Über den neuen Luxus 

©DRESSLER

Autor: Markus Oess

Nach einem Jahr unter der Führung von Thomas Jaeger hat DRESSLER seine Kernkompetenzen im Sakko- und Anzugbereich gestärkt und auch neue Produktgruppen wie Outerwear und Leder integriert. Mit einer klaren Mission – „Affordable luxury with a bold founding spirit of 1929“ – positioniert sich die Marke als moderne, generationsübergreifende Lifestyle-Marke im Premiumsegment. Im Interview erklären Jaeger und Jens Hohmann, Head of International Sales, wie DRESSLER sich von der italienischen Konkurrenz abgrenzt, welche Märkte Potenzial bieten und warum die Marke im Ausland oft moderner wahrgenommen wird.

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Thomas Jaeger ©Schampus-Photography

FASHION TODAY MEN: Thomas, nach gut einem Jahr an der Spitze, wo steht DRESSLER heute?
Thomas Jaeger: „Mit dem Pitti-Auftritt Frühjahr/Sommer 2026, also vergangenen Sommer, haben wir uns ein Stück neu erfunden. Wir sind stärker auf den Total Look gegangen, haben aber gleichzeitig unsere Kernkompetenzen Sakko und Anzug weiter gestärkt und neue Produktgruppen wie Outerwear und Qualitäten wie Leder dazugenommen. Gleichzeitig haben wir mit der Vision für Herbst/Winter 2026 unsere Mission definiert und eine neue Bildsprache entwickelt. Im Ergebnis steht DRESSLER immer noch für deutsche Schneiderkunst – aber moderner, internationaler und damit ansprechend über alle Generationen hinweg.“
Jens Hohmann: „Unser Claim lautet: ‚Affordable luxury with a bold founding spirit of 1929‘. Wir bewegen uns im Premium-/Luxus-Segment, sind aber im Vergleich zu italienischen Wettbewerbern wie ZEGNA, CANALI oder TOMBOLINI preislich attraktiver – und das mit deutschen Tugenden: Liefertreue und Systemstärke, Passform und Schneiderkunst. Wir gehen im NOS mit frischen Farben oder neuen Modellvarianten, wie auch mal einem Zweireiher, neue Wege. Vertriebsseitig sind wir mit Eventflächen und Pop-ups sichtbar: schnitzler, engelhorn, WAGENER und breuninger. In Hamburg starten wir dazu mit unserer neu entwickelten Shopfläche im ALSTERHAUS zum Q2, welches mit einem zweimonatigen Pop-up im Vorfeld eingeläutet wird. Das alles zeigt: Wir sind auf dem richtigen Weg.“

Wie grenzt ihr euch gerade von der italienischen Konkurrenz ab?
Thomas: „Wir festigen unsere Marktstellung im Anzug- und Sakkobereich und gehen gleichzeitig über die Erweiterung des Sortiments stärker in Richtung Total Look. Im deutschen Markt werden wir als Traditionsmarke mit einer klaren Historie und festen Assoziationen wahrgenommen. Was zunächst als Herausforderung erscheinen könnte, erweist sich zunehmend als Stärke: Die sehr positiven Abverkäufe der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2026 belegen eindrucksvoll die erfolgreiche Weiterentwicklung unserer Marke. Unsere Wholesale-Partner erzielen hervorragende Ergebnisse und gewinnen neben den langjährigen DRESSLER-Kunden zunehmend auch eine jüngere, moderne Zielgruppe hinzu. Im Ausland wird DRESSLER unvoreingenommener wahrgenommen. Wir haben einen klaren Look, weniger verspielt, mit verlässlichen Passformen. Vor allem aber mit einer eigenständigen, uniquen Formsprache. Schließlich liegen wir preislich unterhalb der bekannten Marken, bieten zusätzlich ein großes NOS-Sortiment, ohne modische oder qualitative Kompromisse einzugehen.“
Jens: „DRESSLER ist eine echte Alternative. Kein Konsument sucht nach dem zehnten Italiener – und damit auch kein Händler.“

Jens Hohmann ©DRESSLER

Welche Märkte haben Potenzial – und wie nutzt ihr es?
Jens: „DRESSLER wird im Ausland schon immer progressiver und moderner wahrgenommen und eingekauft. Die neue Bildsprache wird diesem internationalen Anspruch gerecht und spricht interessanterweise nun auch im Inland deutlich imageträchtigere Kunden an. Dabei bewegen wir uns in der Kollektionsaussage weiter zwischen zeitgemäß und Klassik. Ich sehe ungenutztes Potenzial in allen Märkten – strukturell wie vertrieblich. Positiv entwickeln sich neben den DACH-Ländern Skandinavien und Benelux. UK ist aufgrund der Zollproblematik herausfordernd, aber wir arbeiten daran. In Frankreich, Polen und Italien werden wir konsolidieren. In Ländern ohne flächendeckende Präsenz setzen wir auf Flagship-Kunden als Leuchttürme. Märkte wie USA und Kanada stehen auf der Liste.“

Die Neuausrichtung kostet auch Geld. Was sagt die Inhaberfamilie?

