Ziemlich schicke Autos

bugatti

Von Pergine aus werden rund 700 Händler in Italien betreut. ©bugatti

Autor: Markus Oess

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Kinder, wie die Zeit vergeht! Mehr als ein halbes Jahrhundert ist es her, als die heutige Herforder Brinkmann-Gruppe in dem italienischen Pergine einen Produktionsbetrieb eröffnete. Heute wird dort seit Jahren nicht mehr produziert, aber dafür ist bugatti Srl die Schaltzentrale für den größten ausländischen Markt der Herforder. Inzwischen hätten auch die italienischen Männer bugatti als Lifestyle-Marke für sich entdeckt, sagt Srl-Geschäftsführer Claudio Margoni. Lifestyle aus Germania? Läuft.

1963 lief Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ in den Kinos der USA an. 1963 stellte Porsche auch seinen 911er der Öffentlichkeit vor. Im selben Jahr gründete die Firma Brinkmann ihre italienische Tochterfirma in Pergine (später bugatti Srl) wenige Autominuten von Trient entfernt. Damals noch war die italienische Dependance als Produktionsbetrieb gedacht. Mitte der 70er-Jahre startete man auch mit dem Verkauf. 150 Menschen arbeiteten in der Fertigung. Im Jahr 2002 wurde die Herstellung von Textilien zwar aufgegeben, aber von Pergine aus werden heute rund 700 Händler in Italien betreut. Das Land zählt noch viele kleine Händler, die Läden mit Flächen von 100 Quadratmetern und weniger betreiben. Bei La RINASCENTE und coin ist bugatti nicht gelistet. Aber in den 30 Flächen von SORELLE RAMONDA und den 12 Häusern von MAGAZZINI NICO. „Um die vielen kleineren Händler zu betreuen, unterhalten wir auch zehn Showrooms und arbeiten mit einem Team von zwölf Handelsvertretern“, sagt Srl-Geschäftsführer Claudio Margoni. Der Mann ist das Gesicht der Firma, er hat sie im Laufe der Jahrzehnte mit aufgebaut. Italien ist noch vor Österreich, Benelux und Russland/GUS der größte Exportmarkt der Brinkmann-Marke.

Margoni hat bei den Kollektionen ein Wort mitzusprechen. Für den italienischen Markt werden immer noch spezielle Schnitte, Formen und Farben aufgenommen. Allerdings, sagt Margoni, sei der Anteil mit der Internationalisierung der Marke und der Sortimente doch deutlich zurückgegangen.

Strategiewechsel

„Schätze, zwei Dritteln der Italiener ist bugatti inzwischen ein Begriff.“

Die Finanzkrise 2010 ist an Italien bekanntlich nicht spurlos vorbeigegangen. Der Konsum trübte sich ein und Händler wurden schwach auf der Brust. Statt neuer Kleidung hatten plötzlich Grundbedürfnisse Vorrang – auch in dem modebewussten Italien. „Also haben wir uns auf unsere Stärken besonnen“, sagt Margoni. „Wir haben uns auf das Wachstum mit unseren Bestandskunden fokussiert.“ Mit Erfolg, wie der italienische Manager betont. bugatti lege immer noch über die letzten Jahre kontinuierlich zu. Inzwischen hätten auch die italienischen Männer bugatti als Lifestyle-Marke für sich entdeckt. Heute bestückt bugatti in Bella Italia von Pergine aus immerhin 62 Shop-in-Shops. Und es sollen mehr werden, sagt Margoni.

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Abseits des digitalen Marketings, das Marketing-Chef Stephan Horst vom
Headquarter in Herford auch für die internationalen Märkte steuert, setzt Margoni darauf, bugatti in der kompletten Markenwelt am PoS sichtbar zu machen: Mantel, Sakko, Hose, Strick, Wirk und Hemd. Dazu kommen auch Lizenzprodukte. Die Schuhe werden allerdings separat vom Lizenznehmer vertrieben. „Ich schätze, zwei Dritteln der Italiener ist bugatti inzwischen ein Begriff. Wir stehen für ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Topqualität“, meint Margoni, „besonders die Jacken, Sakkos und Hosen werden gern gekauft.“

Noch lange nicht am Ende

Der Manager verortet seine Marke auf dem italienischen Markt irgendwo zwischen PAUL & SHARK, TOMMY HILFIGER und BOSS. Die gleiche Qualität, aber preislich nicht so abgehoben, betont er. „Es macht mich auch etwas stolz, dass es uns auch hier in Italien gelungen ist, bugatti zu einer echten Lifestyle-Marke zu machen, und wir sind noch lange nicht am Ende“, unterstreicht Margoni. Der italienische Markt verliert, das weiß auch er. „Wenn wir in diesem Jahr ein Miniwachstum erzielen oder unseren Umsatz halten können“, sagt er, „dann haben wir schon einiges erreicht und können zwangsläufig auch unseren Marktanteil ausbauen. Eine gute Ausgangslage, wenn der Markt wieder anziehen sollte.“

Wie Volkswagen

Langjährige Geschäftsbeziehungen: Gabriele Mela (li.) und Claudio Margoni ©FT

Gabriele Mela hat seinen Laden vom Vater übernommen. Er betreibt in dem 20.000-Seelen-Städtchen San Pietro di Legnago ein Modehaus mit einer Verkaufsfläche von rund 8.000 Quadratmetern, ein für italienische Verhältnisse großes Haus: Womens- und Menswear, Kindermode und Heimtextilien. Mela beschäftigt rund 50 Mitarbeiter. Die 200 Marken, die sein Laden, PUNTU BLU, führt, sind allesamt im mittleren und oberen Preissegment angesiedelt. Das Unternehmen kauft seit 30 Jahren bei den Herfordern ein. Anfangs waren es nur Loden- und Wollmäntel. Schnell kamen Jacken dazu. Inzwischen führt Mela die gesamte bugatti-Welt. „Meine Kunden schätzen bugatti als zuverlässiges Produkt“, sagt er. Gut 2 Prozent Umsatzanteil hat die Marke bei ihm. Und so langsam sei es allen seinen Kunden klar, dass bugatti so deutsch ist wie der VW, den sie fahren. Und Volkswagen baue inzwischen nicht nur zuverlässige, sondern auch ziemlich schicke Autos. Der Laden läuft gut. „Im vergangenen Jahr konnten wir den Umsatz um 15 Prozent steigern. Also werden wir mehr ordern, auch bei bugatti.“ Margoni hört das gerne. Er quittiert den Satz mit einem Lächeln.