„Hier riecht nichts nach Chemie“

STORE CHECK

HUBERT & THERESE – Nachhaltig von der Socke bis zur Unterhose (alle Bilder ©FT)

Autorin: Nina Peter

Ein halbes Jahr ist Ralf Rossbruch quer durch Deutschland gereist und hat nachhaltige Stores unter die Lupe genommen. Danach war ihm ziemlich klar, wie sein eigener Laden – HUBERT & THERESE – definitiv nicht wirken sollte: „Bloß nicht eng, Holz und dunkel.“ Das ist ihm gelungen.

Im Oktober 2018 hat Inhaber Ralf Rossbruch HUBERT & THERESE eröffnet

Hohe Decken und stuckverzierte Säulen schmücken das helle, stilvolle Haus von 1898, in dem „früher die kreuzerische Buchhandlung war, deshalb sind dort oben noch alte Galerien, an denen Rollleitern angelehnt waren.“ Die 115 Quadratmeter große Fläche ist ein liebevoll abgestimmtes Ensemble aus erzählten Geschichten – „Der Tisch hier ist ein Flugkoffer, den hat meine Mitstreiterin früher mal von einem Fotoshooting aus Südafrika mitgebracht, die Spindschränke sind aus den Niederlanden, die Tische aus einer Blumenhandlung in Aachen, die geschlossen hat. Und diese Teile dort haben wir aus der ehemaligen Sportarena in Bonn.“ Einige Holzbügel ziert das Logo LUST FOR LIFE – ein Schriftzug, der sicherlich bei dem ein oder anderen Aachener noch Wehmut hervorruft. 18 Jahre war Ralf Rossbruch als Einkäufer für das ehemalige modisch anspruchsvolle Trendkaufhaus in der Komphausbadstraße tätig und hat dort bereits 2013 in seiner Abteilung erstmalig einen Corner mit nachhaltigen Modelabels ins Leben gerufen. Die Überzeugung hat sich gehalten und der Gedanke Früchte getragen.

Der Schriftzug wurde von einem Professor für visuelle Kommunikation gestaltet

Im Oktober 2018 hat er dann mit HUBERT & THERESE seinen eigenen – und auch für Aachen einzigartigen – Store für nachhaltige Herren- und Frauenmode in der Kaiserstadt eröffnet. Woher der Name kommt? Das ist eine längere Geschichte, bei der man ins Plaudern und zum Lachen kommt. Aber das darf man hier ruhig. Gerne auch bei einem Tässchen Kaffee auf den gemütlichen Sesseln der Ruhezone.

Ökologisch, sozial und ökonomisch

Natürlich Kork

Fair Organic heißt nicht, sich „in Sack und Asche“ zu kleiden – GREENBOMB, ARMEDANGELS, KnowledgeCotton Apparel, Kings Of Indigo und wunder[werk] sind nur einige der kreativen Labels, die allein das trendig-urbane Modeangebot für Herren ausmachen. Rossbruch setzt auf einen Mix aus großen und kleinen Marken, zu denen er selbst ein gutes und auch persönliches Verhältnis pflegt. Immer wieder begibt er sich auf die Suche nach neuen Ideen und Brands, die allerdings seinen Kriterien „ökologisch, sozial und ökonomisch“ gerecht werden müssen. „Kleine Labels haben nicht von Anfang an alle Zertifizierungen – das kostet und dauert auch erst einmal.“ Das ist für ihn zunächst kein Ausschlusskriterium, wenn ihn das Produkt und die Macher selbst überzeugen. Dass Qualität und Design bei ihm stimmen, merkt man spätestens, wenn man sich den Pima Cotton und die Pullover aus 100 Prozent Wolle des Münchener Labels PHIL & LUI regelrecht durch die Finger gleiten lässt.

Die Nachfrage nach fairem Denim ist groß.

Diese Teile liegen dann natürlich auch preislich im Premiumbereich. Socken, Wäsche – „Ich hätte ja anfangs nie gedacht, dass eine Nachfrage nach Herrenunterwäsche besteht“ – und Accessoires wie Sonnenbrillen, Gürtel und vegane Sneaker des kleinen, in Portugal produzierenden Labels be free runden das Sortiment ab. „Auf Denim lag zunächst nicht mein Fokus, aber die Nachfrage ist durchaus groß.“ Auch da kann er mit qualitativ hochwertigen Modellen, tollen Haptiken, guten Passformen sowie ausgewählten Designs punkten.

Service vor Ort

Die Kunden kommen gezielt und auch in der kurzen Zeit hat HUBERT & THERESE bereits Stammkunden gewinnen können. „Viele sind froh, dass sie jetzt nicht mehr nach Köln oder Düsseldorf fahren oder online bestellen müssen.“ Im Online-Geschäft sieht der Aachener für sich und seinen Laden übrigens keine Notwendigkeit. „Ich biete meinen Kunden den Service vor Ort und die Kunden fühlen sich wohl hier.“ Das Gefühl vermittelt er auch. Je nach Bedarf und Wunsch bestellt er für seine Kunden Basics direkt im B2B Shop mit – „Ich bekomme das Paket sowieso, dann müssen nicht unnötig welche hin und her geschickt werden und wenn die Sachen den Kunden dann nicht passen, hänge ich sie in den Laden.“ So pflegt er das gute Verhältnis zu seinen durchschnittlich zwischen 25 und 44 Jahre altenKunden.
Und die Zukunft? Finetuning und an den Stellschrauben drehen, um Lücken im Sortiment zu stopfen und damit das Angebot zu optimieren. Ab Februar kommt ein weiterer Sneaker-Lieferant dazu und die Marke Bamboo Belgium soll künftig die Nachfrage nach stylishen Shirts in Anschlussgrößen stillen.
„Das ist mein Laden, den liebe ich über alles, hier riecht nichts nach Chemie“, erklärt der sympathische Ladeninhaber lachend – deswegen trifft man ihn zumeist auch dort an, denn hauptsächlich vor Ort zu sein, entspricht seiner Vorstellung, einen eigenen Store zu führen. Montags bis samstags von 10 bis 19 Uhr ist HUBERT & THERESE in der Elisabethstraße 4 geöffnet – mit News und Co versorgt Ralf Rossbruch seine Kunden über seinen Instagram-Account @hubertundtherese.

  • Aus alten Leinentüchern neu designed