Faszination Denim

Storeszene

Zwischen Kult und Konsum ©pixabay
Autor: Thomas Henkelmann

Für den einen ist die Jeans nur ein beliebter, vor allem aber bequemer Modeklassiker. Für andere hingegen sind Denims eine Wissenschaft für sich, ja geradezu eine Weltanschauung. Der stationäre Handel liefert diesen Objekten der Begierde die perfekte Bühne.

RIVET AND HIDE (London)

Nostalgisches in zeitgemäßer Interpretation ©RIVET AND HIDE

Eine Passion kann das ganze Leben verändern – so ist es Danny Hodgson ergangen. Auf seinen beruflichen Reisen nach Japan und Amerika entdeckte er Jeans von außergewöhnlicher Qualität und beeindruckendem Stil. Er beschäftigte sich intensiv mit Selvedge Denims, die auf altmodischen Schützenwebstühlen in Japan hergestellt werden, lernte, feine Unterschiede zu erkennen, und beschloss, damit zu handeln. 2012 kündigte er seinen Job und gründete einen eigenen Online-Store, der kurzerhand in einer Ecke seines Apartments eingerichtet wurde. Jedoch war ihm diese Art des Verkaufens viel zu anonym und der Wunsch reifte heran, einen Laden zu eröffnen, um mit der Klientel direkt ins Gespräch zu kommen und diese individuell beraten zu können. Im April 2014 war es dann so weit. Der coole Store in Fitzrovia, einem nördlich von Soho gelegenen Stadtteil Londons, öffnete die Pforten. Er offeriert nur Brands aus Japan, England und Amerika, mit einer Ausnahme: Die Marke INDIGOFERA aus Schweden ist wegen des hohen Innovationspotenzials und der tollen Qualität ebenfalls mit von der Partie. Raw Selvedge Denim und Casual Wear stehen bis heute im Zentrum des Interesses. RIVET AND HIDE bietet der Klientel die Möglichkeit, nur aus den besten Marken auszuwählen. Dies gilt nicht nur für die Denims, auch Schuhe, Hemden, Jacken, Boots, Brieftaschen, Sonnenbrillen und vieles mehr stehen für höchste Qualität und handwerkliches Können. Inspiration für das Sortiment liefern die amerikanischen Klassiker, die entweder nahezu authentisch oder als zeitgemäße Interpretation in jeder Saison überzeugen. Hodgson steht voll hinter seinen Produkten. „Der enge Kontakt zu den Brands ist wichtig. Ich besuche sogar deren Webereien und spezialisierte Handwerksbetriebe, die bei der Herstellung involviert sind. So fällt es leichter, den Endverbraucher über alle Besonderheiten der Produkte aufzuklären. Unterschiedliche Färbeverfahren, schadstofffreie Rohstoffe – das ganze Drumherum muss in der Regel näher erläutert werden. All das ermöglicht es RIVET AND HIDE zusätzlich, spannende Kollaborationsprojekte mit diesen Brands in die Tat umzusetzen“, berichtet der Inhaber voller Stolz. Nicht nur jeder Artikel im Store hat eine besondere Geschichte zu erzählen, auch die Einrichtung wurde mit viel Liebe zum Detail konzipiert. Für den schönen Boden verwendete man beispielsweise ausrangierte Hölzer, die teilweise bis zu 100 Jahre alt sind. Die Regalböden sind ebenfalls aus alten Eichenbrettern, die Jahrzehnte an den Stränden von East Sussex in Form von Barrieren der Küstenerosion entgegenwirkten. Da sie ständig den Wellen und der Witterung ausgesetzt waren, zeigen sie einzigartige Spuren und viel Patina. Sie ruhen wiederum auf massiven Stahlstützen und bieten genügend Platz für Accessoires wie Baseballcaps oder derbe Boots. Die 5 Millimeter dicken Stahlbügel und Kleiderstangen mit Antik-Finish wurden ebenfalls für den Laden maßgefertigt. Genau wie die Vitrine, in der ein großer Teil der Accessoires ausgestellt wird.
Rivet and Hide, 5 Windmill Street, London W1T 2JA, www.rivetandhide.com

Blue In Green (New York City)

