Denim für Vater&Sohn

Store-Check

Vater&Sohn verkauft Denim für Generationen. (alle Bilder: Oess)

Autor: Markus Oess

Wer Denim liebt, liebt Vater&Sohn – Clothing in Hamburg. Der Store von Sascha Kampmeyer ist erste Anlaufstelle im Norden der Republik. Saschas Herz hängt an japanischem Denim, besonders an einem bestimmten Label: IRON HEART. „Wir wollen in jedem Segment, das wir bespielen, das beste Produkt bieten, das auf dem Markt zu haben ist. Das hat seinen Preis“, sagt Sascha über seinen Laden.

Ganz früher beherbergte das Haus in Hamburgs Eppendorfer Weg 54 ein Möbelgeschäft. Der letzte Mieter versuchte sein Glück mit einer Spielehalle. „Entsprechend gruselig sah es hier aus“, erzählt Sascha Kampmeyer, Inhaber des Hamburger Denim-Kultladens Vater&Sohn – Clothing. Bevor der Store von nebenan zwei Häuser weiter in das neue Ladenlokal ziehen konnte, stand viel Renovierungsarbeit an. Die Fenster wurden neu gesetzt, die Zwischendecke rausgerissen, Wände herausgenommen. Auch die Elektrik und die sanitären Anlagen wurden erneuert. Das war Sache des Vermieters. „Wir haben dann beim Ladenbau noch mal ordentlich reingehauen“, sagt der 40-jährige Sascha. Mehr als 25.000 Euro steckten Sascha Kampmeyer und seine damaligen Geschäftspartner Stefan Kudla und Tobias Pflug in den Laden mit einer Verkaufsfläche von rund 104 Quadratmetern. Möbel und Storekonzept haben die drei selbst entworfen und beim Einbau selbst Hand angelegt. Besonderer Stolz ist ein Apothekerschrank von 1906, der von einem Schreiner restauriert und in den Laden integriert wurde. Er beherbergt das Herzstück des Stores, die Jeans und Jeansjacken.

„Wir sind nicht die Goldgräbertypen“

2013 wurde Vater&Sohn – Clothing gegründet, im Mai 2014 folgte der Umzug in den neuen Standort. „Der Name steht für zwei Dinge: Zum einen verkaufen wir echtes Handwerk, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Zum anderen stehen wir selbst für diese Handwerkskunst und Generationenverbundenheit“, erläutert Sascha. „Crafting Tradition“, lautet daher auch der Leitspruch des Stores. Er wolle aber weder die Vergangenheit verbrämen noch die Kunden missionieren. Auch wenn man irgendwie damit rechne, dass von draußen Pferdegetrampel und Staub hereinweht, wenn die Ladentür aufgeht, betont Sascha mit großer Bestimmtheit: „Wir sind nicht die Goldgräbertypen. Ich habe es nicht so mit den Rückwärtsgewandten.“  Ihm gehe es in erster Linie darum, die besten Marken und Produkte in seinem Segment zu verkaufen, die es auf dem Markt gibt. Und die Kunden könnten auf Missionare sowieso gut verzichten. „Meist sind sie topinformiert und wissen genau, was sie wollen.“  Mit der Zeit sei das Sortiment auch moderner und exklusiver geworden, die Silhouetten schmaler. Marken wie patagonia (für Sascha die beste Outdoormarke, die es derzeit gibt) haben Einzug gehalten. Und bei Vater&Sohn sollen auch Frauen ihre Jeans kaufen können. Dazu hat Sascha Womenswear von Marken wie EAT DUST, 3SIXTEEN und demnächst RAILCAR FINEGOODS aufgenommen.

Der Laden steht für japanischen Denim

Vater&Sohn steht für Denim. Für japanischen Denim in erster Linie und wer es ganz genau nimmt, für IRON HEART mit Sitz im japanischen Hachiōji (Präfektur Tokio). Nicht ohne Grund fliegt Sascha wenigstens zweimal im Jahr ins Land der aufgehenden Sonne und hat zum englischen Hauptimporteur Giles Padmore ein freundschaftliches Verhältnis. Allein mit IRON HEART erwirtschaftet Vater&Sohn gut 60 Prozent des Umsatzes. „Eine gewisse Abhängigkeit ist das schon“, räumt Sascha ein. „Aber IRON HEART ist ein absolut verlässlicher Partner und hinter den Produkten stehe ich zu 100 Prozent. Ich habe mich ja nicht ohne Grund so stark darauf fokussiert.“

Eigentlich kommt der Ladeninhaber aus einer ganz anderen Ecke. Geboren in Neuwied und aufgewachsen auf der anderen Rheinseite in Andernach, studierte er Business Administration mit dem Schwerpunkt Logistik/Zoll. Tatsächlich arbeitete Sascha eine ganze Weile auch in dem Beruf und bekam zuletzt von der Lufthansa sein Geld. Schon während des Studiums jobbte Sascha in Modeläden und bewegte sich in der Skater- und Snowboard-Szene. Sein Elternhaus, speziell der Vater und der Großvater, prägten die Begeisterung für qualitativ hochwertige Bekleidung. Die Begeisterung hat ihn nicht losgelassen. Inzwischen hat auch Ann-Kathrin ihren Job als Fotografin nahezu aufgegeben und arbeitet im Laden mit. Außerdem hat sie inzwischen ihr eigenes Label TALONMADE BORN IN HAMBURG gegründet, unter dem sie selbst hergestellte Taschen und Accessoires vertreibt.