Thomas: „Ohne die nötigen Investitionen geht es nun mal nicht. Aber die Familie Brinkmann steht hinter der Neuausrichtung und stärkt uns den Rücken, sowohl finanziell als auch strategisch.“
Jens: „Das liegt auch daran, dass wir keine Luftschlösser bauen, sondern realistisch planen. Wir erhalten positives Feedback von Kunden und aus dem Markt – sowohl zum Konzept, dem Marktauftritt als auch zu Abverkäufen.“

Wie präsentiert ihr diesmal die „DRESSLER-Welt“ auf der Sommer-Pitti?
Thomas: „Die Pitti ist für uns weit mehr als eine Messe – sie ist zurzeit unsere internationale Bühne. Entsprechend werden wir unseren globalen Markenauftritt weiter stärken. Unser Pitti-Stand erhält erneut ein frisches Design, das unsere Markenidentität noch stärker in den Fokus rückt und den modischen Anspruch der Marke unterstreicht. Mit der fortschreitenden Expansion unserer Aktivitäten wird künftig zudem eine Präsenz auf weiteren relevanten Plattformen in Mailand und Paris erforderlich sein, um die internationale Sichtbarkeit der Marke weiter auszubauen.“

Wie reagiert der Handel?
Thomas: „Super positiv. Aktuell liegen wir bei einem hohen zweistelligen Plus. Dem Argument verschließt sich kein Händler. Aber auch konzeptionell sehen wir, dass unsere Maßnahmen ankommen und DRESSLER verstanden wird. Auch die Präsenz auf der Fläche mit Pop-ups hat eine starke Wirkung. Wir beweisen am POS, dass unser Konzept funktioniert: Mit unseren Produkten, unserer klaren Ausrichtung und unserem unverwechselbaren Look erzielen wir überzeugende Abverkäufe. Diesen Erfolg übertragen wir konsequent auf weitere Märkte und schaffen damit die Grundlage für nachhaltiges Wachstum.“

Warum ist DRESSLER im Ausland eigentlich „moderner“?
Thomas: „Im Ausland wird DRESSLER unvoreingenommener wahrgenommen. International zählt für Händler in erster Linie die Marke – insbesondere ihre Herkunft und ihr Heritage, neudeutsch Brand USP. In Deutschland wurden wir historisch bedingt lange Zeit vor allem als Produktlieferant wahrgenommen. Dieses Verständnis hat sich in den vergangenen Jahren jedoch deutlich verändert. Dank unserer konsequenten Markenentwicklung werden wir heute als eigenständige Menswear-Brand mit klarem Profil wahrgenommen – ein Wandel, der vom Markt äußerst positiv aufgenommen und durch entsprechende Erfolge bestätigt wird. DRESSLERs neuer Auftritt spiegelt unsere Mission: ‚Affordable luxury shaping timeless elegance that echoes through generations‘. Eine Marke mit starkem USP – das entzieht uns dem direkten Preiswettbewerb.“

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Die Preise wurden im Großen und Ganzen gehalten. Wie funktioniert das in Zeiten internationaler multipler Krisen?
Jens: „Wir sind in der Produktion von globalen Krisen weniger betroffen, weil wir europäisch sourcen und Nearshoring nutzen. So vermeiden wir hohe Kosten und Lieferbrüche. Zudem sichern wir uns frühzeitig Preise und Mengen, sodass wir nicht kurzfristigen Ausschlägen ausgeliefert sind. DRESSLER positioniert sich im gehobenen Segment leicht unterhalb von Luxus. Der Preis spielt weder in Deutschland noch international eine dominante Rolle – umso mehr überzeugt das Produkt selbst. In den höheren Preislagen verzeichnen wir aktuell das stärkste Wachstum.“

