Football and Fashion

Sport

Weltmeister Lukas Podolski bastelt an einem zweiten Standbein: Der Starfußballer präsentierte im Frühjahr seine erste Kollabo mit Aldi Süd, die Textilkollektion 10LP. ©ALDI SÜD
Autorin: Katja Vaders

Es ist nichts Neues, dass Prominente bisweilen zu Designern avancieren. Darunter sind auch immer wieder Fußballer, die ihr modisches Know-how oder zumindest ihren guten Namen Textilkollektionen zur Verfügung stellen. Wie kam es eigentlich dazu, dass Kicker zu Stilikonen wurden?

Angefangen hat das alles vermutlich mit der irischen Fußballlegende George Best. Er galt als der erste Spieler überhaupt, der den seinerzeit eher noch proletarisch anmutenden Sport in den 1970er-Jahren auf eine neue Ebene hob. „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst“, so eines seiner legendärsten Zitate. „El Beatle“, wie George Best von seinen portugiesischen Fans genannt wurde, wird schnell auch außerhalb des Spielfelds als Superstar gehandelt. Sein gutes Aussehen, sein Showtalent und seine Skandale füllen die Seiten der Klatschpresse, er moderiert englische Musiksendungen wie Top of the Pops, unterschreibt gleich mehrere Modelverträge und investiert einen Haufen Geld in Modeboutiquen.

Ikonen der 70er

Auch deutsche Starfußballer der 1970er-Jahre erlangen umfassende mediale Aufmerksamkeit. Günter Netzer beispielsweise wird zu seiner Zeit als Stilikone gehandelt: Er trägt das Haar im Gegensatz zu den damaligen Gepflogenheiten lang, heiratet ein Fotomodell und lässt sich mit seinem Ferrari ablichten. Netzers auf den ersten Blick erheblich biedererer Kollege „Kaiser“ Franz Beckenbauer gilt in gewissen Kreisen ebenfalls als Trendsetter. Der Weltmeister ändert Ende der 1970er-Jahre mit seinem Wechsel zu New York Cosmos nicht nur den Klub, sondern auch sein Image. Schnell ist Beckenbauer in illustren Kreisen des Big Apple unterwegs, geht mit Rudolf Nurejew in die Oper, wird auf Spaziergängen mit Filmstar Robert Redford im Central Park oder beim Tanzen mit Mick Jagger im legendären Nachtklub Studio 54 gesichtet und Pop-Artist Andy Warhol höchstpersönlich fertigt ein Porträt des Fußballers an. adidas setzt dem Jahrhundertspieler anlässlich seines 70. Geburtstags mit der Kollektion „Originals X Beckenbauer Pack“ schließlich ein Denkmal. Inspirieren lassen sich die Herzogenauracher dabei von Beckenbauers wichtigsten sportlichen und persönlichen Lebensstationen und bilden seine Zeit bei FC Bayern München, New York Cosmos und der deutschen Fußballnationalmannschaft in Apparel, Footwear und Accessoires ab.

Ära Beckham

Die 1990er-Jahre sind im Fußball definitiv das Jahrzehnt des Briten David Beckham, der mit seinem rundum adretten Auftreten einen völlig neuen Begriff prägt: Metrosexualität. Sein ganz spezieller Look findet schnell Nachahmer – und das nicht nur im Fußball. Plötzlich tragen Spieler keinen Vokuhila mehr, sondern lassen sich großflächig tätowieren und zeigen, wann immer möglich, ihren Sixpack. Beckham, verheiratet mit dem ehemaligen Spice Girl „Posh“ Victoria, die selbst nicht nur Fashion Victim, sondern inzwischen auch erfolgreiche Modedesignerin ist, besticht schon zu Beginn seiner Karriere mit stets schicker, modischer Kleidung. Dazu kommen sein insgesamt für viele Männer damals noch ungewöhnlich gepflegtes Äußeres und sein Signature-Haarschnitt, der in die Annalen der Modegeschichte eingeht: Beckhams ganz spezieller Undercut, sozusagen die Lightversion eines Irokesen, ist bald auf den Köpfen einer gefühlt ganzen Generation von Männern zu sehen. Dazu zupft sich Beckham die Augenbrauen, entfernt auch sonst großflächig überflüssige Körperbehaarung und zeigt sein stets gut eingecremtes Gesicht als Model für verschiedene Kosmetikprodukte und Modeunternehmen. Metrosexuell eben. Übrigens gilt „Becks“ bis heute als einer der stylishsten Männer der Welt.

Dass Fußballstars modisch Trends setzen, ist heutzutage keine Seltenheit mehr – schließlich müssen sie ihre Instagram-Follower bedienen und ihr Image als Stil- und Werbeikone pflegen. Einige der berühmtesten Kicker verdingen sich inzwischen sogar selbst in der Mode- und Kosmetikbranche. Ein Pionier war in diesem Zusammenhang Schwedens Superstar Zlatan Ibrahimović, der seine eigene Sportswear-Produktlinie „A-Z“ herausbrachte, die allerdings vor zwei Jahren eingestellt wurde; seine Parfumlinie Zlatan ist bis heute erhältlich, seine Duftwässerchen sind zum Beispiel bei amazon für schlanke 25 Euro pro 50 Milliliter erhältlich. Sein Kollege, der deutsche Nationalspieler Jérôme Boateng, machte seine Sehschwäche zum Geschäftsmodell und vertreibt erfolgreich Brillenkollektionen. Während die Gehversuche seines DFB-11-Buddys Marco Reus in der Modebranche mit seinem Label „purSuit“ nur von kurzer Dauer waren, sind die Bemühungen von Weltfußballer Cristiano Ronaldo, seine Unterwäschekollektion CR7 an den Mann zu bringen, von mehr Erfolg gekrönt. Die kunterbunten Herrenschlüpfer des Portugiesen werden bei diversen Online-Stores von ABOUT YOU bis zalando vertrieben.

