E-Commerce im Plus

Lands’ End Inc.

Vom Segelladen zum Textilversender ©Screenshot www.landsend.com

Autor: Alexander Langhorst
Das US-Textileinzelhandelsunternehmen Lands’ End wurde im Jahre 1963 ursprünglich noch als Geschäft zur Ausstattung von Segelbooten gegründet. Seit der Ausweitung auf das Textilgeschäft ist man in Dodgeville, Wisconsin, ansässig. Heute liegt der Fokus der angebotenen Produkte auf Kleidung, Reisegepäck und ausgewählten Einrichtungsgegenständen, sodass ein interessanter Mix an Lifestyle-Produkten angeboten wird. Der überwiegende Teil des Geschäfts wird seit jeher im Distanzhandel abgewickelt. Neben dem klassischen Kataloggeschäft gewinnt dabei seit Jahren insbesondere der E-Commerce-Bereich an Bedeutung. Zudem verfügt man auch über eigene Retailflächen beziehungsweise Shop-in-Shop-Konzepte im stationären Handel. Der Markteintritt in Deutschland erfolgte im Jahre 1996, seit 1993 ist man in UK und seit 1994 in Japan vertreten.

Alexander Langhorst ©GSC Research

Bekannt ist Lands’ End im Markt auch durch die praktizierte Umtauschgarantie. Diese unter „Guaranteed. Period.“ bekannte Strategie sichert dem Kunden zu, die Ware jederzeit ohne Angabe von Gründen gegen eine volle Erstattung des Kaufpreises umtauschen zu können. Der Börsengang von Lands’ End erfolgte 2014 an der NASDAQ. Hintergrund des IPOs war der Ausstieg der Sears Company, welche Lands’ End im Jahre 2002 vom Unternehmensgründer Gary Comer zu einem Preis von 1,9 Milliarden US-Dollar erworben hatte.

In den Jahren 2016 bis 2019 hat Lands’ End seine Anleger mit einer positiven Umsatzentwicklung im schwierigen Textilumfeld erfreuen können. So kletterten die Erlöse von 1,41 Milliarden US-Dollar in 2017 (Geschäftsjahr jeweils 01.02. bis 31.01) auf jeweils 1,45 Milliarden US-Dollar in 2018 und 2019. Das um Flächenanpassungen bereinigte Umsatzwachstum erreichte zuletzt 5,4 Prozent nach 9,0 Prozent in 2018. Die Rohmarge kletterte von 42,5 Prozent in 2017 über 42,4 Prozent in 2018 auf zuletzt 42,9 Prozent. Das adjustierte EBITDA erreichte in 2019 einen Wert von 86,6 Millionen US-Dollar nach zuvor 76,6 Millionen US-Dollar. Daraus ergibt sich eine EBITDA-Marge von 6,0 nach zuvor 5,3 Prozent. Unter dem Strich verbesserte sich das Nettoergebnis auf 19,3 (Vorjahr 11,6) Millionen US-Dollar. Dies entspricht einem Ergebnis je Lands’-End-Aktie von 0,60 US-Dollar nach 0,36 US-Dollar im Vorjahreszeitraum.

Im ersten Halbjahr 2020 (01.02.2020 bis 31.07.2020) konnte sich Lands’ End den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie nicht gänzlich entziehen, obgleich das Unternehmen geschäftsmodellbedingt um die 95 Prozent aller Erlöse im Distanzhandel (E-Commerce) generiert und die stationären Flächen nur eine untergeordnete Rolle spielen. Dennoch ergaben sich durch die behördlich angeordneten Lockdown-Maßnahmen hier entsprechende Belastungen. Verglichen mit vielen anderen – insbesondere stationären – Handelskonzepten, hat sich Lands’ End allerdings gut behaupten können. Die Umsätze reduzierten sich im ersten Halbjahr auf 529,1 (560,7) Millionen US-Dollar. Allerdings ist im zweiten Quartal bereits eine deutliche Belebung erkennbar gewesen, hier lagen die Erlöse mit 312,1 Millionen US-Dollar sogar um 4,6 Prozent über dem Vorjahreswert von 298,3 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich weist Lands’ End für das erste Halbjahr einen Verlust von 16,3 Millionen US-Dollar nach einem Vorjahresfehlbetrag von 9,8 Millionen US-Dollar aus. Bezogen auf das Ergebnis je Aktie entspricht dies einem Wert von minus 0,50 (-0,30) US-Dollar.

Bemerkenswert bei Lands’ End ist, wie bereits beschrieben, der geschäftsmodellbedingt hohe Anteil an E-Commerce-Umsätzen. In diese fallen alle Umsatzerlöse aus dem Distanzhandelsgeschäft. 2019 lag deren Anteil bei 96 Prozent nach 92 Prozent im Vorjahr. Der verbleibende Umsatzanteil stammt aus stationären Handelsaktivitäten. Die Zahl der eigenen Stores in den USA beträgt 31 nach 25 im Vorjahr. Weitere Impulse verspricht sich das Management im laufenden Jahr durch zwei wichtige Vereinbarungen, zum einen mit amazon und zum anderen mit dem US-Warenhausbetreiber KOHL’S. Bei amazon sind seit dem zweiten Quartal sämtliche Artikel von Lands’ End verfüg- und bestellbar. Die Zusammenarbeit mit KOHL’S startet im Herbst 2020. Hierbei werden nicht nur die Produkte von Lands’ End über den dortigen E-Commerce-Shop kohls.com angeboten, sondern saisonale Artikel auch in 150 ausgesuchten KOHL’S-Stores im stationären Geschäft vertrieben.

Für das Gesamtjahr rechnet das Management – unter der Prämisse keiner erneuten großflächigen Lockdowns – mit im Vorjahresvergleich leicht sinkenden Umsätzen. Analog hierzu erwartet GSC Research einen Umsatzrückgang in Richtung von etwa 1,30 bis 1,35 Milliarden US-Dollar und ein adjustiertes EBITDA im Bereich von etwa 50 bis 55 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich dürfte sich daraus ein Ergebnis je Aktie von 0,38 bis 0,42 US-Dollar ergeben. Für 2021 rechnet GSC Research mit einer Verbesserung der Umsatz- und Ergebnisentwicklung im Vergleich zu 2020. Von einer Rückkehr auf das 2019er-Niveau gehen wir jedoch nicht vor 2022 aus. Auf Basis des erwarteten 2020er-EPS von 0,38 bis 0,42 US-Dollar wird der Lands’-End-Anteilsschein beim Kurs von 13,75 US-Dollar derzeit mit einem KGV in einer Bandbreite von 32,7 bis 36,2 bewertet und erscheint damit fair gepreist. Angesichts des sehr hohen Anteils am E-Commerce-Geschäft ist hier eine etwas über dem Branchenschnitt liegende Bewertung durchaus vertretbar, weshalb wir die Aktie derzeit als Halteposition mit einem fairen Wert im Bereich von 14,00 US-Dollar einstufen.