Mit neuer Energie

NORDSTROM Inc.

Das Management rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatzanstieg gegenüber 2020 von über 35 Prozent. ©Nordstrom Holiday 2021-Campaign

Autor: Alexander Langhorst
Beim Namen „NORDSTROM“ wird dem geneigten Leser eher ein Energie- als ein Einzelhandelsunternehmen in den Sinn kommen. Tatsächlich handelt es sich bei der an der New York Stock Exchange (NYSE) notierten Gesellschaft um eine Kaufhaus- und Versandhauskette (Online Shops). Der Stammsitz des im Jahre 1901 vom schwedischen Einwanderer John W. Nordstrom und Carl Wallin gegründeten Unternehmens befindet sich nach wie vor in Seattle. Dort hatten die beiden Gründer auch ihr erstes Schuhgeschäft eröffnet. Seit den 1960er-Jahren werden neben Schuhen auch Bekleidungsartikel verkauft. Der Börsengang erfolgte im Jahre 1971.

Das Geschäftsjahr 2020 war bei NORDSTROM retailtypisch natürlich durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie mit teilweisen Lockdowns beziehungsweise Einschränkungen der Aktivitäten im stationären Handel verbunden. Alexander Langhorst ©GSC Research

NORDSTROM operiert mit seinen Angeboten im oberen Preissegment. Direkte Mitbewerber sind Unternehmen wie bloomingdale’s, Neiman Marcus, Saks Fifth Avenue und Lord & Taylor. Angeboten werden Bekleidung, Schuhe, Accessoires und Kosmetik für Damen, Herren und Kinder. Insgesamt verfügt man über rund 350 Filialen und mehrere verschiedene Online Stores. Derzeit betreibt das Unternehmen über 100 große Warenhäuser, die unter der Marke NORDSTROM in 40 verschiedenen US-Bundesstaaten vertreten sind. Des Weiteren werden rund 150 Filialen unter dem Label NORDSTROM rack und eine unter dem Label Last Chance geführt, in der nur reduzierte Ware erhältlich ist. In Kalifornien und auch auf verschiedenen europäischen Märkten ist man mit Boutiquen unter dem Namen Façonnable präsent. Über diesen Vertriebsweg laufen auch eigene Labels, NORDSTROM besitzt ein Portfolio von über 100 eigenen Markenzeichen.

Im Online- und Versandhandelsgeschäft agiert NORDSTROM mit einem klassischen Multichannel-Ansatz. So können die Kunden sich die Bestellungen wahlweise entweder direkt nach Hause oder in einen NORDSTROM oder NORDSTROM rack Store liefern lassen. Neben dem Geschäftsfeld Retail wird auch der Bereich Credit angeboten. Mit den dort ausgegebenen Kunden- und Kreditkarten werden der eigenen Kundschaft verschiedene Bankservices der Nordstrom Bank angeboten. Diese Angebote dienen zum einen zur Kundenbindung etwa über die Kundenkarten, ferner werden aber auch Kreditkarten von VISA ausgegeben, welche die Kunden auch bei allen Akzeptanzstellen außerhalb der NORDSTROM-Kette einsetzen können.

Bessere Geschäftsentwicklung erwartet

Das Geschäftsjahr 2020 war bei NORDSTROM retailtypisch natürlich durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie mit teilweisen Lockdowns beziehungsweise Einschränkungen der Aktivitäten im stationären Handel verbunden. Entsprechend sank der Konzernumsatz spürbar um gut ein Drittel auf 10,7 (15,5) Milliarden US-Dollar. Unter dem Strich drehte das Ergebnis ebenfalls deutlich ins Minus, sodass für 2020 ein negatives Ergebnis je NORDSTROM-Aktie von minus 4,36 US-Dollar nach einem positiven Betrag von 3,82 US-Dollar verzeichnet wurde. Auf 0,37 US-Dollar nach zuvor konstant 1,48 US-Dollar je Anteilsschein reduzierte sich auch die Dividendenausschüttung an die Anteilseigner.