Pass Podolski auf Aldi

Auch Lukas „Poldi“ Podolski, mehr als anderthalb Dekaden lang so etwas wie das Maskottchen der deutschen Nationalelf, versteht etwas von seinem Geschäft. Der sympathische Rheinländer ist bereits seit einigen Jahren sehr umtriebig, sein zweites Standbein für die Zeit nach der Fußballkarriere auszubauen. Das Resultat: Eisdielen und Döner-Läden in Köln und Bonn, zudem hat Poldi die Modebranche für sich entdeckt. Seiner Liebe zur Streetwear frönte er mit einem Sneaker-Store in Köln, der allerdings schon nach wenigen Monaten coronabedingt wieder schließen musste. Unter seinem Label STRASSENKICKER vertreibt er jedoch weiterhin Hoodies, Shirts, Caps und Taschen online sowie in einem Store am Kölner Alter Markt.

Podolskis jüngster Coup ist eine Kollabo mit ALDI: Im Frühjahr war seine Kollektion 10LP bei dem Discounter erhältlich. Sie präsentierte „exklusive Freizeitmode für Herren und Kinder“, so der Pressetext. „Ich liebe es, mit meinen Kindern zusammen im Partnerlook auf die Straße zu gehen. Da sieht jeder gleich, wir gehören zusammen“, wird Poldi weiter zitiert. ALDI kooperierte im Rahmen seiner Testimonial-Strategie im Textilbereich zum ersten Mal mit einem Fußballstar. Zunächst orientierte man sich eher in der Mode- oder Medien-Branche, machte Kollektionen mit Jette Joop, Ursula Karven, Dana Schweiger sowie TV-Moderator Daniel Aminati, Designer Steffen Schraut, Influencerin Sophia Thiel, Michelle Hunziker und sogar Hollywood-Schauspielerin Halle Berry. „Dazu kommen die Interieur-Kollektionen von Wolfgang Joop und Eva Brenner“, erzählt eine ALDI-SÜD-Sprecherin. Und jetzt gab es eben die feschen Freizeitlooks in Kooperation mit dem Weltfußballer Podolski. Nach welchen Kriterien wählt ALDI seine Testimonials aus?

„Bei der Sortimentsgestaltung orientieren wir uns in erster Linie an den Bedürfnissen und Wünschen unserer Kunden. Wir möchten qualitativ hochwertige Produkte zum besten Preis anbieten und unsere Kunden zunehmend auch mit spannenden und besonderen Aktionen – gern mit prominenter Unterstützung – überraschen. Gerade im Bereich Textilien, Deko- und Heimtextilien hat sich gezeigt, dass unsere Kunden die limitierten Kollektionen in Kooperation mit Testimonials gut annehmen“, so ALDI SÜD.

Mode muss zur Marke passen

Aber wie sieht die konkrete Zusammenarbeit bei solchen Kollabos wirklich aus? Bringen die Testimonials wie zum Beispiel Lukas Podolski tatsächlich eigene Designs und Ideen mit ein oder stellen sie lediglich ihren guten Namen zur Verfügung? „Das Besondere bei unseren Kooperationen ist, dass die Prominenten im Kreations- und Produktionsprozess der jeweiligen Kollektionen aktiv miteingebunden sind und zusammen mit unserem Einkauf den Stil und die Richtung festlegen. Das beginnt schon mit den ersten Entwürfen und der Auswahl der Materialien und Farbwelten. Die Kollektion trägt am Ende unverkennbar die Handschrift des prominenten Designers beziehungsweise Testimonials. Uns ist wichtig, dass der Prominente neben seiner glaubhaften Expertise zu den Produkten auch zur Marke ALDI SÜD und unseren Werten passt. Das ist authentisch und kommt bei unseren Kunden sehr gut an“, freut sich ALDI SÜD. Wer als nächster Starkicker die Leitbilder des Discounters ganz authentisch in Form einer Textillinie verkörpern wird, wird derzeit noch nicht verraten, weitere Kooperationen in dieser Richtung seien allerdings geplant, lässt ALDI durchblicken.

Man darf also gespannt sein auf neue Kollektionen von berühmten Fußballhelden, die mit Stilsicherheit und Gespür für Design einer Discounter-Textillinie oder eben einem eigenen Modelabel ihren Stempel aufdrücken. Bis dahin bleibt nichts, als sich vor allem an den spielerischen Fähigkeiten der Fußballer zu erfreuen – auch wenn das in diesen Tagen unter erschwerten Bedingungen geschieht: Die neue Bundesligasaison startet trotz Corona-Krise am 19. September.