Riesenerfolg für Plus-Size-Blogger

Men in XXL

Schwer-in-Mode: Claus Fleissner bloggt für stilbewusste Plus Size Männer (Bild: Johannes Knut für Happy Size)

Autor: Tays Köper-Kelemen

Ein Blog, ein Thema: Männer mit Übergröße. Der Frankfurter Claus Fleissner, Gründer, Autor sowie Plus-Size-Model, berichtet mit seinem Format „Extra Inches“ über Themen wie Mode, Beauty und Lifestyle – für Männer, die nicht in das gängige Schönheitsideal passen. Mit Erfolg. 

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Der Name ist Programm: Der 38-jährige Claus Fleissner betreibt mit „Extra Inches“ einen Blog für Männer mit Übergröße. Nunmehr seit Dezember 2015 dreht sich sein Format rund um Mode, Beauty und Lifestyle. Das Konzept kommt an. Der Frankfurter, der nebenbei auch als Plus-Size-Model arbeitet, zählt auf Instagram mittlerweile 7.000 Follower, auf Facebook folgen ihm 1.200 User. Seinen Blog selbst besuchen monatlich zwischen 2.000 und 3.000 User. Im Interview erzählt Fleissner, wie er auf die Idee kam, seinen Blog ins Leben zu rufen. Zudem klärt er über die Ansprüche moderner Plus-Size-Männer sowie Wünsche an Modehersteller auf.

FT: Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Männerblog zu starten und dabei das Thema Plus Size aufzugreifen?
Claus Fleissner:
„Ich bin Content Manager bei happy-size.de und habe im Oktober 2015 für meinen Arbeitgeber an den Plus Size Fashion Days in Hamburg teilgenommen. Die Veranstalter fragten mich, ob ich aus Gag nicht als einziger Mann bei der geplanten Fashionshow mitlaufen wolle. Ich sagte zu und lernte dann hinter den Kulissen einige Plus-Size-Bloggerinnen und -Models kennen. Wir tauschten unsere Social-Media-Profile aus – auf Anhieb fanden meine Outfits Gefallen, die ich auf Instagram gepostet hatte. Man sagte mir, dass ich es doch mal mit einem eigenen Blog versuchen solle. Gesagt, getan. So ist die Idee geboren. Dass ich mich mit dem Thema Plus-Size-Mode für Männer beschäftige, liegt auf der Hand. Ich kenne die Probleme, mit denen man als Plus-Size-Mann zu kämpfen hat – insbesondere wenn man viel Spaß an Mode verspürt und sich wirklich gut anziehen möchte.“

Dann steht Mode klar im Fokus deines Blogs?
„Mode ist tatsächlich das Hauptthema. Es dreht sich alles um Outfits, die man in meiner Größe beziehungsweise noch größeren Größen bekommen kann. Ich stelle Looks zusammen und zeige, wie man Basics wie eine Weste oder ein Karohemd auf unterschiedlichste Art und Weise stylen kann. Anschließend veröffentliche ich Links, mithilfe derer man die Kleidungsstücke bestellen kann. Ich berichte jedoch auch von Messen und den neuesten Trends, die ich dort gesehen habe. Meinen Lesern hoffe ich so tolle Inspirationen liefern zu können. Da ich seit 20 Jahren einen Bart trage, ist Bartpflege immer wieder ein Thema auf meinem Blog. Ich stelle ab und an neue Produkte vor, die ich getestet habe. Manchmal ist auch eine komplette Pflegeserie dabei. Darüber hinaus erzähle ich über meine Arbeit als Plus-Size-Model und mache Interviews mit Plus-Size-Männern. Ich frage die Jungs nach ihrem Geschmack, Shopping-Tipps und ihren Erfahrungen beim Einkaufen sowie Erlebnissen in ihrem Alltag. Man kann demnach sagen, 90 Prozent meines Blogs machen Mode aus, 10 Prozent Beauty und Lifestyle.“

Was bereitet Plus-Size-Männern in Sachen Mode die größten Schwierigkeiten?
Es ist einfach schwierig für einen Plus-Size-Mann, modische Kleidung zu finden. Dabei muss ich jedoch anmerken: Es hat sich in den letzten Jahren sehr viel verändert und die Kollektionen sind zunehmend jünger geworden. Mit meiner Konfektionsgröße 58/60 habe ich teils noch Glück. Ich werde bisweilen in ,normalen‘ Geschäften fündig. Ein oder zwei Konfektionsgrößen darüber sieht es schon definitiv anders aus, die Situation ist erheblich schwieriger. Allgemein gilt: Als Plus-Size-Mann kann man keinen Schaufensterbummel machen, um etwas Nettes auszusuchen und dann einfach so zu kaufen. Oftmals sehe ich ein tolles Outfit in einem Ladengeschäft oder auch in einem Newsletter, die entsprechenden Artikel sind im Shop jedoch nicht in meiner Größe verfügbar. Ich suche mir dann ähnliche Artikel in diversen anderen Shops zusammen und baue mir den Look, den ich gesehen habe, quasi nach. Dies ist manchmal sehr schwierig, nicht selten sogar unmöglich. Ich würde mir wünschen, dass mehr Hersteller ihre regulären Kollektionen in ihren Größen erweitern. Plus-Size-Männer sind nicht mehr nur einfach mit T-Shirt und Karohemd zufrieden. Wir wollen dieselben Sachen tragen wie andere Männer auch.“