Preise erklären, nicht entschuldigen

Preislich spielt der Laden schon weiter oben in der Liga als der HSV. Die Jeans von IRON HEART kosten zwischen 269 und 349 Euro im Verkauf. Für ein Hemd aus peruanischer Aspero-Biobaumwolle wandern zwischen 249 und 389 Euro über den Tresen. Dafür halten die Teile dann auch jahrelang. „Ich führe meine Produkte aus Überzeugung“, betont Sascha. „Das kann auch so weit gehen, dass ich im Einzelfall weniger Geld verdiene, aber einfach ein geiles Produkt verkaufen darf.“  Bei White Horse ist das so. Ryan Martin lebt in Colorado, USA. Ryan verkörpert das Stereotyp eines echten Cowboys und näht seine eigenen Jeans. Einen ganzen Tag arbeitet er an einer Hose. „Jede Jeans in unserem Genre ist eine Replika. Die meisten Hersteller orientieren sich an der 501 von Levi’s. Ryan hat sich eine Lee ausgesucht“, berichtet Sascha. Gut 250 Euro zahlt er im Einkauf bei einem Verkaufspreis von 400 Euro. Dabei sind Ryans Hosen nicht die kostspieligsten im Laden, sondern die von Samurai aus Japan. Da kostet eine Hose bis zu 410 Euro. Aber es geht auch noch höher hinaus. Für handgefertigte Stiefel von John Lofgren, einem US-Amerikaner, der seine Schuhe in Japan produzieren lässt, sind bis zu 1.000 Euro fällig.

Sascha hat ein Vorbild, wie ein Laden geführt werden sollte: Kiya Babzani, ein US-Amerikaner mit persischen Wurzeln. Babzani betreibt unter dem Label Self Edge inzwischen Läden in New York, San Francisco, Los Angeles, Portland und einen in Mexiko. „Er ist ein Tophändler und hat mich inspiriert. Wir wollen in jedem Segment, das wir bespielen, das beste Produkt bieten, das auf dem Markt zu haben ist. Das hat seinen Preis. Aber wir entschuldigen uns nicht für die Preise, sondern erklären den Grund dafür. Wir haben vom 20-jährigen Fan, der auf seine Jeans spart, bis zum 80-jährigen Senior, der es sich einfach leisten kann, alles dabei“, berichtet Sascha. „Die Kunden kaufen die Teile, weil sie sie haben wollen, und nicht, weil sie etwas zum Anziehen brauchen. Dann spielt der Preis auch nicht die zentrale Rolle. Abseits davon ist es doch sinnvoller, sich ein, zwei richtig gute Jeans zu kaufen, die man dann auch ein paar Jahre länger tragen kann als Massenware, die nach einem Jahr im Mülleimer landet.“  Dann rentiert es sich auch, die Jeans für 40 bis 60 Euro bei Vater&Sohn reparieren zu lassen.

Fakten

 

Inhaber: Sascha Kampmeyer
Genre: Denim
Gründung: 2013, Umzug Mai 2014
Adresse: Eppendorfer Weg 54, 20259 Hamburg
Öffnungszeiten: Mo.–Fr.: 11–19 Uhr, Sa.: 11–18 Uhr

Internet: www.vaterundsohn-hamburg.com

Marken: 3SIXTEEN, ENZAK DENIM DEVELOPERS, BLACKDAYS CO., BROWN’S BEACH COMPANY, BRÜTTING DIAMOND BRAND, BUTTERO, EAT DUST, FIDELITY, FULLCOUNT, FULLCOUNT, INDIGOFERA, IRON HEART, JACK/KNIFE OUTFITTERS, JOHN LOFGREN, KNICKERBOCKER MFG. CO., LADY WHITE CO., LHN JEWELRY, NEW ENGLAND OUTERWEAR, NINE LIVES,  PAPA NUI, PATAGONIA, PENDLETON WOOLEN MILLS, S. F. K. LEATHER, SAMURAI JEANS, SANTA ROSA, STEVENSON OVERALL CO., STILL LEDERARBEITEN, STUDIO D’ARTISAN, TALON MADE, THE BLACKACRE, THE FLAT HEAD, THE REAL MCCOY’S, TRICKER’S OF ENGLAND, WARPATH LEATHER GOODS, WESCO, WILDWERK