flächenbausteinen, klarer Visual-Merchandising-Logik und stärkerem Storytelling. Ziel ist es, MAERZ als zugängliche Premium-Strickmarke auf der Fläche verständlicher, inspirierender und wiedererkennbarer zu machen und unsere Markenaussage sowie die Inhalte unserer Core Ingredients über die Fläche an die Endverbraucher zu transportieren und erlebbar zu machen. In diesem Jahr planen wir rund zehn Shop-in-Shop-Flächen im neuen Konzept, eine der ersten HAKA-Flächen wird bei Baltz in Bochum umgesetzt. Zusätzlich wollen wir im Herbst/Winter mit daraus abgeleiteten Pop-up-Modulen noch stärker und präsenter am POS auftreten.“

Ihr habt die Kollektionsarchitektur in drei Stufen – Appeal, Attract, Inspire – eingeführt. Wie wird diese Struktur am POS sichtbar und konntet ihr auch über alles auf der Fläche die avisierten Anteiligkeiten (40, 40, 20) erreichen?
„Die Struktur Appeal, Attract und Inspire hilft uns vor allem dabei, die Kollektion klarer zu führen und dem Handel eine bessere Orientierung zu geben – von kommerzieller Verlässlichkeit über modische Relevanz bis hin zu emotionaleren, markenbildenden Produkten. Entscheidend ist dabei weniger eine starre quantitative Vorgabe, sondern die Logik dahinter. Je nach Händler, Fläche und Kundengruppe kann diese flexibel umgesetzt werden. Wichtig ist, dass die Balance zwischen Sicherheit und Inspiration stimmt und MAERZ als zugängliche Premium-Knitwear-Marke am POS klarer erlebbar wird.“

Wie sieht die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027 aus, wie habt ihr die neue Designlinie fortgeschrieben?
„Die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027 entwickelt unsere Designlinie konsequent weiter: Fokus liegt auf hochwertigen Materialien und innovativen Stricktechniken mit klarem, modernem Look im reduzierten Design. Wir bewegen uns noch stärker in Richtung zeitloser, moderner Premium-Knitwear mit internationaler Relevanz.“

Auf der Pitti Uomo präsentiert ihr euch als wettbewerbsfähige Premium-Marke. Welche Botschaften und Inszenierungen nutzt ihr, um die emotionale Markenführung und den Münchner Heritage-Anspruch zu transportieren?
„Auf der Pitti wollen wir MAERZ als moderne, zugängliche Premium-Knitwear-Marke mit klarer Haltung inszenieren. Im Mittelpunkt stehen unsere zentralen Markenbausteine: Expertise in Form von Strickkompetenz, Materialqualität und handwerklichem Anspruch; Performance durch Produkte, die im Alltag funktionieren, langlebig sind und lange relevant bleiben, sowie der Resonanzraum München, also die emotionale und kulturelle Verankerung der Marke in einer spannenden Münchner Lebenswelt. Diese Haltung machen wir über ausgewählte Produkt-Highlights, das neue Shop-Konzept und eine Brandwall sichtbar, die diese Bausteine klar und erlebbar transportiert.“

Ihr habt den Claim „Knitted for Life“ eingeführt. Wie wird dieser Claim in der Kommunikation und auf der Fläche umgesetzt und welche Rolle spielen dabei die neue Wortmarke und das Signet?
„‚Knitted for Life‘ bringt unsere Markenhaltung sehr gut auf den Punkt. Er steht für: Strickkunst, Langlebigkeit und emotionale Verbindung zur Marke. Der Claim wird in Kampagnen, Bildwelten und am POS eingesetzt und schafft gemeinsam mit der neuen Wortmarke und dem Signet mehr Klarheit, Modernität und Wiedererkennbarkeit. Entscheidend ist für uns, dass der Claim im Produkt glaubwürdig eingelöst wird.“

Die DOB ist für euch auch ein Wachstumstreiber. Wie hat sich die Marke bislang geschlagen und welche Rückmeldungen vom Handel habt ihr erhalten?
„Die DOB ist für uns ein wichtiger Wachstumstreiber, aber auch ein Bereich, in dem wir noch viel Potenzial sehen. Das Feedback aus dem Handel ist grundsätzlich ermutigend, weil unsere Strickkompetenz auch im Womenswear-Bereich glaubwürdig ist. Gleichzeitig braucht die DOB eine noch klarere modische Aussage, mehr Sichtbarkeit und eine präzisere Sortimentslogik. Genau daran arbeiten wir, insbesondere über modernere und vielfältigere Produkte, Superwash und stärkere Flächenpräsenz als zugängliche Premium-Knitwear-Marke.“

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Die Superwash-Linie wird erstmals gezielt für Damen angeboten. Wie positioniert ihr euch damit im Womenswear-Bereich und welche Chancen seht ihr in diesem Segment für die Zukunft?
„Mit Superwash für Damen besetzen wir ein relevantes Segment: hochwertige, pflegeleichte und zugängliche Premium-Knitwear mit Alltagstauglichkeit, modernem Look und hohem Tragekomfort. Viele Kundinnen suchen genau diese Verbindung aus Qualität, Funktionalität und Ästhetik. Wir sehen hier großes Potenzial, weil unsere Superwash-Kompetenz im Markt sehr glaubwürdig ist und sich gut auf den Womenswear-Bereich übertragen lässt.“

