Autorin: Katja Vaders
Die Hitzewelle im Juni stellte uns gleich auf mehreren Ebenen vor große Herausforderungen. Beim männlichen Teil der Bevölkerung warf sie zudem die Frage auf: Was trägt Mann, wenn die Temperaturen weit über 30 Grad steigen? Wir baten Ben Bernschneider, Autor, Content Creator und Mann mit großem Stilbewusstsein, uns seine Einschätzung zu den wichtigsten Sommer-Pieces zu geben und ob es erlaubt ist, bei besonders großer Hitze die gängigen Fashion-Regeln auch schon einmal über Bord zu werfen.
FASHION TODAY: Ben, ich würde dich als Fashion- und Style-Influencer bezeichnen. Wie beschreibst du deine Arbeit – und wie kam es dazu, dass du bei Social Media aktiv geworden bist?
Ben Bernschneider: „Ich würde mich gar nicht als klassischen Fashion-Influencer bezeichnen. Ich erzähle Geschichten über Stil. Mal über Kleidung, mal über Hotels, Autos oder Reiseziele. Ich rede gar nicht über Streetwear, sondern eher über Klassiker, die Jahrzehnte überdauern. Angefangen hat alles damit, dass ich keine Lust mehr auf die analoge Fotografie und meinen Beruf hatte. So habe ich dann 2023 mein erstes Reel hochgeladen und ein paar Monate später hatte ich bereits 200.000 Follower.“
Wir haben gerade eine extreme Hitzewelle hinter uns gebracht, die insbesondere modeaffine Männer vor große Herausforderungen stellt. Wie sollten Männer stylingtechnisch mit Temperaturen von weit über 30 Grad umgehen? Sind beispielsweise kurze Hosen ab einer gewissen Temperatur erlaubt – und welche Länge sollten sie haben?
„Im Sommer geht es nicht darum, möglichst wenig Stoff zu tragen, sondern den richtigen. Ein langärmeliges Leinenhemd kann angenehmer sein als ein synthetisches T-Shirt.
Kurze Hosen sind natürlich erlaubt. Aber ich würde sie eher in der Freizeit tragen. Am Strand, im Urlaub oder beim Grillen. In der Stadt finde ich eine leichte Leinen- oder Baumwollhose fast immer eleganter. Und wenn Shorts, dann nicht bis zu den Knien. Nicht Cargo, nicht dreiviertellang.“
Wie sieht es mit kurzärmeligen Hemden aus?
„Kurzärmelige Hemden? Ja, aber nie als Business-Version und nie mit Krawatte. Hawaii-Hemden sehen super unter einem hellen Leinenanzug aus.“
Welche Materialien und Farben empfiehlt Ben Bernschneider ab 30 Grad?
„Bei Materialien führt für mich kein Weg an Leinen vorbei. Dazu Baumwolle, Seersucker oder leichte Wollstoffe wie Fresco oder Crispaire. Farblich gerne Weiß, Creme, Sand, Hellblau oder Oliv. Alles, was Licht reflektiert und sommerlich wirkt.“
In deinen Reels trägst du meist ein Jacket. Ist das auch bei großer Hitze ein Muss, um gut angezogen zu sein? Und wie weit darf Mann sein Hemd aufknöpfen?
„Ein Jacket ist kein Selbstzweck. Wenn es zu heiß ist, lässt man es weg. Ein gutes Leinenhemd sieht auch ohne Sakko hervorragend aus. Beim Aufknöpfen gilt für mich: Wie sieht man sich, wo befindet man sich? Am Strand, nachts im Club, auf der Party, wenn der Vine sexy ist, kann das Hemd bis zum letzten Knopf offen sein, aber wenn ich in Rom ins Museum gehe oder ins Restaurant, dann sollten zwei offene Knöpfe reichen.“
Ein ganz besonders heikles Thema sind bei großer Hitze die Schuhe: Sind Sandalen oder Flip-Flops ab einer gewissen Temperatur erlaubt? Welche Modelle gehen gar nicht – und wie stehst du zu BIRKENSTOCKs?
„Flip-Flops gehören für mich an den Strand oder an den Pool. Sandalen sind einfach nicht mein Stil. Das heißt aber nicht, dass andere sie nicht tragen sollen. Ich greife lieber zu Espadrilles, VANS-Slip-Ons oder Sommerloafern. Und BIRKENSTOCKs? Da bin ich der falsche Ansprechpartner. Für mich fallen sie unter Sandalen und ich besitze kein einziges Paar.“
Wie sieht es mit Kopfbedeckungen aus? Trucker Cap, insbesondere bei Männern über 40: YOLO oder No-Go?
„Ich glaube nicht, dass Kleidung ein Verfallsdatum hat. Es kommt darauf an, ob sie zur Person passt. Eine Trucker Cap kann cool aussehen, sie kann aber auch wirken, als wolle jemand zwanghaft 20 Jahre jünger sein. Ich trage sehr gerne Trucker Cap mit Pilotenbrille und einem Jeanshemd. Und eine normale Cappy kann man auch noch mit 80 tragen und sogar zum Anzug, wenn man mit dem Ivy- und Preppy Style vertraut ist.“
Dein aktuelles Buch „100 Staple Pieces“ beschäftigt sich mit der Frage, was den Unterschied zwischen einem gut angezogenen und einem Mann mit Stil ausmacht. Kannst du die Antwort in ein, zwei kurzen Sätzen zusammenfassen, auch bezogen auf unser Sommerthema? Und was erwartet die interessierte Leserschaft noch in deinem Buch?
„Gut angezogen kann jeder sein, der Geld hat. Stil entsteht, wenn Persönlichkeit mitspielt. Genau darum geht es in ,100 Staple Pieces‘. Das Buch ist kein Regelwerk, sondern eine Orientierungshilfe. Es zeigt, welche Kleidungsstücke ein Leben lang funktionieren, warum sie funktionieren und wie man daraus seinen ganz eigenen Stil entwickelt.“
Wir danken dir herzlich für deine Einschätzung!




