Schuhandel tritt auf der Stelle

Die Konkurrenz durch vertikal organisierte Bekleidungsfilialisten wie Zara und H&M sowie größere Einzelhäuser und Multilabel-Filialisten wächst. Bild: FT

Die Branche kam in den ersten sieben Monaten dieses Jahres über ein aufgelaufenes Umsatz-Pari nicht hinaus

„Während sich Konsumklima und Realeinkommen in Deutschland auf Wachstumskurs befinden, bewegt sich der Schuheinzelhandel eher seitwärts“, meldet der BDSE Bundesverband des Deutschen Schuheinzelhandels, Köln auf einer Pressekonferenz anlässlich der Premiere der Gallery Shoes in den Düsseldorfern Böhlerwerken. Zwar seien die die Schuhumsätze im ersten Halbjahr um rund ein Prozent leicht gestiegen, allerdings verlief der Juli mit einem Umsatzminus von rund 5 Prozent recht enttäuschend. „Die Branche kam in den ersten sieben Monaten dieses Jahres über ein aufgelaufenes Umsatz-Pari nicht hinaus“, bilanziert der Verband.

Schon seit längerem ist der kleine und mittelständische Schuhhandel aus dem Tritt geraten. Das das aktuelle Jahr gestalte sich durchaus herausfordernd. Bereits im vergangenen Jahr war nur ein mageres Umsatzwachstum von einem Prozent drin. Die Entwicklung war aber 2016 zwischen den Vertriebsformen und Betriebsgrößen teilweise sehr verschieden: Während die Vielzahl der Fachgeschäfte im Durchschnitt rund 2 Prozent unter dem Vorjahresniveau blieben, haben einige Großfilialisten deutlich besser abgeschnitten. Marktführer Deichmann beispielsweise legte im vergangenen Jahr ein Umsatzwachstum von fast sechs Prozent hin.

Mittelständischer Schuhfachhandel nutzt zunehmend Online-Vertriebswege

Dafür hätten sich die langen zweistelligen Zuwachsraten des Online-Handels im Schuhmarkt erheblich abgeschwächt. Nach Verbandsangaben liegt über alle Internet-Vertriebslinien hinweg der Online-Marktanteil bei Schuhen bei knapp 20 Prozent. Inzwischen nutzt auch der mittelständische Schuhfachhandel in wachsendem Umfang den digitalen Vertriebsweg, denn die Digitalisierung biete zugleich auch Chancen für Wachstum. Dabei wird die Ware teilweise in eigenen Internet-Shops angeboten, teilweise zusätzlich oder auch ausschließlich über Online-Marktplätze wie Amazon oder eBay.

Bekleidungsfilialisten bauen Schuhsortimente sukzessive aus

40 Prozent der Schuhfachgeschäfte wollen nach einer BDSE-Umfrage in diesem Jahr in Multichannel-Konzepte investieren. Der Grund ist hinlänglich bekannt: Über 80 Prozent der Schuhgeschäfte berichteten im vergangenen Jahr über sinkende Frequenzen an ihren Standorten. Zudem bereitet dem klassischen Schuhandel die Konkurrenz durch vertikal organisierte Bekleidungsfilialisten wie Zara und H&M sowie größere Einzelhäuser und Multilabel-Filialisten, die ihre Schuhsortimente sukzessive ausbauen, Sorgen. Der Verband betont vor diesem Hintergrund, verstärkt mit seinen Lieferanten kooperieren zu wollen. Neben der nachfrageorientierten Taktung der Lieferrhythmen fordert der Verband die Nachversorgung des Schuhhandels im Saisonverlauf zu verbessern.