Update: Gardeur erhält Massekredite und sucht Geldgeber

GARDEUR-Chef Gerhard Kränzle (©GARDEUR)

Firmenchef Gerhard Kränzle nennt FT Hintergründe der Insolvenz. Bis Ende November soll ein Investor gefunden werden.

„Der Geschäftsbetrieb geht während der Sanierungsphase weiter. Die Mitarbeiter sind mit viel Energie dabei, packen an und wollen den Turnaround. Wir werden das Cash-Problem durch die leistungs- und finanzwirtschaftliche Sanierung im gesteuerten Insolvenzplanverfahren lösen. Ein Massekredit fließt bereits, nämlich der, mit dem die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter bezahlt werden – diese sind abgesichert bis Ende November“, sagt Gardeur-Chef Gerhard Kränzle gegenüber FT. Und es soll weiteres Geld fließen, denn wie Kränzle betont, hat der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Biner Bähr erklärt, dass ein zweiter Massekredit, für das operative Geschäft voraussichtlich in den nächsten Tagen ausgezahlt werden könne. „Dies sind wichtige Voraussetzungen, damit wir schnellstmöglich Ware ausliefern und die Produktion hochfahren können. Parallel läuft die Suche nach einem Investor auf Hochtouren.“ 

Kränzle spricht davon, dass gleich verschiedene Ereignisse über die Mönchengladbacher hereingebrochen waren, die letztlich zur Insolvenz führten. „Wir hatten verschiedene Herausforderungen von Markt- und Finanzierungsseite her. In der Summe waren die Faktoren so groß, dass unsere Liquiditätsreserve nicht ausreichte. Beginnend mit der Wirtschaftskrise in Russland waren wir als Marktführer im Land stark getroffen, dazu kamen Insolvenzen unserer fünf größten Kunden im In- und Ausland, wodurch rund 300 Verkaufsflächen innerhalb einer Saison fast inaktiv waren. Dann waren wir durch bestimmte Umstände gezwungen, unsere Rohware in Tunesien zwischen zu finanzieren – und haben trotz eines rechtsgültigen Vertrags die Kreditsumme nicht erhalten. Dadurch konnten wir keine Stoffe einkaufen, die Produktion nicht auslasten und die Ware nicht auf die Flächen bringen. Die Insolvenz wird nun helfen, das bestehende Cash-Problem zu überwinden und GARDEUR dauerhaft wieder wettbewerbsfähig zu positionieren. Wir werden unseren bereits begonnen Restrukturierungsprozess fortführen und GARDEUR wieder stark aufstellen.“

Der Chef des Hosenspezialisten ist sich sicher, dass er sein Unternehmen auch in die Zukunft geführt werden kann. Allerdings braucht es dafür einen Geldgeber. Wie Kränzle weiter ausführt, soll der schnell gefunden werden. „Dr. Biner Bähr geht davon aus, dass bis zum Ende der vorläufigen Insolvenzphase, also bis Ende November, ein Investor gefunden sein wird. Schon am Tag der Antragseinreichung wurden dazu erste Schritte in die Wege geleitet. Das Unternehmen hat sich durch den markenbasierten Veränderungsprozess der vergangenen sieben Jahren sehr viel erarbeitet: Noch 2010/11 lag das EBITDA bei minus 14 Millionen Euro, zwei Jahre später schon konnten wir zum ersten Mal wieder ein positives Ergebnis vorweisen und das bis September 2016, also vier Jahre in Folge, halten. Wir haben eine hochengagierte Mitarbeiterschaft, die aus voller Überzeugung für ein exzellentes Produkt und damit unsere loyalen Kunden sorgt. Wenn wir das Cash-Problem überwunden haben, steht GARDEUR wieder stark da, davon bin ich überzeugt.“

Unterdessen sei es am wichtigsten, „möglichst schnell möglichst viel Ware auf die Flächen zu bekommen. Durch die gescheiterte Rohwarenfinanzierung in Tunesien sind unsere Flächen im Handel unterversorgt und diese Lücken gilt es nun zu füllen. Mit dem Geld des zweiten Massekredits werden wir fertige Hosen auslösen und die Produktion zügig hochfahren können. Wir tun gleichzeitig viel dafür, das Vertrauen unserer Kunden und Lieferanten wieder zu gewinnen. Wir führen täglich Gespräche und klären sie über die Lage und die weiteren Aussichten auf.“

Gardeur hatte vergangene Woche beim Amtsgericht in Mönchengladbach die Eröffnung von Insolvenzverfahren über das Vermögen der GARDEUR GmbH, der GARDEUR Service GmbH, der GARDEUR Beteiligungs GmbH sowie der CDS Club Du Sport Bekleidung GmbH gestellt. Bemühungen, die Insolvenz doch noch abzuwenden, waren gescheitert. Wie das Unternehmen mitteilte, gingen intensive Verhandlungen im Bankenkreis und mit potenziellen Investoren voraus. „Über die Hintergründe haben wir mit den Beteiligten Stillschweigen vereinbart“, sagt Kränzle.