Japanische Raw Denims in großer Auswahl ©Blue In Green

The best of the best – so lautet das Credo in diesem Laden, der die größte Auswahl an japanischen Raw Denims in den USA hat. Es ist vor allem die riesige Denimwand, die beim Betreten der Räumlichkeiten sofort ins Auge springt. Beeindruckend, wie viele Brands mit jeweils unterschiedlichen Passformen es hier gibt, die alle fein säuberlich gestapelt bis unter die Decke in dem Regal untergebracht wurden. Ein weiterer Eyecatcher ist die große indigogefärbte US-Flagge, die in der Mitte des Raumes von der Decke hängt. Im Aufgangsbereich zur oberen Etage gibt es erfreulicherweise große Fenster, die natürliches Licht spenden. Ansonsten dominieren bei der Einrichtung Podeste und Tische aus massivem Holz, freigelegtes Mauerwerk, Sessel aus den Fifties und überall sattes Grün, dank der zahlreichen Pflanzen. Blue In Green bietet sowohl bekannte Marken als auch absolute Nischenprodukte. Die beachtliche Sortimentstiefe gilt jedoch nicht nur für die Jeans, auch der Rest, unterteilt in Accessoires, Outdoor-Bekleidung, Casual Wear, Schuhe, Einrichtungsgegenstände, Schmuck und vieles mehr, hat seinen besonderen Reiz. Ein Glück, dass bei dieser Warenfülle der Store sehr übersichtlich gestaltet wurde. Das eher puristisch angehauchte Interieur zeigt wohldosiert stilistische Anklänge an die gute alte Zeit und reflektiert somit den Stil der 40er-, 50er- und 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts. Das großzügige Platzangebot sorgt für eine relaxte Atmosphäre, nichts wirkt überladen oder beklemmend – wie dies in vielen gewöhnlichen Denim-Stores häufig der Fall ist. Man hat richtig Lust, das Sortiment genauer zu erkunden. Entdecken kann man zum Beispiel japanische Modemagazine für Männer. Solche, die von vielen als unentbehrliche Stil-Bibeln verehrt werden. Vollgepackt mit Infos zu neuen Trends und heißen Brands, liefern sie darüber hinaus jede Menge brauchbare Styling-Tipps. Im Allgemeinen ist der japanische Blick auf die Menswear schon ein anderer: tragbar, lässig, raffiniert – dabei aber nie gekünstelt. Genau das, was Männer schätzen. Übrigens: BIG wurde in New York City rasch zum neuen Mekka in puncto Denim. Auch wenn er größtenteils als reiner Denim-Store wahrgenommen wird, hat er doch noch viel Mode zu bieten, bestehend aus Luxus-Sweatern, Military-Jacken, Hoodies, Freizeithemden sowie edlen T-Shirts. Das Portfolio wird von Eternal, LOOP & WEFT, KAPITAL, BROWN’S BEACH, MOMOTARO JEANS, Full House und STUDIO D’ARTISAN angeführt. Gordon Heffner und Yuji Fukushima sind die Inhaber dieses Shopping-Highlights, das 2006 an den Start ging. Auch sie wurden in den Nullerjahren vom Hype um die Selvedge Denims angesteckt. Seither verfolgen sie aber zusätzlich das Ziel, das eigene Blue-In-Green-Label weiter auszubauen.
Blue In Green, 8 Greene Street, New York, NY 10013, www.blueingreensoho.com

Self Edge (Portland)

Die ganze Aufmerksamkeit gilt den Produkten ©Self Edge

Das Jahr 2006 steht im Denim-Sektor für Aufbruchstimmung. Auch Self Edge startete genau zu der Zeit mit einem Store in San Francisco. Mittlerweile gibt es weitere in New York, Los Angeles, Portland und schließlich den jüngsten in San José del Cabo, Mexiko. Kiya und Demitra Babzani teilen ihre Leidenschaft für klassische Jeans und den Einsatz alter, handwerklicher Techniken. Stundenlang können sie über schonend gefärbte Köpergewebe, wiederbelebte Webstühle aus dem 19. Jahrhundert und Detailverliebtheit im Design philosophieren. Die besten Brands sind in ihren Filialen vertreten. Das Ehepaar und Inhaberduo hat dieses kleine Imperium aufgebaut, um ihre Passion mit anderen zu teilen. So ganz nebenbei haben sie eine große Fangemeinde herangezüchtet. Self Edge ist Denim-Enthusiasten weltweit ein Begriff. Dabei begann alles mit einer Geschäftsreise im Auftrag der Eltern nach Hongkong. Seinerzeit entdeckte Kiya Babzani eine Reihe japanischer Denim-Brands, die auf dem amerikanischen Markt nicht präsent waren. Er war total fasziniert von der bemerkenswerten Qualität und Authentizität bezüglich der stilistischen Ausprägungen. Unverzüglich begann er, Modelle verschiedener Hersteller zu sammeln. Die anfängliche Begeisterung für diese Produkte schlug schnell in Obsession um. Als Self Edge 2006 in San Francisco japanischen Raw Denim einführte, wurde ein riesiges Interesse an Premium-Marken dieser Sparte ausgelöst. Das war revolutionär. Seither befinden sich Kiya und Demitra auf einer Mission, nämlich weitere Läden in spannenden Städten zu platzieren. Zu den Webereien, Fabriken, den Designern und Produktmanagern ihrer Lieblingsmarken pflegen sie übrigens regelmäßigen Kontakt. Logisch, dass sie so immer tiefer in die Welt der indigogefärbten Luxusprodukte eintauchen. Sie wollen helfen, diese Marken zu erhalten – und das ohne Kompromisse. Self Edge hat natürlich für viele Brands exklusives Verkaufsrecht in den USA. Um einen rundum perfekten Service zu bieten, wird das Verkaufspersonal durch häufige Schulungen immer auf den neuesten Stand gebracht und kann deshalb sehr kompetent beraten. Auf die eigenen Linien des Hauses, beispielsweise T-Shirts, Hoodies, Hemden, und die eigene Schmucklinie, die alle im Laufe der Jahre hinzugekommen sind, ist man besonders stolz, denn sie runden die Warenwelt perfekt ab.
Self Edge, 1022 W Burnside St #J, Portland, OR 97209, www.selfedge.com