Zieht Berlin Business?

Ausland

Blick von draußen auf Berlin ©pixabay

Berlin ist ein attraktives Reiseziel für ausländische Touristen, auch wenn der Mauergrusel inzwischen seine kalte Magie verliert. Aber wie wird die Stadt in Ländern als Messe-Destination betrachtet, die selbst mit internationalen Mode-Hotspots aufwarten können? Zumindest die Industrie reist gern zu Spree und Havel. Einschätzungen unserer Korrespondenten in Paris und Mailand.

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French Fokus

Autor: Winfried Rollmann
©Winfried Rollmann

Die Berlin Fashion Week bot auch diese Saison eine lebendige und vielseitige Fashion-Landschaft. War Berlin früher ein Must-have für die französischen Einkäufer, ist die Anziehungskraft heute deutlich geringer. Berlin bietet vieles, aber es ist nicht mehr DER Buzz, der es einmal war. Pointierung und Alleinstellungsmerkmale werden schmerzlich vermisst.

Französische Brands, die in Berlin ausstellten, berichten dennoch positiv. So spricht der französische Jeanser KAPORAL aus Marseille von einer guten Messe und guten Kontakten, auch wenn die Frequenz in der NOVA Halle der PANORAMA als ruhig bezeichnet wurde. Auch LACOSTE ist mit seiner Präsenz in Berlin durchaus zufrieden.

Auf der PREMIUM sehen Brands wie VEJA eine gute Dynamik. Sie begrüßen die starke Basis deutscher, aber auch internationaler Kunden.

Deutsche Hersteller sehen dagegen eine sehr überschaubare Präsenz französischer Einkäufer. Die ziehen ihre Kreise dann doch eher auf der Pitti Uomo in Florenz, in Mailand und Paris oder auf der Revolver in Kopenhagen. Zum Ordern kommen sie dann gezielt zu den Orderplattformen und in die Showrooms der Marken.

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Als eine neue Chance für Berlin wird die dynamische Entwicklung der Ethical Fashion Show und des Greenshowrooms gesehen. Die Frankfurter Messe fasst sie ab Herbst unter Neonyt neu zusammen. Das baskische Brand SKFK fühlt sich dort zum Beispiel perfekt aufgehoben. Hier liegt sicher ein Alleinstellungsmerkmal mit Zugkraft für die Zukunft, das Berlin ausbauen sollte.

Italiens Exportmarkt Nummer eins

Autorin: Angela Cavalca
©Angela Cavalca

Die Berliner Messen stellen für die italienischen Fachleute einen wichtigen Termin zum Vernetzen dar. Das ist eine konkrete Möglichkeit, neue Kontakte mit dem deutschen Markt aufzunehmen und bestehende zu entwickeln. Im europäischen Bereich bleibt Deutschland ein bedeutender und dynamischer Geschäftspartner für Italien. Laut CONFINDUSTRIA MODA– Italiens Verband für Mode, Textil und Accessoires –stand die Republik 2017 umsatzmäßig als Exportland mit einem Plus von 4 Prozent an erster Stelle und als Lieferland mit einem Zuwachs von 4,1 Prozent an vierter Stelle. Im Juli haben mehrere italienische Marken an den verschiedenen Berliner Messen teilgenommen und die Händler konnten die Vielfältigkeit des Angebotes würdigen. Im Schuh- und Accessoires-Segment waren hochwertige Produkte auf der seek zu finden und das Messe-Format wird als einzigartig in Europa anerkannt. Die PREMIUM-Messen werden als bedeutender Treffpunkt betrachtet, es werden neue Kontakte geknüpft, Aufträge geschrieben und die Aussteller wertschätzen das vorwiegend hohe Niveau der Besucher sehr. Einige Marken zeigen schon seit mehreren Jahren ihre Kollektionen und haben ein positives Feedback von den Händlern erhalten. Die italienischen Firmen bieten spezielle Produkte und zusätzliche Kollektionslinien an, die auf dem deutschen Markt noch fehlen. Die Plattform wurde auch für die Präsentation neuer Marken und Linien berücksichtigt. Als spezielles Event wurde das Polo-Happening von LA MARTINA veranstaltet, die die neue FAIR-PLAY-Kapselkollektion für die sportliche Millennials-Generation präsentierten. Auch das zeigt den Stellenwert des Marktes und damit das Potenzial der Stadt als Messestandort.