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 Wie sehen diese Sachen denn aus?
„Generell habe ich das Gefühl, dass es in der Männermode bunter wird. Nicht in Bezug auf Farben, sondern auf wirkliche Neuerungen. Mode im mittleren Preissegment ist meiner Meinung nach viel experimentierfreudiger geworden. Dies äußert sich zum Beispiel über neue Schnitte oder Materialmix-Storys. Wenn man an frühere Zeiten denkt, so empfinde ich es jedenfalls, hat man abgefahrene Styles höchstens auf Bildern von Fashionshows gesehen. In den Läden hingen dagegen immer nur die gleichen Shirts, Pullis und Sakkos. Es gab kaum Variation, die Kollektionen beschränkten sich von Saison zu Saison vielmehr nur auf Farbwechsel. Mittlerweile gibt es gar thematische Überschneidungen mit der Frauenmode. So sind Trendlooks mit Bomberjacken, Patches und zerrissenen Jeans sowohl in Menswear- als auch Womenswear-Linien zu beobachten.“

Würdest du sagen, dass das Modebewusstsein von Männern gestiegen ist?

Extra Inches will unter anderem mit Outfit Posts für Inspiration und Lust aufs Nachstylen sorgen

„Man kann das nicht verallgemeinern. Es gibt Männer, denen Mode wichtig ist, und Modemuffel, die sich eben pragmatisch anziehen. Doch selbst wenn man keinem Trend folgt oder sich bewusst nicht ,trendy‘ kleidet, ist das ja bereits auch wieder ein Statement – zwar eines gegen die Mode, dennoch hat man sich mit dem Thema Mode auseinandergesetzt. Wer sich zum Beispiel dafür entscheidet, nur Funktionsbekleidung zu tragen, entscheidet sich damit auch für einen eigenen Stil – selbst wenn dieser nicht modisch ist. Sofern man nicht nackt auf die Straße gehen möchte, muss man sich mit dem Thema Mode beziehungsweise Kleidung beschäftigen. Ich denke nicht, dass sich das Verhältnis zu Mode im Zeitverlauf sehr stark verändert hat. Heutzutage ist es aber so, dass sich ein Mann mit Fashion befassen darf, ohne gleich in irgendeiner Schublade zu verschwinden. Im männlichen Plus-Size-Bereich ist sicherlich ein Umdenken festzustellen hin zu einem unbeschwerteren Umgang mit Mode. Es gibt entsprechend mehr und mehr Marken und Shops, die wirklich modische Kleidung anbieten. Dies ist jedoch noch nicht lange der Fall, es besteht so viel mehr Bedarf. Man sieht dies momentan wunderbar bei der sehr trendigen Plus-Size-Linie von Asos. Die Größen 3XL und 4XL sind bei Neuheiten im Shop immer sehr schnell ausverkauft.“

Stichwort ,Umdenken‘ – gibt es derzeit einen Wandel in puncto Schönheitsideal?
„Ich würde nicht von einem Wandel sprechen, sondern vielmehr von einer Öffnung. Und zwar handelt es sich um eine Öffnung, die in der Entwicklung ist und längst nicht abgeschlossen. Ashley Graham, Zach Miko und Tess Holliday sind nur einige beispielhafte Vorreiter im Bereich Body Positivity. Diese haben die Akzeptanz neuer Körperformen forciert, sodass diese mittlerweile regelmäßig in Shows und Werbekampagnen auftauchen. Es geht dabei nicht ausschließlich um das Thema Plus Size, sondern um jegliches Abweichen von gängigen Schönheitsidealen. Es gibt Models mit Pigmentstörungen, Sommersprossen, körperlicher Beeinträchtigung, Tattoos und Piercings. Hinzu kommen Best-Ager-Modelle usw. Typen, die einem Querschnitt durch die Gesellschaft entsprechen, kommen allmählich auf dem Laufsteg an. Vor einigen Jahren konnte sich ein junges Model mit Tattoo sicherlich eine Karriere abschminken, heutzutage ist dies nicht mehr so. Ich würde übrigens niemals fordern, dass Plus Size nun das neue Schönheitsideal sein sollte. Mir ist Vielfalt wichtig. Alle Formen, Farben und Eigenheiten können schön sein und sollten akzeptiert werden.“

Was war der eindringlichste Leserkommentar, den du jemals erhalten hast?
„Also, ich bekomme sehr viel positives Feedback. Eine Mail, die ich einmal erhalten habe, hat mich besonders stolz gemacht: Eine Leserin schrieb mir, dass sie meine Outfits toll findet und diese als Inspiration für den Look ihres Partners nutzt. Sie zeige ihm die Kombis, er nicke sie ab und dann kaufe sie die Teile in den Shops nach. Ich habe auch schon Fotos von nachgebauten Outfits zugeschickt bekommen oder einfach nur das Feedback erhalten, dass ein Posting von mir die rettende Idee für einen bestimmten Anlass war. Das freut mich jedes Mal ungemein. Natürlich gibt es ab und an auch Kontroversen, zum Beispiel wenn es um die Begrifflichkeit Plus Size geht. Es gibt Leute, die diesen Ausdruck als Beleidigung empfinden. Ich persönlich habe keine Probleme damit. Schließlich dient der Begriff nur der Kategorisierung, so im Modelbusiness etwa – der Kunde muss ja parallel zur Bezeichnung ,Skinny-Model‘ irgendwie benennen können, was er buchen will. Wie dem auch sei, in jedem Fall ist es bestärkend, wenn wildfremde Menschen zu mir kommen und sich für die Offenheit meiner Beiträge bedanken. Ich hoffe, meiner Community noch weiterhin viele Tipps liefern zu können, die gut umsetzbar sind.“