Hamburger Herzblut

Store Check

Neben handverlesenen Styles findet man hier Spirituosen, Bücher und so einiges aus der eigenen Werkstatt. (alle Bilder ©Adler)

Autor: Andreas Grüter

Mit ADLER Altona hat der gebürtige Bremer und passionierte Wahlhamburger Christian Adler ein Refugium für das Schöne und Wertige geschaffen. Dabei ist es eher dem Zufall geschuldet, dass der 46-Jährige im Modeeinzelhandel landete.

Grobe Holzbohlen als Regale, Kleiderstangen im roughen Industriedesign und mal hell verputzte, mal heruntergestrippte Wände. Dazu ein schlichter Holzboden, eine kleine Schaufensterfront und ein charakterstarkes Logo – wer verspielten Schnickschnack sucht, ist bei ADLER Altona an der falschen Adresse. Das gilt auch für das Sortiment. Neben handverlesenen Styles von unter anderem HOMECORE, Blue de Gênes, seldom, ANDERSEN-ANDERSEN, SEIL MARSCHALL, VEJA, A.D.DEERTZ und dem Jerseyspezialisten Stefan Brandt findet man hier auch ausgewählte Spirituosen, Bücher und so einiges aus der eigenen Werkstatt. Aber der Reihe nach …

FT: Du hast im IT-Vertrieb gearbeitet, BWL studiert und warst als Fahrer der Universitätspräsidentin unterwegs. Wie kamst du ausgerechnet zur Mode?
Christian Adler: „Ich hatte meinen Job, wollte aber immer etwas Eigenes machen. Ein Café zu eröffnen, war beispielsweise eine der Optionen, mit denen ich liebäugelte; den Vertrieb für ein skandinavisches Bioeis zu übernehmen, eine andere. Irgendwann habe ich bei einem Kaffee alle meine Ideen aufgeschrieben und unterm Strich kam halt ein Geschäft für Bekleidung heraus. Klamotten fand ich immer interessant. Hochwertige Casualwear erst recht. Ich half eine Weile einem Bekannten in seinem Laden für Vintage-Industriedesign und führte dort Raw Denims ein, weil die stilistisch so gut zu den Möbeln passten. Sprich: Ich hatte schon vorher einige Berührungspunkte mit der Branche.“

Dabei war es selbst im noch nicht zur Gänze durchgentrifizierten ehemaligen Arbeiterstadtteil Altona eher schwer, ein Ladenlokal zu finden. Mal waren es horrende Mietpreise, mal schlicht das falsche Objekt, die den Start verzögerten. Das 60 Quadratmeter große Altbau-Ladenlokal war dann schließlich ein echter Glücksgriff. Nach einer kurzen Umbauphase wurde ADLER Altona im September 2012 eröffnet.

 Mittlerweile gibt es zum Shop auch das eigene Label …
„Ja, eine kleine Linie mit Strickpullovern, die in Stade produziert werden, und Hemden, Hosen, Westen, Sakkos und Jacken, die in Zusammenarbeit mit dem Berliner Label A.D.DEERTZ entstanden sind. Es gab auch eine Kollaboration mit den britischen Sneaker-Experten von WALSH und darüber hinaus lasse ich Ledergürtel, Portemonnaies und Uhrenarmbänder bei einem lokalen Sattler herstellen. Ach ja, und eine Kleinstserie handgearbeiteter und bemalter Baseballschläger aus Esche gab es auch noch.“

Der Shop als Mikrokosmos und Experimentierfeld, um Neues auszuprobieren oder Dinge umzusetzen, die man immer schon einmal machen wollte. Doch in Sachen Eigenwerbung kleckert Christian Adler eher, als dass er klotzt.

Auf deiner Website und in den sozialen Medien hältst du dich mit Neuigkeiten um Laden und Label auffallend zurück. Warum?
„Abgesehen davon, dass ich diesen ganzen Kram als One-Man-Show mit hohem Anspruch an die richtige Präsentation überhaupt nicht stemmen kann und auch kein Freund der lauten Werbetrommel bin, mag ich die Idee, dass ADLER Altona wie ein Schatzkästchen entdeckt werden muss. Man stolpert über den Namen, wird neugierig. Ein Freund erzählt von seinem ADLER-Lieblingspulli und irgendwann steht sein Kumpel dann auch bei mir im Laden. Ich fahre mit meiner Zurückhaltung eigentlich ganz gut.“