Welche Produktgruppen treiben das Wachstum?
Thomas: „Klassische Warentypen wie Sakko und Anzug laufen immer gut. Besonders erfreulich ist die Entwicklung unserer neuen Modelle und Produktgruppen. Vor allem die Bereiche Leder und Outerwear haben unsere Erwartungen erfüllt und zeigen das Potenzial unserer strategischen Sortimentserweiterung. Zusätzliche Qualitäten und neue Farben und Modellvarianten bringen Modernität und steigern schon jetzt deutlich die Nachfrage und die Umsätze.“

Wie setzt ihr „Work-to-Weekend“ um?
Thomas: „DRESSLER steht für klassische Anzüge und Sakkos mit dem Perfect Fit und modischer Aussage. Unsere Kunden sind bestens informiert und verstehen Marke und Produkt. Wir sprechen von einer Stilgruppe, nicht von einer Zielgruppe. DRESSLER ist heute eine generationsübergreifende Lifestyle-Marke. Modernität bedeutet für uns nicht Schlaghosen oder wilde Farben, sondern eine Allover Wardrobe, die eine durchdachte und unkomplizierte Gesamtgarderobe darstellt – vom Business-Look bis zum Casual- oder Evening-Outfit.“

Wie hat sich der Auftritt seit dem Relaunch entwickelt?
Jens: „Der Relaunch findet in einem anspruchsvollen Marktumfeld statt. Geopolitische Entwicklungen und strukturelle Veränderungen im Handel fordern uns heraus, eröffnen aber gleichzeitig neue Wachstumschancen. Wir nutzen diese Dynamik, um unsere Distribution gezielt weiterzuentwickeln und neue Potenziale zu erschließen. Besonders stolz machen mich dabei die Leidenschaft und der Einsatz unseres gesamten Teams, das den Wandel aktiv mitgestaltet.“

Was sind die nächsten Schritte?
Thomas: „Wir sind ein berechenbarer Partner – als Marke DRESSLER mit der Brinkmann Holding im Hintergrund. In diesem Sommer gehen wir den nächsten konsequenten Schritt in unserer Weiterentwicklung. DRESSLER wird sich national und international noch klarer und spitzer als Marke positionieren, ohne seine Basis und Kernkompetenzen zu verlassen. Auch strukturell richten wir uns stärker an internationalen Zyklen aus: Mit der aktuellen Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027 arbeiten wir erstmals mit vier Drops pro Jahr – PRE und Main. Frühe Liefertermine bilden dabei die Grundlage für starke Abverkaufs-KPIs. Ergänzend setzen wir auf kurzfristige Buy-now-wear-now-Capsules, wie aktuell unsere Evening Capsule mit Frack und Jumpsuit im oberen Preissegment (800 bis 1.000 Euro), die Ende Oktober/Anfang November auf die Fläche kommt.“

Welche drei Prioritäten setzt ihr für die nächsten zwölf Monate?
Jens: „WACHSEN, WACHSEN, WACHSEN!!!“

Hintergrund
Die Marke DRESSLER gehört zur bugatti Holding Brinkmann mit Sitz in Herford. Das Unternehmen wurde 1929 gegründet und ist seit 2004 Teil der Holding. Zum Jahresbeginn 2025 übernahm Thomas Jaeger die Geschäftsführung. Er bringt über 20 Jahre Erfahrung in Marketing und Vertrieb mit – unter anderem als Managing Brand Director von STRELLSON sowie als CEO der Marke JET SET.
Jens Hohmann ist seit Oktober 2025 als Head of International Sales für die internationale Expansion von DRESSLER verantwortlich. Neben Markenauftritt, Design und Branding stärkt das Unternehmen die Internationalisierung. Die Rückkehr auf die Pitti Uomo in Florenz im Januar 2024 nach zehn Jahren markierte dabei einen wichtigen Schritt. Die Exportquote liegt aktuell bei über 50 Prozent.

Mehr als nur ein Statement

DRESSLER führt seine Neupositionierung im Sommer 2027 mit der Kollektion „The Perfect Match“ fort. Im Fokus steht ein luxuriöser Stoff aus Wolle, Seide und Leinen von Loro Piana, der durch High-Twist-Garne knitterresistent, luftdurchlässig und thermoregulierend ist.

Die Farbpalette reicht von klassischen Beige- und Grautönen bis zu kräftigen Akzenten wie Kobaltblau, Smaragdgrün oder Aubergine. Die Silhouette wirkt entspannter: Oberteile fallen fließend, Hosen gewinnen an Weite, Bundfalten sorgen für Luftzirkulation. Leder, als luxuriöse Outdoor-Alternative eingeführt, kommt in dieser Saison über als Blouson, Overshirt oder Sakko.

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