WÖRHL-Vorstand wettert gegen ver.di-Proteste

Kurs halten (Bild: WÖHRL)

Autor: Markus Oess

Der Streit zwischen der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der WÖRHL-Spitze geht in die nächste Runde. ver.di fordert die Anerkennung des Tarifvertrages durch Wöhrl. Nun folgen harsche Worte, mit denen der Vorstand der Rudolf Wöhrl AG auf die heutige Protestaktion der Gewerkschaft reagiert. Die Aktion sei der wiederholte Versuch von ver.di, sich auf Kosten des Unternehmens, das sich im Insolvenzverfahren befindet und dessen Aktivitäten in Kürze durch den Investor Christian Greiner übernommen werden sollen, zu profilieren.

Dr. Christian Gerloff, Restrukturierungsvorstand der Rudolf Wöhrl AG wettert: „Die Proteste kommen zu einer Unzeit. Wir befinden uns kurz vor dem erfolgreichen Abschluss der Sanierung, bei der mehr als 95 Prozent aller Arbeitsplätze der Wöhrl Gruppe erhalten werden können. Dies ist in Insolvenzverfahren alles andere als eine Selbstverständlichkeit. In dieser Situation für einen Tarifvertrag zu demonstrieren und auf Mitgliederfang zu gehen, zeugt von Verantwortungslosigkeit. Der Vorstand hat dafür null Verständnis.“

 Auch Christian Greiner, designierter neuer Eigentümer von WÖHRL schaltet sich ein: „Die Belegschaft von WÖHRL hat in den vergangenen schwierigen Monaten einen fantastischen Job gemacht. Mein Eindruck ist auch, dass der Vorstand während des Insolvenzverfahrens sehr darauf bedacht war, auf die sozialen Belange der Mitarbeiter so weit wie möglich Rücksicht zu nehmen. Unser aller Ziel muss es sein, nach dem Eigentümerwechsel die im Unternehmen vorhandene Aufbruchsstimmung mitzunehmen und zu verstärken. Die heutigen Proteste halte ich dabei für wenig hilfreich und zielführend.“

 ver.di hat die Beschäftigten von WÖHRL zum Streik aufgerufen. Seit Jahren forderten die Beschäftigten den Schutz der Tarifbindung durch Tarifverträge im Einzelhandel. „Die Wöhrl Beschäftigten konnten sich schon in der Vergangenheit auf die Solidarität ihrer, oft langjährigen Kunden verlassen. Denn mit einem Stundenlohn von maximal 12 Euro im Verkauf bei Wöhrl ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld kann sich niemand vor Altersarmut schützen“, sagt Gabriele Ziegler, ver.di-Streikleiterin in Nürnberg. Handelskonzerne dürften nicht länger ihren Beschäftigten den Schutz von existenzsichernden Tarifverträgen verweigern. Die Zukunftssicherung der Beschäftigten dürfe keine Variable mehr in der neuen Wöhrl Unternehmensführung sein. „Tarifverträge sind für die Beschäftigten und die Unternehmen elementar wichtig. Kein Konzern sollte sich Vorteile im Verdrängungswettbewerb schaffen können, in dem er die Beschäftigten umsatzabhängig bezahlt“, fordert Jaana Hampel, ver.di Gewerkschaftssekretärin für den Handel in Mittelfranken.