Ihr plant einen Flagship-Store in München. Welche Erwartungen verknüpft ihr damit und wie soll er die Markenwahrnehmung stärken?
„Ein Flagship-Store in München wäre für uns ein strategischer Meilenstein, weil wir die Marke dort vollständig und direkt erlebbar machen können – als zugängliche Premium-Strickmarke mit Münchner Herkunft und moderner Haltung. Der Store soll nicht nur Umsatz bringen, sondern vor allem als Testfeld für Retail, Visual Merchandising, Sortimentslogik und Kundenansprache dienen. Gleichzeitig gehen wir das Thema mit wirtschaftlicher Disziplin an: Der Standort muss zur Marke passen und betriebswirtschaftlich sinnvoll sein.“

Ihr habt die Preisstruktur von der qualitativen Mitte bis zum Affordable-Luxury-Segment angepasst. Was sagen Kunden und Händler heute?
„Das Feedback ist überwiegend positiv. Händler schätzen die klarere Preisarchitektur und die bessere Sortimentslogik. Gleichzeitig ist der Markt preissensibel und höhere Preise werden nur akzeptiert, wenn Produkt, Qualität, Design und Markenwahrnehmung zusammenpassen. Deshalb geht es uns nicht um Preiserhöhung um der Preiserhöhung willen, sondern darum, sichtbaren Mehrwert im Sinne einer zugänglichen Premium-Knitwear-Positionierung zu schaffen. Durch unsere Sortimentslogik mit Appeal, Attract und Inspire schaffen wir trotzdem Zugänge über unterschiedliche Angebotsstufen – von kommerziell zugänglicheren Produkten bis hin zu stärker emotionalen, markenbildenden Highlights.“

Die Orderrunde steht bevor. Welche Erwartungen habt ihr an die kommende Saison und wie schätzt ihr die Nachfrage nach Premium-Knitwear aktuell ein?
„Wir gehen mit vorsichtigem Optimismus in die Orderrunde. Wir denken, dass sich die Premium-Knitwear auch im Sommer stabil entwickelt, weil Qualität und Langlebigkeit bei den Konsumenten wichtiger werden und sie bewusster konsumieren.

Der Markt bleibt herausfordernd und volatil, Händler planen selektiver. Gleichzeitig sehen wir, dass zugängliche Premium-Knitwear weiterhin relevant ist, wenn Qualität, Langlebigkeit, Tragekomfort und emotionale Relevanz zusammenkommen. Wir rechnen nicht mit Wachstum nach dem Prinzip Hoffnung, sondern setzen auf klare Konzepte und enge Zusammenarbeit mit dem Handel.“

Ihr setzt auf DACH als strategisches Fundament und baut die Internationalisierung selektiv aus. Welche Märkte und Zielgruppen stehen dabei im Fokus und wie wollt ihr dort Wachstum generieren?
„DACH bleibt unser klares strategisches Fundament. International geht es uns zunächst darum, in den Märkten, in denen wir bereits präsent sind, noch stärker zu werden – insbesondere in Benelux. Dort sehen wir eine gute Grundlage und eine klare Affinität zu hochwertiger, zugänglicher Premium-Knitwear. Darüber hinaus prüfen wir erste Schritte mit den richtigen Partnern in Richtung Nordeuropa. Wachstum wollen wir dabei nicht über schnelle Expansion um jeden Preis generieren, sondern über starke Handelspartner, klare Markenführung, gezielten Marktausbau und eine konsequente Umsetzung unserer Produkt- und Flächenstrategie.“

Art of Knitting

Die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027 gliedert sich in zwei Farbwelten. „Prep, Rewritten“ steht für die Frühlingssaison mit erdigen, warmen Nuancen — Grautöne, Camel sowie natürliche Grün- und Blautöne wie Deep Fern, Clear Sky und Sandstone. Klassische Heritage-Elemente werden über extrafeine Merinowolle und hochwertige Baumwollqualitäten neu interpretiert, Jacquards und Vichy-Karos treffen auf relaxte Silhouetten. „Sunfaded“ prägt die Sommersaison mit kühlen, ausgewaschenen Tönen wie Frosty Mint und Lavender Haze sowie Akzenten in Red Velvet und Blueberry. Im Fokus stehen Utility-Einflüsse, Baumwoll-Leinen-Qualitäten und reduzierte Tailoring-Elemente. Ergänzt wird die Kollektion durch „The Art of Knitting“ mit Kombinationen aus Organic Cotton, Leinen und Maulbeerseide, durch „Monday to Friday“ mit gestrickten Blazern, Hosen und Westen aus extrafeiner Merinowolle sowie durch die Superwash-Serie, die erstmals auch gezielt für Damen angeboten wird. Die Preisspanne reicht von 69,95 Euro (Jersey) bis 349,95 Euro (Knitwear).

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