TOM TAILOR macht Verlust

Dr. Heiko Schäfer ©TOM TAILOR GROUP

Autor: Markus Oess

Das war mit Ansage. Die Hamburger TOM TAILOR GROUP hat im vergangenen Jahr rote Zahlen geschrieben. Wie die Hamburger mitteilen, haben sie im Geschäftsjahr 2016 mit einem Konzern-EBITDA in Höhe von 10,3 Millionen Euro und einem Umsatzplus von 1,3 Prozent auf 968,5 Millionen Euro nach vorläufigen Zahlen die eigenen Prognosen erfüllt. Dennoch steht in der Bilanz ein Jahresverlust von 73 Millionen Euro. Darin enthalten sind Einmalaufwendungen in Höhe von 80,9 Millionen Euro für Maßnahmen im Rahmen des Restrukturierungsprogramms RESET.

Für GSC-Analyst Alexander Langhorst birgt das Ergebnis wahrlich keine Überraschungen: „Die Ergebnisentwicklung bewegt sich nach meiner Einschätzung im Rahmen dessen, was nach Ankündigung des ‚RESET’-Programms zu erwarten gewesen ist. Der Fokus auf die Kernmarken und der Rückzug aus Märkten wie China, USA sowie weitestgehend auch Frankreich ist vernünftig und folgerichtig, damit man sich voll auf die Kernsegmente konzentrieren kann. Gewisse Hoffnung macht die leichte Umsatzsteigerung bei TOM TAILOR und die ab dem vierten Quartal 2016 wieder verbesserte Rohertragsmarge. Dennoch wird 2017 weiter ein Jahr des ‚Übergangs und der Restrukturierung’ bleiben. Frühestens ab 2018 wird man sehen können, ob die Maßnahmen auch auf der Ergebnisseite wie erwartet wirken und es auch gelingt, Käufer in die Geschäfte bzw. die Onlineshops zu locken.“

Unterdessen zeige das vom neuen Vorstandsteam im Oktober 2016 eingeleitete RESET deutliche Fortschritte, heißt es aus Hamburg weiter. Konkret will sich das Management auf das Kerngeschäft konzentrieren und sich von allen „unrentablen Geschäftsaktivitäten“ verabschieden. So haben sich die Hamburger im vierten Quartal 2016 aus Südafrika (Warum eigentlich überhaupt Südafrika?) zurückgezogen und rund 250 der bis zu 300 geplanten Filialschließungen eingeleitet oder abgeschlossen. Schließlich wurden die Marken TOM TAILOR POLO TEAM und TOM TAILOR Contemporary eingestellt. In diesem Sommer kommt außerdem das Aus für BONITA Men. Und in diesem Jahr folgt noch der Rückzug aus China, den USA und weitestgehend auch aus Frankreich. 
„Wir trennen uns Schritt für Schritt von Altlasten. Damit waren für das Jahr 2016 finanzielle Einschnitte verbunden. Die Talsohle aber haben wir durchschritten“, sagt Dr. Heiko Schäfer, interimistischer Vorstandsvorsitzender und COO der TOM TAILOR Holding AG. „Im laufenden Geschäftsjahr 2017 werden wir die verbleibenden Aufräumarbeiten abschließen.“

Die Dachmarke TOM TAILOR erzielte mit dem Vertrieb über eigene Filialen und mit Handelspartnern ein Wachstum von 5,6 Prozent auf 665,6 Mio. EUR (Vorjahr: 630,0 Mio. EUR). Die Dachmarke BONITA trug 303,0 Mio. EUR zum Gesamtumsatz bei, nach 325,8 Mio. EUR im Vorjahr. Mit der im Dezember 2016 durchgeführten Kapitalerhöhung holte TOM TAILOR 12,5 Millionen EURO in die Kasse und führte damit einen Teil der fälligen Schuldscheindarlehen zurück. Ferner hat das Unternehmen seine Lagerbestände gegenüber dem 30. Juni 2016 um 44,3 Millionen Euro auf 159,1 Millionen EURO gesenkt. Testierte Zahlen gibt es am 28. März 2017.