Die russischen Designer kommen!

KOMMENTAR

Autorin: Tays Jennifer Köper-Kelemen
Seien wir mal ehrlich – wenn wir als westliche Erdenbürger gemeinhin an russische Mode denken, was kommt uns da ad hoc als Erstes in den Sinn? Glitzerndes Bling-Bling? Eher fragwürdiges Design frei nach dem Motto „Mehr ist mehr“? Natürlich, es drängt sich ganz durchschaubar ein Klischee auf. Und trotzdem hängt es irgendwie in den Köpfen der Allgemeinheit fest. Vielleicht ein Überbleibsel aus der Zeit nach Auflösung der Sowjetunion, als für die Menschen westliche Mode greifbarer wurde, auf der Suche nach einer neuen Identität eine neue Freiheit auf eine neue Experimentierfreude traf?

Tatsächlich ist seit dem Ende der Sowjetunion viel passiert. Russische Mode hat viele Facetten gewonnen. Es gibt Marken, die Sowjet-Nostalgie und Tradition verpflichtet sind, auf der anderen Seite jedoch auch zahlreiche junge Labels urbaner Street- und Skaterwear, die stark von Szene-Gedanken geprägt sind. Progressive Kreative machen mit minimalistischen, experimentellen Kollektionen auf sich aufmerksam. Als prominentes Paradebeispiel einer neuen Generation darf wohl der Designer Gosha Rubtschinski gelten. Rubtschinski ist 1984 in Moskau geboren und zeigte 2008 seine erste Menswear-Kollektion unter eigenem Namen. Sein Stil verbindet sowjetische Momente mit russischer Jugendkultur, insbesondere die Skaterszene hat es ihm angetan. Seine Designs fanden schnell internationale Beachtung, wurden als neue, postsowjetische Ästhetik gefeiert. Er präsentierte seine Entwürfe auf der Londoner und Pariser Fashion Week, seit 2012 zeichnet COMME des GARÇONS für Produktion, Vertrieb und Marketing seiner Mode verantwortlich. Darüber hinaus verwirklichte er Design-Kooperationen mit Marken wie VANS, adidas und BURBERRY, auch realisierte er zahlreiche künstlerische Foto- und Film-Projekte. Ein echter Tausendsassa also. Und mehr noch: Designer wie Rubtschinski lassen erahnen, dass da in diesem großen, weiten Russland womöglich noch viel mehr Potenzial dieser Art schlummert. Bling-Bling? Fragwürdiger Schick? Vielmehr scheint diese Anschauung als die russische Mode aus der Zeit gefallen. Man darf gespannt sein.