Bewegte Zeiten

Editorial

Markus Oess

Während die alte Bundesregierung geschäftsführend im Grunde passiv bleibt, geht die mögliche neue Regierungsampel einfalls- bis ahnungslos mit der aktuellen Corona-Entwicklung um und bewegt sich genauso wenig. Die vierte Welle baut sich bedrohlich auf und – es passiert nichts. Im Gegenteil, es sieht so aus, als würde die epidemische Notlage ohne Zwang beendet und damit die Möglichkeit, zur Not auch wieder mit weitergehenden Kontaktbeschränkungen das Virus wieder einzufangen. Da stellt sich ein Spitzenpolitiker und Ministerkandidat im Tagesthemen-Interview mit Ingo Zamperoni hin und schwabuliert, dass Kontaktbeschränkungen wissenschaftlich belegt nichts brächten, um die vierte Pandemiewelle zu brechen, und deswegen nicht das Mittel der Wahl wären, um nur zwei Tage später zu behaupten, man habe ihn missverstanden. Eigentlich wollte er doch das Gegenteil sagen. Dass Zamperoni im selben Interview nachgehakt und die gleiche Antwort von Lindner ein zweites Mal erhalten hat, spielt halt keine Rolle. Wer es nicht glaubt, kann das Interview vom Freitag, 12. November, in der Mediathek der ARD noch einmal anschauen. Wer so wenig Weitsicht und Wahrheitsliebe zeigt wie Christian Lindner, empfiehlt sich kaum für ein Regierungsamt. Da ist es schon egal, wenn ihm von Nobelpreisträgern für Wirtschaftswissenschaften attestiert wird, eine von ihm beanspruchte Kompetenz, Wirtschaftswissen eben, aus dem vergangenen Jahrtausend zu haben. Nun haben die Ampelpartner zwar etwas nachgeschärft, wollen aber dennoch die Notlage auslaufen lassen. Ob das wirklich reicht? Wer kann, sollte sich bewegen, wer es nicht kann, wird bewegt.

Wir haben uns diesmal auch redaktionell um Bewegung gekümmert. Wir haben den Mitgründer von PLANETICS, Fabian Hörst, befragt, was ihn bewegt hat, eine Plattform für nachhaltige Sportartikel zu gründen, und wie das Unternehmen es in den kommenden fünf Jahren schaffen will, damit Ansprechpartner Nummer eins in Europa zu werden. Wir haben uns damit beschäftigt, warum „Draußen das neue Clubbing“ wird und welche Folgen die neu entdeckte Naturliebe für die Natur haben kann. Wir haben uns mit der Ahlers AG beschäftigt und beim Spitzenmanagement nachgefragt, wie der Konzern seine Marken BALDESSARINI und pierre cardin nach vorne bringen will. Klar ist, dass der Markt sich bewegt. Die Themen Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Markenprofil sind zentrale Handlungsfelder, auf denen sich der Konzern bewegen will, um zukunftsfähig zu bleiben.

Auch die messe frankfurt bewegt sich und arbeitet weiter an der physischen Premiere der NEONYT im Rahmen der FRANKFURT FASHION WEEK und bringt mit der val:ue ein neues Format an den Start, das dem Volumenmarkt eine Heimat geben soll. Wir haben mit Bettina Bär gesprochen, die seit wenigen Wochen für beide Formate verantwortlich zeichnet, und nach Inhalten und Zielen gefragt. Es laufe nach Plan, sagt die Managerin. Ob allerdings das Virus wieder alle Pläne der Frankfurter zunichtemacht, liegt nicht in der Hand der Messemacher, sondern eben der alten oder neuen Regierung. Wir dürfen also gespannt sein, ob sich in Berlin tatsächlich in Sachen effektive Pandemiebekämpfung etwas bewegt oder nicht.

Ihr

Markus Oess