Autor: Markus Oess
Die 110. Pitti Immagine Uomo (16. bis 19. Juni 2026) in Florenz zeigte mehr als 740 Kollektionen, die Messe zählte laut Veranstalter rund 11.000 Buyer, ein Rückgang von etwa 3,5 Prozent gegenüber Juni 2025, sowie über 14.000 Besucher aus mehr als 90 Ländern. Von Katerstimmung war trotzdem nichts zu spüren – im Florentiner Sommer wäre das ohnehin nur schwer möglich.
„Pitti ist Pitti“, sagt ALBERTO-Chef Marco Lanowy. Recht hat er. Und auch wenn diesmal etwas weniger los war, wurde auch diese 110. Ausgabe der Pitti Uomo in Florenz zum Erfolg. Mehr als 5.200 internationale Handels- und Vertriebsprofis reisten laut Veranstalter an, angeführt vom Länder-Ranking mit Deutschland, Großbritannien, Spanien, den USA und der Türkei, gefolgt von den Niederlanden, Japan, Frankreich, der Schweiz, Belgien, Österreich, Griechenland, Kanada, Polen und China. Zulegen konnten unter anderem Deutschland, die USA, Hongkong und Kanada sowie die skandinavische Region, Südostasien mit Südkorea, Taiwan und Singapur, dazu Mittel- und Osteuropa mit Rumänien, Polen, Ungarn und der Ukraine. Die klassischen europäischen Märkte dagegen bremsten, Ausnahmen waren die Schweiz, Österreich und Irland. CEO Ivano Cauli sprach trotz geopolitischer Unsicherheiten von guter Stimmung und Pitti-Immagine-Präsident Antonio De Matteis lieferte gleich die passende Erklärung dazu mit: „Pitti Uomo deckt die gesamte Bandbreite an Stilen und Produkten in der Herrenmode und bei Accessoires ab.“ Zu den internationalen Kooperationen zählten diesmal auch CODE Korea und das japanische J-Quality-Konsortium.
Unter den Ausstellern war „Pflicht“ das Wort der Stunde. TOM-RIPLEY-Chef Wolfgang Müller nennt die Messe „gerade auch international zur Pflicht geworden“, trotz eines ruhigeren Verlaufs habe der neue Standort im Fortezza-Gelände der Marke immerhin mehr Sichtbarkeit gebracht. Bei STETSON und bugatti klingt es kaum anders: Beide sprechen von einer weiterhin sehr wichtigen internationalen Plattform beziehungsweise von einem Pflichttermin für Marke und Händler. „Unsere Modenschau in Forte dei Marmi war der Knaller. Ich bin megahappy mit Florenz”, sagt Florian Wortmann, Chief Brand & Commercial Officer von bugatti. International laufe es aktuell sehr positiv, gerade im Lizenzgeschäft, auch in Deutschland komme man gut voran. Und auch Kiton-Erbin Maria Giovanna Paone mag sich die Messe nicht wegdenken: „Natürlich ist die Pitti Uomo gerade für ein italienisches Traditionsunternehmen wie Kiton nicht zu ersetzen.“ Seit den 1970er-Jahren ist die Marke in Deutschland vertreten, getragen von einer Partnerschaft, die auch im Wholesale die Geschäftsgrundlage bildet.
Pitti Pictures
Jenseits des Pflichtgefühls ging es in Florenz aber auch um Neuheiten. ZUITABLE-Inhaber Christian Filusch hat sein Portfolio weiter professionalisiert und legt mit einer Wolle-Elasthan-Mischung ein neues Premiumprodukt für den Anzug auf. Die WORMLAND-Insolvenz hat ein zweistelliges Umsatzplus gekostet, dessen Folgen Filusch bis Ende 2027 verarbeitet haben will. Bei MEYER-HOSEN war die Sorge vor schwacher Frequenz unbegründet, wie Sven Wandres berichtet: „Sowohl national als auch international waren alle wichtigen Einkäufer bei uns.“ Erweiterte Stoffvielfalt und Farbpalette, ein für Damen aufgebautes Golfthema und die gut laufende Hosenmarke M5 sprechen für sich, selbst wenn die Order insgesamt anspruchsvoller wird.
Marco Sänger von ROY ROBSON bestätigt eine Veränderung im Einkauf: Man achte inzwischen genauer aufs Budget, dafür gehe der Trend umso klarer zum Komplettlook. Genau diese internationale Logik treibt auch SEPTWOLVES-Inhaber Zhou Shaoxiong um, der die Pitti Uomo weiterhin als Sprungbrett nach Europa sieht und seine Kollektion an drei Megatrends ausrichtet: Retro-Style, Funktion sowie Nachhaltigkeit und natürliche Funktionalität. Weil Lifestyle und Mode zunehmend verschmelzen, müsse das auch in Design, Produktion und nicht zuletzt im Storytelling der Marke ankommen, sagt er, ohne dabei die Produktionskosten aus dem Blick zu verlieren. SEPTWOLVES zeigte eine Kollektion aus Funktionalität, Nachhaltigkeit und chinesischem Kulturerbe, unter anderem mit dem weiterentwickelten Business Travel Jacket und der Wulin World Heritage Collection. Die Lizenzmarke KARL LAGERFELD entwickle sich unterdessen sehr gut. Auch die übrigen CHINA-WAVE-Teilnehmer, zum fünften Mal in Florenz vertreten, setzten eigene Akzente: ZIFEI WANG mit zeitgenössischer orientalischer Ästhetik und Blick schon auf die Mailänder Modewoche im September, SOARIN und SOARIN WORLD mit pflanzenbasierten Färbetechniken und östlicher Neuinterpretation, KIMUSSO als Womenswear-Label vor allem im Gespräch mit internationalen Einkäufern für Concept Stores und Premium-Boutiquen. Vom 12. bis 15. Januar 2027 läuft dann die Pitti Uomo 111.




















