Zeit für mehr Luxus

HORANDO

Christopher Fischer (l.) Stefan Sebök haben über eine Crowdinvesting-Plattform Geld eingesammelt. (Bilder: HORANDO)

Autor: Markus Oess

Schon in ihrer gemeinsamen Studienzeit haben Stefan Sebök und Christopher Fischer mit den Edel-Zeitmessern gehandelt. Im Jahr 2013 gründeten sie den Online-Shop HORANDO. Heute betreibt HORANDO auch noch einen stationären Einzelhandel und hat über die Crowdinvesting-Plattform COMPANISTO eine Finanzierungsrunde eingeläutet. Mit dem Geld wollen sie das digitale Geschäft weiter forcieren.

Pünktlichkeit ist ihm wichtig, mehr noch, sie ist unerlässlich für den reibungslosen Tagesablauf im Geschäftsleben. Was soll er auch sagen, schließlich ist Stefan Sebök zusammen mit Christopher Fischer Gründer und Inhaber von HORANDO, einem Online-Shop für Luxusuhren. „Aber wenn Sie mich als Privatperson fragen, muss ich zugeben, dass es sicherlich die eine oder andere Stimme gibt, die hier ein gewisses Verbesserungspotenzial sieht“, schmunzelt er dann. Sebök trägt eine Cartier. „Das Modell ist eine Calibre-de-Cartier-Armbanduhr mit weißem Zifferblatt, kleiner Sekunde und schwarzem Lederarmband. Die Uhr hatte einer unserer Lieferanten zufällig als Vintage-Modell angeboten und ich habe mich gleich in das elegante und sportliche Design verliebt.“

Er und seine Partner hatten schon während ihres BWL-Studiums mit gebrauchten Armbanduhren gehandelt. „Wir haben uns schon immer für die sehr detailverliebte Uhrenkunst interessiert. So haben wir den Einstieg in den Uhrenmarkt gefunden und uns ist relativ schnell bewusst geworden, welches enorme Potenzial im Handel mit Luxusarmbanduhren liegt. Besonders im digitalen Geschäftsfeld haben wir eine Option gesehen: Den Online-Shop HORANDO haben wir 2013 gegründet“, erzählt Sebök dann. 2016 kam das Unternehmen auf einen Umsatz von rund 2 Millionen Euro. HORANDO zählt circa 450 Vertragslieferanten, dank derer der Online-Shop Zugang zu mehr als 40 Luxusmarken hat. Christopher kümmert sich um das Sourcing und das Produktmanagement: Er übernimmt den Wareneinkauf und verbessert den Shop kontinuierlich. Sebök ist für den Vertrieb und das Partnermanagement im B2B-Bereich und die Kooperationen zuständig:

FT: Herr Sebök, wie schafft man es als Newcomer, bei den Herstellern von Luxusuhren einen Fuß in die Tür zu bekommen?
Stefan Sebök: „Vielen Händlern wird schnell klar, dass der Markt sich stark digitalisiert. Dadurch sind die Hersteller auf der Suche nach neuen Vertriebswegen und -partnern. Das A und O im Vertrieb ist die perfekte Mischung aus gesundem Selbstvertrauen und dem gebotenen Respekt für die Handelspartner. Es ist wichtig, ihnen sachlich zu erklären, welchen Mehrwert eine Partnerschaft für beide Seiten ermöglicht. Wir sind stolz darauf, dass wir zu einigen Vertriebsdirektoren renommierter Schweizer Luxusuhrenhersteller trotz unserer Online-Ausrichtung einen sehr guten Kontakt haben. Die Branche verändert sich und wird jünger und digitaler – in der Mode würde man es vielleicht so ausdrücken: Die Branche entwickelt sich vom Maßanzug zum Sneaker.“

Seit 2013 sind Sie am Markt. Helfen auch die schlechten Zinsen oder – anders gefragt – werden Uhren als Geldanlagen gekauft?
„Ja, auf jeden Fall. Wir erleben immer häufiger, dass Kunden bei uns Uhren als Wertanlage kaufen. Hier gibt es zwei Arten von Käufern: zum einen die Käufer, die eine luxuriöse Uhr als Investment kaufen, sie aber dennoch tragen und sich an ihr erfreuen. Zum anderen Kunden, die eine Uhr als reines Investment kaufen, die anschließend sofort im Safe oder im Bankschließfach verschwindet. Im Laufe unsere Karriere haben wir schon so manche ,Investmentuhr‘ im Kommissionsverkauf zurückbekommen. In diesen Fällen ist die stetige Preissteigerung der Modelle deutlich erkennbar.“

 Welches war die teuerste Uhr, die Sie verkauft haben?
„Wir haben in 2016 einige Modelle von Patek Philippe Nautilus mit einem Einzelpreis von über 50.000 Euro verkauft, so auch öfter das Modell Patek Philippe Travel Time GMT 5990. Die teuerste Uhr bisher war jedoch eine Rolex Cosmograph Daytona SARU mit Brillantbesatz für 75.000 Euro.“

 Haben Sie deutsche oder auch ausländische Kunden?
„Ein Großteil unserer Kunden kommt aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. In den letzten Jahren sind wir jedoch auch innerhalb Europas stark gewachsen und haben zahlreiche neue Kunden hinzugewonnen. 5 Prozent unseres Jahresumsatzes werden außerhalb der Europäischen Union erzielt.“

