Konsumentenstudie: Stationärer Fachhandel wichtiger als gedacht

©FT

Nachhaltigkeit hat weniger Bedeutung

Der Industrieverband GermanFashion hat eine Verbraucherbefragung in Auftrag gegeben, die die Konsumentenpräferenzen vor und nach Corona beleuchtet – mit zum Teil überraschenden Ergebnissen. Abgefragt wurden neben modischen Aspekten insbesondere Kaufkriterien sowie bevorzugte Einkaufs- und Informationsquellen. Die Erhebung fand in den Kalenderwochen 11 und 36 statt. Die größten Überraschungen sind, dass der stationäre Fachhandel beliebter als Einkaufs- und Informationsquelle ist als angesichts des durch die Pandemie noch verstärkten Onlinebooms vermutet. Zudem ist die Nachhaltigkeit bei den Konsumenten vergleichsweise unwichtig und hat, wenn auch nur im geringen Umfang, in der Coronakrise sogar an Bedeutung verloren. Dabei sind es vor allem die älteren Semester, die sich für eine nachhaltige Wertschöpfung einsetzen und danach auch handeln. Modisch scheint die Casualisierung ihren Höhepunkt überschritten zu haben, es wird einerseits wieder eleganter, andererseits bleibt Funktionalität ein Thema. Die Befragung führte die Innofact AG durch, für die Auswertung und Interpretation der Ergebnisse engagierte der Verband Prof. Dr. Christian Duncker von der International School of Management (ISM).

Laut Studie bleiben die am häufigsten genutzten Handelsformen mit 50 Prozent die vertikalen Anbieter wie H&M, C&A, ZARA, dicht gefolgt vom stationären Fachhandel vor Ort, der im Vergleich zur ersten Erhebung sogar zugelegt hat (von 42 Prozent auf 44 Prozent). Auch die stationären Geschäfte der Bekleidungshersteller konnten um 1 Prozentpunkt zulegen. Onlineportale konnten ihre Reichweite jeweils um etwa 3 Prozent-Punkte steigern. „Deutlich weniger als auf Basis vieler Artikel zum ‚Boom des Online-Handels‘ erwartet“, sagt Prof. Duncker. Bei den Kaufkriterien stehen laut Studie pragmatische Kriterien im Vordergrund: Passform, Bequemlichkeit, Komfort sowie ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis (mit je rund 95 Prozent). Dagegen stehen „Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Herstellung“ bei den Konsumenten mit 69 Porzent neunter Stelle. Mit 48 Prozent ist die „Verwendung eines Siegels für Nachhaltigkeit oder Biomaterialien“ nur knapp jedem Zweiten „wichtig“, oder „eher wichtig“. „Seit dem Ausbruch von Corona ist die Beurteilung rückläufig – insbesondere hinsichtlich der Relevanz von ,Nachhaltige und umweltfreundliche Herstellung‘ ist die Wichtigkeit dieses Kriterium innerhalb von wenigen Monaten um ungewöhnlich hohe 10 Prozent-Punkte gesunken“, schreibt der Verband.

Zur Mode: „Grundsätzlich dominieren weiterhin praktische, bequeme und zeitlose Stile“, sagt Thomas Lange, Hauptgeschäftsführer von GermanFashion. „Aus dieser Gruppe hat der Anteil der sogenannten zeitlos funktionalen Bekleidungsstücke zugenommen, während nur bequem leicht rückläufig ist.“ Prof. Duncker ergänzt, dass insbesondere bei jüngeren Zielgruppen eine erste Abkehr vom Casual-Trend zu erkennen sei: „Wir können anhand unserer Ergebnisse sehen, dass gerade in den Kleiderschränken junger Menschen überdurchschnittlich häufig elegante, sehr modische und luxuriöse Kleidungsstile zu finden sind. Da gerade die jungen Menschen in der Modewelt in der Regel die First-Mover sind, liefert dies ein zusätzliches Indiz, dass der Casual-Trend der vergangenen Jahre seinen Zenit überschritten haben könnte.“ Die Befragung soll regelmäßig wiederholt werden.