Brunello und das Material, das ewig lebt

Porträt

Cucinelli gründete die School of Arts and Crafts in seinem Dorf. ©Brunello Cucinelli
Autorin: Nina Peter

Brunello Cucinelli ist Träger des Weltwirtschaftlichen Preises 2017 und einer der reichsten Männer und erfolgreichsten Unternehmer Italiens. Seit 2012 ist seine Firma an der Mailänder Börse und erwirtschaftet circa 400 Millionen Euro pro Jahr. Der Unternehmer selbst hat 1978 seine Firma mit dem Vorsatz, hochwertige Kaschmirpullover zu stricken, gegründet, der Durchbruch gelang ihm in den 1980er-Jahren mit dem Besuch der Münchener Modemesse. Noch heute erzielt das Unternehmen 80 Prozent der Umsätze im Ausland, ist mit rund 100 Boutiquen in 60 Ländern vertreten und bestückt etwa 700 Multibrand Stores weltweit.

Die Region, in der auch das Unternehmen selbst angesiedelt ist, ist ohnehin traditionell verbunden mit der Kaschmirverarbeitung, und in den Familienbetrieben, von denen Brunello Cucinelli rund 1.000 beschäftigt, ist das Know-how traditionell verankert. Statt in Fernost produziert er daher zu 100 Prozent in Italien, auch wenn er seine Kaschmirwolle aus der Mongolei bezieht. Er verarbeitet heute nicht mehr nur Kaschmir, dennoch kommt der Handwerkskunst und der Qualität eine sehr hohe Bedeutung zu, die auch den Preis von rund 1.000 Euro pro Pullover rechtfertigen muss. Das Wissen der Mitarbeiter ist daher aus unternehmerischer Sicht mehr wert als die Maschinen, denn die Fachkräfte, die die Fähigkeiten mitbringen, ein solches Produkt mit Kreativität und Know-how herzustellen und zu verarbeiten, sind nicht einfach zu finden. Diese zu halten, in seinem Falle dann schon, denn Cucinelli zahlt rund 20 Prozent mehr Lohn, als in der Branche üblich ist, und legt großen Wert auf Menschlichkeit, faire Arbeitsbedingungen und einen respektvollen, sozialen Umgang miteinander.

Sein Rezept ist es, Handwerk und Handarbeit sowie traditionelle Techniken mit Industrie und Innovation zu kombinieren. Für die Verarbeitung von Kaschmir hat sich der Italiener aus Überzeugung entschieden, denn für ihn gilt das Material als unverwüstbar und überdauert bei richtiger Pflege sogar Jahrzehnte. Man wird es niemals wegwerfen, sondern eher der nachfolgenden Generation vermachen. Dieses Prinzip scheint für ihn eine Lebensphilosophie zu sein, denn etwas Bleibendes zu schaffen und Altes zu erhalten, um es für die heutige Zeit wieder attraktiv zu machen, zieht sich wie ein roter Faden durch sein Handeln.

In seinen Kollektionen und mit seinen Stricktechniken gibt der Unternehmer Kaschmir ein neues und zeitgemäßes Äußeres. Die Wahrung von überlieferten italienischen Handwerkstechniken, die sonst nicht weitervererbt und gelehrt werden würden, hat ihn ebenfalls zur Gründung der School of Arts and Crafts in seinem Dorf Solomeo motiviert. Dort hauchen junge Kreative diesen Fertigkeiten mit der Unterstützung zeitgemäßer Technologien neues Leben ein. Unter anderem werden dort Stricktechniken und das Schneiderhandwerk gelehrt – immer mit einem Schwerpunkt auf Kreativität.

Brunello Cucinelli selbst setzt sich neben der Entwicklung seines Firmendorfes Solomeo auch für die Umwelt ein und investiert in eine Stiftung, die sich ganz der Nachhaltigkeit verschrieben hat.