 Bei Neukunden warten Sie sicher erst mal, bis das Geld auf dem Konto ist, oder? Aber ist auch Geldwäsche ein Thema und wie sichern Sie sich hier ab?
„Als international aktiver Online-Shop bieten wir unseren Kunden natürlich alle gängigen Zahlungsmethoden wir PayPal, paydirekt, Banküberweisung sowie Bezahlung per Kreditkarte an. Wir arbeiten mit renommierten Zahlungsdienstleistern zusammen, welche beispielsweise alle Kreditkartenzahlungen prüfen und uns bei Abweichungen beziehungsweise Unregelmäßigkeiten sofort informieren. Wir versenden die Ware erst, wenn wir eine entsprechende Zahlungsbestätigung erhalten haben. Geldwäsche ist für uns nahezu kein Thema. Wir erhalten im Online-Geschäft alle Zahlungen über transparente und für uns nachvollziehbare Zahlungswege. Barzahlungen über 10.000 Euro kommen sehr selten vor. Wir prüfen, wenn notwendig, jedoch alle Rahmenbedingungen (Umsatzsteueridentifikation, Ausweisdokumente etc.) nach allen rechtlichen Anforderungen.“

Hat man Ihnen auch mal eine Fälschung untergeschoben?
„Nein, das kam noch nie vor. Im Neuankauf arbeiten wir mit ausgewählten Markenpartnern zusammen. Diese stehen in einem direkten Vertragsverhältnis mit dem jeweiligen Hersteller oder beziehen die Uhren direkt von ihm. Im Vintage-Bereich werden alle Uhren von unseren Partner-Uhrmachern auf Echtheit geprüft.“

Welchen Anzug tragen Sie heute zur Uhr?
„Ich sprach ja vorhin schon vom Wandel der Branche vom Maßanzug hin zu Sneakern. Für uns gibt es keinen Dresscode, der den klassischen Anzug vorschreibt. Wir kleiden uns gerne lässig aber chic. Zu meiner Calibre de Cartier trage ich heute eine dunkelblaue Chino-Hose, weißes Hemd und einen sportlichen, grauen Blazer.“

Mittlerweile hat HORANDO in Bamberg auch stationär Fuß gefasst

Inzwischen haben die zwei Betreiber von HORANDO ihr Geschäft ausgebaut. Sebök hat eine Lizenz als Auktionator und der Shop verkauft auch gebrauchte Uhren auf Kommission. „Luxusuhren hatten schon immer eine besondere Stellung im internationalen Marktgeschehen“, meint Sebök. Das Spannende dabei: Uhren seien universell und sprächen unterschiedliche Menschen an. „Wir sehen es an unseren Verkaufsdaten – der Berliner und der Münchner, wenn auch unterschiedlich gestylt, kaufen die gleiche Rolex.“

HORANDO gewährt auch den Käufern von neuen Edel-Zeitmessern einen Rabatt auf die Uhren von 15 bis 30 Prozent. Möglich werde das, weil ein Online-Händler eine deutlich größere Masse an potenziellen Kunden erreiche als die Kollegen, die nur stationär Handel betreiben. Mehr Kunden, mehr Ware, mehr Umsatz, größere Rabatte und bessere Einkaufspreise, rechnet Sebök sinngemäß vor. Und die Kollegen im stationären Handel? „Es gibt Preisvorgaben von Herstellern, die man als unverbindliche Preisempfehlung verwenden sollte. Als freier Händler sind wir bei der Preisgestaltung nicht gebunden und deutlich flexibler. Kollegen im stationären Handel erreichen meistens weniger potenzielle Kunden – das erklärt die Preisdifferenz. Es findet jedoch schon ein Umdenken statt – einige alteingesessene Händler streben auch Kooperationen an“, hält Sebök dagegen.

Mittlerweile hat HORANDO in Bamberg auch stationär Fuß gefasst. „Wir konnten hier die Räumlichkeiten eines früheren Rolex- und Patek-Philippe-Konzessionärs übernehmen und unseren Showroom modern umbauen – für uns die perfekte Mischung aus Büro, Ausstellungsfläche und Lager“, erklärt Sebök. Und: Die beiden haben zwar in Heidelberg, Nürnberg und in den USA studiert, kommen aber aus Bamberg. Die Verkaufspreise im Laden sind die gleichen wie im Online-Shop. Der Fokus liegt auf dem weiteren Ausbau des Online-Geschäfts. Die beiden planen für 2017 mit über 3 Millionen Euro Umsatz. Ein Investor ist nach eigener Aussage nicht an Bord. Geld einsammeln wollen sie gleichwohl, um das weitere Wachstum zu finanzieren. „Wir haben dann Mitte Oktober entschieden, über die Crowdinvesting-Plattform COMPANISTO eine Finanzierungsrunde zu starten und die Crowdinvestoren anzusprechen. Bereits am ersten Tag der Finanzierungsrunde waren 178.000 Euro erreicht, das zeigt ganz deutlich das Marktpotenzial. Wir haben unser Finanzierungsziel in Rekordzeit erreicht, was deutlich macht, wie richtig wir mit unserem Vorhaben liegen“, erklärt der Uhrenhändler Sebök.

Das bisherige Wachstum haben Sebök und Fischer aus dem eigenen Cashflow aufgebaut. „Als wir 2013 gestartet sind, haben wir Uhren über eine externe große Online-Plattform verkauft und die Gewinne in den Aufbau unseres eigenen Online-Shops reinvestiert. Mit mehr Kapital können wir gerade in dieser Branche exponentiell wachsen. Neben einem guten Preis ist die sofortige Verfügbarkeit entscheidend. Wir möchten unsere Partnerschaften ausbauen und natürlich Topseller auch noch stärker direkt vorhalten.“  Vor Kurzem hat sich HORANDO eine direkte Konzession der italienischen Nobelschmuckmarke ALFIERI & ST.JOHN gesichert. Bis Ende des Jahres soll noch eine weitere Konzession im Schmuckbereich hinzukommen. Im Showroom in Bamberg verkauft HORANDO bereits Kleinlederwaren und Schreibgeräte. Das Segment soll auch weiter digital ausgebaut werden.