Weißbier in Hessen

Auf ein Kaltgetränk …

„Blasmusik! Disco hatte ich in meinem Leben genug. Eine schöne Blasmusik, das ist schon was Feines.“ Maro Nachtrab; geschäftsführender Gesellschafter beim Hosenspezialisten Brühl

Autor: Andreas Grüter
Bier zum Frühstück geht nicht? Geht doch, wie wir bei einem Weißwurstfrühstück mit Maro Nachtrab, geschäftsführender Gesellschafter beim Hosenspezialisten Brühl, herausfanden. Wie sich der gebürtige Bayer in Hessen eingelebt hat, was er vermisst und warum letztlich die kleinen Dinge, die man mit Geld nicht kaufen kann, den großen Unterschied machen, erfahren Sie im dritten Teil unserer ‚Auf ein Kaltgetränk mit …‘-Serie – the Frühschoppen Edition.

FT: Guten Morgen, Herr Nachtrab. Man darf es ja keinem erzählen, aber wir genehmigen uns bereits um 11 Uhr ein Kaltgetränk. Was darf ich Ihnen anbieten?
Maro Nachtrab:
„Um diese Zeit trinke ich normalerweise noch keinen Alkohol, aber betrachten wir unseren frühen Konsum einfach als Teil eines ausgiebigen bayrischen Weißwurstfrühstücks. Da gibt es dann nichts Passenderes als ein eiskaltes Augustiner Weißbier.“

Ein Bembel Äppelwoi würde nicht infrage kommen? Schließlich wohnen Sie ja aktuell in Hessen …
„Nein, das ist überhaupt nicht meins. Mit Apfelwein können Sie mich nicht locken. Zum Glück gibt es mittlerweile selbst in Rotenburg in jedem Getränkemarkt bayrische Bierimporte wie Tegernseer, Chiemseer oder Bayreuther Helles. Ich muss also keine Angst haben zu verdursten.“

Ich muss gestehen, dass ich Bier eigentlich nicht besonders mag.
„Oh, das ist witzig. Ich war früher auch überhaupt kein Biertrinker und das, obwohl ich aus Bayern komme. Das alkoholische Getränk meiner Wahl war immer eher ein Gläschen Lugana-Wein, wobei ich zwischendurch auch immer mal ein Weißbier genossen habe. In den letzten drei Jahren bin ich dann komischerweise ein bisschen weg vom Wein und hin zum Bier gekommen.“

Ein Bayer in Hessen. Was vermissen Sie aus Ihrer Heimat?
„Am meisten vermisse ich einen schönen Biergarten, in dem man im Sommer unter alten Kastanienbäumen sitzt und sich eine zünftige Brotzeit mit einem kalten Augustiner gönnt. Wenn man in Bayern geboren ist, dann schlägt das Herz auch für Bayern. Das ist ja ein bekanntes Phänomen bei uns. Stoiber, der ansonsten nicht wirklich zu meinen Favoriten gehört, hat das moderne bayrische Gefühl mal mit ‚Laptop und Lederhose‘ beschrieben, und das bringt es ganz gut auf den Punkt.“

Was haben Sie denn aus dem Süden in die neue Heimat mitgebracht?
„Entgegen des Klischees hatte ich meine Lederhosen nicht im Gepäck, als ich nach Hessen kam. Stattdessen aber ein paar schöne, sehr alte Weißbiergläser mit feinem Schliff und natürlich meinen bayrischen Dialekt. Mit dem müssen die Einheimischen dann einfach leben.“

Und dann gibt es ja noch einen Dackel …
„Stimmt, meinen Rauhaardackel Bella darf ich hier natürlich nicht vergessen. Sie gehört jetzt schon seit sieben Jahren zur Familie. Nachdem unser alter Hund gestorben war, kam meine Frau zu dem Schluss, dass mir ein Rauhaardackel am besten zu Gesicht stehen würde. Rauhaardackel sind urbayrische Hunde und dazu echte Sturköpfe mit Charakter. Meine Frau stammt übrigens aus Düsseldorf.“