Im aktuell laufenden Geschäftsjahr 2021 wartet der Konzern aus Seattle mit einer deutlich erfreulicheren Geschäftsentwicklung als im Vorjahr auf. Positiv wirkten sich hier die durch die Impfkampagne getragene Erholung der US-Wirtschaft und weitaus weniger Einschränkungen als im Vorjahreszeitraum aus. So kletterten die Umsatzerlöse in den ersten neun Monaten auf 10,3 (7,07) Milliarden US-Dollar, das Quartalsergebnis beträgt minus 22 Millionen US-Dollar nach minus 723 Millionen US-Dollar. Dies entspricht einem Ergebnis je Aktie von minus 0,14 US-Dollar nach minus 4,60 US-Dollar im Vorjahr. Bei der Bewertung der Ergebnisentwicklung ist natürlich zu beachten, dass Unternehmen wie NORDSTROM die wesentlichen Ergebnisbeiträge im vierten Quartal mit dem sehr wichtigen Weihnachtsgeschäft erzielen und in den übrigen Monaten strukturtypisch nur geringere Ergebnisbeträge erwirtschaftet werden. Betrachtet man das dritte Quartal 2021 isoliert, zeigt sich auch hier eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Bei auf 3,63 (3,89) Milliarden US-Dollar ausgeweiteten Umsatzerlösen lag das Quartalsergebnis bei 64 (53) Millionen US-Dollar oder 0,39 (0,34) US-Dollar je Aktie.

Das Management rechnet für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatzanstieg gegenüber 2020 von über 35 Prozent. Dabei werden eine EBIT-Marge von 3,0 bis 3,5 Prozent und eine Einkommensteuerquote von rund 27 Prozent erwartet. Ausgehend hiervon rechnet GSC Research für 2021 mit einer deutlichen Verbesserung der Umsatzerlöse auf rund 14,5 Milliarden US-Dollar nach 10,71 Milliarden US-Dollar im insbesondere durch COVID-19 geprägten Geschäftsjahr 2020. Das EBITDA dürfte nach einem negativen Wert von 362,5 Millionen Euro auf rund 1,05 bis 1,1 Milliarden US-Dollar in den positiven Bereich drehen. Entsprechend dürfte sich ein EBIT von etwa 440 bis 450 Millionen US-Dollar ergeben, nach einem negativen EBIT von 1,05 Milliarden US-Dollar in 2020. Unter dem Strich sollte sich ein Ergebnis je NORDSTROM-Aktie von etwa 1,00 bis 1,05 US-Dollar nach minus 4,36 US-Dollar einstellen. Für das Jahr 2022 rechnet GSC mit einer weiteren leichten Umsatzverbesserung in Richtung 15 Milliarden US-Dollar, bei einem EBITDA von etwa 1,20 bis 1,25 Milliarden US-Dollar, und einem EBIT von rund 550 bis 560 Millionen US-Dollar. Unter dem Strich sollte sich das Ergebnis je Aktie entsprechend weiter erhöhen. Damit würde auf der Umsatzseite in etwa wieder das Geschäftsvolumen wie vor der Pandemie erreicht. Für das laufende Jahr 2021 ist mit einer Dividendenzahlung von mindestens 0,37 US-Dollar zu rechnen, in 2022 sieht GSC hier noch weiteres Steigerungspotenzial. Wenngleich die früheren Ausschüttungen von 1,48 US-Dollar je Anteilsschein noch nicht wieder erreicht werden dürften.

Attraktives Investment

Auf Basis des erwarteten 2021er-Ergebnisses je Aktie wird die NORDSTROM-Aktie beim aktuellen Kurs von 18,60 Euro mit einem 2021er-KGV von etwa 15 bewertet und dürfte sich in 2022 in Richtung unter 13 weiter verbilligen. Den fairen Wert der Aktie sehen wir aktuell im Bereich von etwa 25 Euro, sodass die Aktie durchaus ein attraktives Investment auf dem nordamerikanischen Markt darstellt. Bei einer erwarteten konstanten Dividendenzahlung wie im Vorjahr ergibt sich eine Dividendenrendite von 1,7 Prozent, bei Rückkehr auf die Niveaus vor der Pandemie ergäbe sich auf dem aktuellen Kursniveau eine Rendite von über 7 Prozent. Investoren sollten aber etwaige Belastungen durch das Thema „Corona-Pandemie“ im Auge behalten, die bei einer „Verschärfung“ durch neue Mutationen durchaus für kurzfristigen Kursdruck sorgen könnten. In Deutschland werden NORDSTROM-Aktien unter anderem bei tradegate gehandelt, insbesondere bei kleineren Stückzahlen ist ein Handelsplatz in Deutschland unter Gebührenaspekt zumeist attraktiver als eine Order über die Heimatbörse in NYSE.