Wenn ich nicht gerade als geschäftsführender Gesellschafter für C. Brühl unterwegs bin, vertreibe ich mir die Zeit mit …?
„… Zeitung lesen, und zwar rein analog. Ob Süddeutsche, Frankfurter oder was auch immer. Klar, kann man das mittlerweile auch alles online machen, aber ich liebe einfach das Rascheln des Papiers. Bella legt sich übrigens dann gerne zum Kuscheln auf meinen Bauch. Ansonsten genieße ich ausgiebige Spaziergänge, eine gute Partie Golf und im Winter natürlich das Skifahren.“

Wissen Sie noch, was Sie als Kind werden wollten?
„Oh, da muss ich ein wenig ausholen. Ich komme aus einer Medizinerfamilie und meine Eltern wollten natürlich, dass ich die Tradition weiterführe. Leider war ich in Latein ein Fünferkandidat, sprich eine absolute Niete. Ich interessierte mich allerdings für den Handel und nachdem ich dann vom Latein- aufs Wirtschaftsgymnasium gewechselt worden war, kam eins zum anderen und aus der Fünf in Latein wurde eine Eins in Wirtschaft.“

Sie sind also zufrieden damit, wie es gelaufen ist?
„Ja, absolut.“

Wie kamen Sie denn überhaupt zur Mode?
„Ich dachte mir, es sei schlau, nach dem Abitur nicht sofort mit einem Studium anzufangen, sondern erst einmal eine Lehre zu absolvieren, und K&L, ein großer bayrischer Modefilialist, suchte Auszubildende. Also habe ich mich beworben und bin Handelsfachwirt geworden. Das war damals eine wirklich tolle Ausbildung, aus der ich viel gezogen habe. Darüber bin ich in die Mode reingerutscht und dann einfach hängengeblieben.“

Ich kann gut verzichten auf …?
„… Leute, die mir die Zeit rauben, und auf oberflächliche Gespräche. In der aktuellen Corona-Situation kann ich zudem auch auf Kneipen- und Restaurantbesuche prima verzichten. Je älter ich werde, und ich bin ja mit 49 Jahren noch überhaupt nicht alt, sind es mehr und mehr die Kleinigkeiten, die mein Leben bereichern. Klar, der Job sollte Spaß machen, schon allein, weil man damit so viel Zeit verbringt, und auch im privaten Leben sollte alles gut laufen. Die großen Reisen und das noch größere Auto müssen aber nicht mehr sein. Ich bin da ein recht bodenständiger Mensch. Wenn das Wetter schön ist, die Vögel in den Bäumen pfeifen, das Buch sich spannend liest und abends ein paar gute Freunde zum Essen oder auf ein Bier vorbeikommen, bin ich völlig zufrieden. Das ist mir viel mehr wert, als dieser ganze Kladderadatsch, den so viele Menschen meinen besitzen zu müssen. Ich habe ein Haus am Schliersee, und das ist mein kleines Paradies, wo ich mindestens einmal im Monat Körper, Geist und Seele auftanke. Für mich gibt es nichts Schöneres, als auf der alten wackeligen Bank vor dem Haus zu sitzen und auf den See zu schauen oder eine Runde mit meiner Frau und Bella am Ufer spazieren zu gehen. Man muss sich diese Auszeiten gönnen. Das sind die kleinen, aber so wichtigen Fluchten aus dem Alltag, die zudem ja noch kostenfrei sind.“

Welche sind Ihre modischen No-Gos und welche die absoluten Must-haves?
„Plakative Mode ist für mich ein absolutes No-Go. Mode muss Leute kleiden und nicht verkleiden. Auf eine klassische Chino oder eine Hose in Wolloptik will ich hingegen nicht verzichten. Passend dazu noch ein schönes Sakko und eine gute Jacke. Früher wäre es der Anzug gewesen, aber im Zuge der Casualisierung hängt der jetzt schon eine ganze Weile im Schrank.“

Sie haben die Wahl zwischen Disco und Blasmusik. Wofür entscheiden Sie sich?
„Blasmusik! Disco hatte ich in meinem Leben genug. Eine schöne Blasmusik, das ist schon was Feines.“